eHealth: Ein Biotop – noch lange kein Ökosystem

Die gute Nachricht: 70 Prozent der Schweizer Spitäler und Heime haben oder erarbeiten eine eHealth-Strategie. Das heisst: 30 Prozent tun das nicht.

, 24. November 2017, 10:00
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Wie geht es voran mit dem digitalen Umbau in den Schweizer Spitälern und Heimen? Einen Überblick bietet eine Erhebung, welche MSM Research und Swisscom durchgeführt haben; dahinter steht eine Umfrage bei 44 Institutionen plus die Auswertung von rund 100 weiteren ICT-Befragungen. Die Studie zeigt, dass die Spitäler dem Trend womöglich positiver gegenüberstehen, als es von aussen oft scheint.
Zur Studie: «eHealth und ICT im Schweizer Gesundheitswesen 2017» | MSM/Swisscom | November 2017.
Rund 70 Prozent der befragten Häuser haben bereits eine eHealth-Strategie oder arbeiten daran – so ein Ergebnis. Bei rund sechzig Prozent ist das Thema durch Projektteams oder durch feste Stellen in der Linie verankert; weitere 20 Prozent planen entsprechende Stellen oder Teams.
Die Befragung zeigt weiter, dass bei diesen Bemühungen  zwei Aspekte im Zentrum stehen, nämlich:

  • Die Optimierung der Prozesse: Schlankere Verwaltung, bessere Kommunikation, höhere Transparenz.
  • Die bessere Betreuung der Patienten: kürzere Reaktionszeiten, individuellere Zuwendung.

«In mittleren und grösseren Spitälern und Kliniken hat der Aufbruch begonnen», schreiben die Autoren der Studie. Sie sichten in den erwähnten Zahlen aber auch die Gegenseite: Zwar sind gut zwei Drittel «on the road» zur Digitalisierung – dies bedeute aber auch, «dass immerhin noch knapp 30% ohne entsprechende Pläne und festgeschriebenen Absichten arbeiten».

«Noch eher beobachtend»

Dieses Verhältnis zeigt sich auch in der Frage nach der «grundsätzlichen Haltung» zu eHealth: Ein knappes Drittel der befragten Spitalmanager sagten aus, «eine führende Rolle einzunehmen und andere Leistungserbringer für eHealth zu begeistern» (28 Prozent). Am andern Ende sagten gleich viele aus, «noch eher beobachtend und abwartend» mit dem Thema umzugehen (28 Prozent).
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Frage: Welche externen Stellen und Kontakte sind heute bereits mit Ihrem Spital oder Heim vernetzt? (Mehrfachantworten möglich) | Quelle/Grafik: MSM Research
«Viele Schweizer Spitäler beschäftigen sich derzeit intensiv damit, wie sie dank digitalen Lösungen intern aber auch mit anderen Leistungserbringern besser zusammenarbeiten können», kommentiert Thomas Bachofner, der CEO von Swisscom Health, die Resultate. 
Die Studie lässt aber auch wieder mal spüren, dass Vernetzung nicht gleich Vernetzung ist: Zwar ist es heute recht selbstverständlich, sich digital mit den Krankenversicherern auszutauschen (66 Prozent der Spitäler sind mit ihnen vernetzt), aber schon bei den Ärzten liegt die Quote bei eher mageren 44 Prozent. Und bei Spitex, Apotheken und Therapeuten erreichen die Anteile nicht mal ein Drittel.
Mit anderen Worten: Es gibt mittlerweile zwar viel digitalen Kontakt – aber bis daraus ein wahres Ökosystem wird, braucht es noch viel Engagement.
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