Stehen die Aargauer Kantonsspitäler bald unter einheitlicher Oberleitung?

Mit der Totalrevision des Aargauer Spitalgesetzes rückt die Zentralspital-Diskussion wieder näher. Und dies wiederum könnte auch die laufende Wahl für das neue VR-Präsidium beeinflussen.

, 26. November 2018 um 06:00
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Beim Kantonsspital Aarau (KSA) liegt derzeit einiges im Argen: Vor allem die Ereignisse rund um die Abrechnungen des inzwischen entlassenen Chefarztes der Angiologie lassen Fragen offen. In solchen Kleinkrisen ist eine starke und stabile Oberleitung von entscheidender Bedeutung: Eine Führung, die Ruhe schafft – und das Vertrauen wiederherstellt. Doch das KSA, seit Sommer mit einer schlankeren operativen Führungsstruktur unterwegs, hat sich vor kurzem vom aktuellen Verwaltungsratspräsidenten Konrad Widmer getrennt. 
Es ist daher gut möglich, dass dieser Personalwechsel ein Zeichen für einen Neuanfang an der operativen Spitze bedeuten könnte. Denn der Abgang eines VR-Präsidenten spurt oftmals gleichzeitig das Schicksal des Direktors und der gesamten Geschäftsleitung vor.

Kanton will mehr Handlungsspielraum

Aktuell wird im Kanton Aargau der Wiederbesetzungsprozess für das VR-Präsidium diskutiert. Nebst einem Nachfolger für Konrad Widmer müssen zwei weitere Vakanzen im VR-Gremium besetzt werden. Entscheidungen seien aber noch keine gefallen, wie das Departement Gesundheit und Soziales auf Anfrage mitteilt. Und weder das Präsidium noch die anderen Mandate seien derzeit ausgeschrieben. 
Wen die Generalversammlung im kommenden Sommer schliesslich in den Verwaltungsrat wählen wird, bestimmen die Gesundheitsdirektorin Franziska Roth und ein Vertreter des Finanzdepartements, nach Weisung des Gesamtregierungsrats.
Vor dem Hintergrund dieser Neubesetzungen rückt ein interessanter Nebenaspekt in den Vordergrund: Die Totalrevision des Aargauer Spitalgesetzes. Dieses soll auf den 1. Juli 2020 in Kraft treten. Derzeit läuft die Anhörungsfrist – noch bis Ende Januar 2019. Mit dem revidierten Gesetz will der Regierungsrat neue Handlungsspielräume und Steuerungsmöglichkeiten schaffen. Dabei geht es auch um die zukünftige Organisationsform. Denkbar sind zahlreiche Varianten: von der vollständigen Unabhängigkeit der Spitäler bis hin zur Fusion. 

Aargauer Regierung möchte eine Holding

Die Aargauer Regierung sieht vor, alle kantonseigenen Spitäler mittel- bis langfristig in eine «strategische Holdinggesellschaft» zu überführen. Diese Holding soll dann die strategische Führung über das Kantonsspital Aarau (KSA), das Kantonsspital Baden (KSB) und über die Psychiatrische Dienste Aargau (PDAG) übernehmen. Die operative Führung wird laut dem Kanton bei den Spitälern selbst verbleiben.
Die Totalrevision soll zudem eine einheitliche Besetzung von Verwaltungsräten ermöglichen. Das wiederum bedeutet, dass der künftige «Aargauer Spitalkonzern» dereinst unter einer einheitlichen strategischen Führung stehen könnte. Anders ausgedrückt: Der Verwaltungsrat als Oberleitung legt die künftige Strategie für die Aargauer kantonseigenen Spitäler fest. Und so kann gleichzeitig «eine Konzentration der Leistungsangebote» erreicht werden. Auch das Amt des Delegierten des Verwaltungsrates soll neu durch dieselbe Person in mehreren Spitalaktiengesellschaften ausgeübt werden können, wie der Gesetzesentwurf weiter vorsieht.
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Daniel Heller, eine geeignete Person für das Präsidium der Aargauer Spitäler | KSB

Einheitliche Besetzung von Verwaltungsräten

Für dieses Amt als KSA-VR-Präsident sticht ein besonders geeigneter Aargauer Kandidat hervor: Daniel Heller, der derzeitige Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals Baden (KSB). Unter seiner Oberleitung wirtschaftet das Spital seit Jahren profitabel. Das KSB erzielte in den letzten vier Jahren eine Ebitda-Marge von jeweils mehr als 10 Prozent, was nur wenige Spitäler erreichen. Zum Vergleich: Beim KSA lag dieser Wert in den vergangenen Jahren zwischen 0,9 und 6,1 Prozent. 
Heller, bis vor kurzem langjähriger Head of Public Affairs beim PR-Berater Farner Consulting, bevorzugte bereits vor ein paar Jahren die Idee eines Aargauer Kantonsspitals mit zwei Standorten unter gemeinsamer Führung. «Es braucht eine einheitliche Führung, die entscheidet, was an welchem Standort gemacht wird», sagte er Ende 2011 gegenüber der «Aargauer Zeitung». Vor allem aber dürfte der promovierte Historiker – anders als Konrad Widmer – über das nötige Netzwerk im Kanton Aargau verfügen. Und auch politisch ist der 59-Jährige versiert: Der Generalstabsoberst war über 25 Jahre im Grossen Rat – unter anderem als Fraktionspräsident der FDP. Daniel Heller, gleichzeitig VR-Präsident der Klinik Barmelweid, ist darüber hinaus zweifelsfrei ein profunder Kenner der Gesundheitspolitik. 
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