«Delta» verursacht keine schwereren Verläufe

Das berichten Experten aus den USA, wo sich die Virus-Mutation ebenfalls stark ausbreitet. «Delta» sei ein hinterhältiger Opportunist, so eine Infektiologin.

, 21. Juli 2021, 11:23
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«Delta dominiert Deutschland», schreibt das deutsche online Portal Focus. Aktuell gebe es ein Wachstum von mindestens 40 Prozent pro Woche. Dabei treffe es alle Bundesländer gleichermassen. Konkret: Rund drei Viertel aller Infektionen in Deutschland gehen inzwischen auf die Delta-Mutation zurück.
Auch in der Schweiz bereitet die Mutation Sorgen. Wie das Bundesamt für Gesundheit gegenüber Medinside bestätig hat, macht die Delta-Variante inzwischen über 70 Prozent der Fälle aus. Dass sich «Delta» mit den Lockerungen schnell verbreitet und andere Varianten verdrängt hat, wundert nicht: Die Variante gilt als viel ansteckender als andere Varianten, aber nicht als tödlicher. 

US-Experten zur Delta-Variante

Jetzt machen nach englischen auch Experten aus den USA Hoffnung. Wie Rebecca Wurtz, Expertin für Infektionskrankheiten an der University of Minnesota, gegenüber der «New York Times» erläutert, ist die Delta-Variante nicht gefährlicher als andere: Sie verursache keine schwereren Verläufe wie man es bis dato beobachten könne. «Delta» sei ein «hinterhältiger Opportunist» aber kein «Chaos-Mann», so Wurtz. 
Andere Fachleute wie etwa Janet Baseman, Epidemiologin der University of Washington, teilt die Meinung von Wurtz: «Ich habe bisher keinen überzeugenden Hinweis darauf gesehen, dass die Delta-Variante schwerer verläuft.» Und: Während der Mediziner Paul Sax am Brigham and Women’s Hospital in Boston bestätigt, dass schlimmere Krankheitsverläufe mehr auf einzelnen Anekdoten als auf aktuellen Daten basieren, sagt der Arzt Eric Topol von «Scripps Research»: «Ich glaube nicht, dass Delta Kinder kränker macht.»

Journalisten «interpretieren falsch»

Robert Wachter von der University of California, San Francisco, macht deutlich: «Wenn die Variante ansteckender ist, scheint sie oft auch schwerwiegender zu sein, weil der Anstieg der Fallzahlen zu einem Anstieg der Rohdaten von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen führt.» 
Die Reaktion von Journalisten und einigen Experten darauf sei, die neue Variante deshalb als «schlimmer», «riskanter» oder «gefährlicher» zu bezeichnen. Dabei werde der Unterschied zwischen Ansteckungsgefahr und Schweregrad vernebelt. «Ein Teil des Problems ist die Ungenauigkeit in der Sprache», doppelt Rebecca Wurtz in der «New York Times» nach. Trotzdem bleibe die Mutation aber ein Problem; vor allem bei ungeimpften alten Menschen.

Lesen Sie weiter zum Thema:

Covid: Wird mit der Delta-Mutation Angst geschürt?
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