Covid-Tests: Zürcher Apotheken sind am Limit

Die Zertifikatspflicht bringt die Zürcher Apotheken seit Montag an ihre Grenzen. Ausgelastet sind auch einige der Zürcher Spitäler.

, 15. September 2021, 09:27
image
Seit Montag, 13. September, gilt in Restaurants, im Inneren von Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie an Veranstaltungen in Innenräumen eine Zertifikatspflicht. Dieser Entscheid des Bundesrates von letzten Mittwoch hat einen regelrechten Run auf Corona-Tests ausgelöst, der sich diese Woche nochmals intensiviert hat: Zürcher Apotheken sprechen sogar von «brenzligen Situationen», wie eine Umfrage der «NZZ» zeigt. 
Eigentlich wundert es nicht: In der Schweiz sind Stand heute 52,91 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Wer nicht geimpft ist und weiterhin an Konzerte, ins Kino oder ins Fitness-Studio will, muss sich einem Corona-Schnelltest unterziehen. 

An der Kapazitätsgrenze

Dies setzt die Apotheken unter Druck. Wie der Apotheker Bruno Rüegg, Inhaber der Apotheken-Kette Apodro mit Filialen vornehmlich im Zürcher Oberland, gegenüber der «NZZ» sagt, sei es «der Wahnsinn, was da gerade abgeht». Seine Mitarbeiter seien an der Grenze. In seinen Filialen gebe es seit der Ausdehnung der Zertifikatspflicht bis Ende Monat keine Termine mehr. Dies obschon er und sein Personal ihre Testkapazität verdoppelt hätten. 
Natalia Blarer Gnehm, Leiterin des Projekts Covid des Apothekerverbandes Kanton Zürich und Leiterin der Top-Pharm-Apotheke an der Zürcher Europaallee, erlebt ähnliches. Auch sie bezeichnet gemäss der Zürcher Zeitung die Lage als «brenzlig». Die Bevölkerung scheine seit dem Entscheid des Bundesrates von letzter Woche in Panik ausgebrochen zu sein. Alle würden sich entweder impfen oder testen lassen. 

Aufgeheizte Stimmung

Die Stimmung, wie Blarer Gnehm in der Zeitung zitiert wird, sei aufgeheizt. Einer ihrer Mitarbeiter sei als «Nasen-Hitler» beschimpft worden»; ein 75-Jähriger, der sich kürzlich impfen liess, habe gesagt, sie sei Schuld, wenn er sterbe. Bedenklich: Blarer Gnehm musste an einem Morgen zwei Mal die Securitrans anrufen, weil die Situation zu heikel gewesen sei. Sie respektiere es, wenn sich jemand nicht impfen lassen wolle. «Dann muss man aber mit den Konsequenzen leben können und nicht den Frust an uns auslassen», sagt sie gegenüber der «NZZ». 
Den Trend beim Testen bestätigt Valeria Dora, Präsidentin des Apothekennetzes Zürich und Inhaberin der Top-Pharm-Apotheke Morgental in Zürich Wollishofen. Und: Apotheken müssen derzeit nicht nur die Testflut bewältigen. Wie Lorenz Schmid, Präsident des Zürcher Apothekerverbands, zitiert wird, kämen im Moment viele hilfesuchende Touristen ins Geschäft. Diese seien zwar doppelt geimpft, leider funktioniere der Zertifikatscheck in den Restaurants und Kinos nicht.

Spitäler verzeichnen grosse Nachfrage

Erhöht ist die Nachfrage auch in Testzentren der grossen Zürcher Spitäler. Beim Stadtspital Triemli heisst es auf Anfrage der «NZZ», dass seit der Bekanntgabe der Zertifikatspflicht durch den Bundesrat durchschnittlich 580 Tests pro Tag verzeichnet würden. In der Woche davor waren es durchschnittlich 525. Da täglich 600 Tests durchgeführt werden können, sei die Kapazität derzeit ausreichend.
Beim Testzentrum im Kantonsspital Winterthur wurden wegen der verstärkten Nachfrage die Öffnungszeiten wieder ausgeweitet. Derzeit werden gemäss der Zeitung täglich 150 statt wie zuvor 100 Test durchgeführt. Es gebe aber auch Ausnahmen. So schreibe das Universitätsspital Zürich, dass der Ansturm sich bis anhin in Grenzen halte.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

See-Spital: Rekurse blockieren Neubau

Das Baurekurs-Gericht hat Einwände von Anwohnern gegen das Medical Center in Horgen gutgeheissen.

image

Medikamente: «Wir betonen seit Jahren, dass die Situation immer schlechter wird»

«Problematisch» – so stuft der Bund die Arzneimittel-Engpässe ein. Nun soll eine Taskforce Massnahmen prüfen. Was sagt die Branche dazu? Wir haben nachgefragt.

image

Universitätsklinik weitet Angebot auf Männedorf aus

Das Universitäre Wirbelsäulenzentrum Zürich (UWZH) arbeitet neu auch im Spital Männedorf und bietet dort Standard-Operationen an.

image

Dieses Spital darf nicht so gross werden wie geplant

Es ist zu teuer: Das neue Schaffhauser Kantonsspital muss um 50 Millionen Franken billiger werden. Das hat der Spitalrat beschlossen.

image

Protest in Lausanne: Angestellte des Unispitals wollen mehr Lohn

Rund 250 Mitarbeitende des Universitätsspitals Chuv und Gewerkschaftsvertreter protestieren vor dem Hauptgebäude für einen vollen Teuerungsausgleich.

image

Die HFR-Operationszentren haben einen neuen Chefarzt

Pavel Kricka leitet neu als Chefarzt die Operationszentren des Freiburger Spitals (HFR). Er ist Nachfolger von Rolf Wymann.

Vom gleichen Autor

image

Die Grünenthal Pharma hat eine neue Leiterin

Maya Marescotti wurde zur Country Managerin der Schweizer Vertriebseinheit des in Deutschland gegründeten forschenden Pharmaunternehmens ernannt.

image

Krebsvorsorge: PCR-Tests sollen in die Grundversicherung

PCR-Tests erkennen Gebärmutterhalskrebs früher als die üblichen Pap-Tests. Die SGGG-Fachkommission bereitet einen Antrag für die Kostenerstattung durch die Grundversicherung vor.

image

WHO erklärt Covid-Pandemie weiterhin für einen globalen Notstand

Die Weltgesundheitsorganisation hebt die wegen der Corona-Pandemie ausgerufene höchste Alarmstufe weiterhin nicht auf. Die Staaten sollen die Überwachung regeln. Das macht die Schweiz.