Covid: Autoantiköper könnten gravierende Folgen haben

Patienten mit schwerem Covid-Verlauf haben Autoantikörper im Blut, die bei seltenen Autoimmunerkrankungen auftreten. Nun stehen sie in Verdacht, Patienten schwer zu schaden.

, 15. September 2021, 15:06
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Arthralgien, Myalgien, Müdigkeit, Trockenheit der Augen und Hautausschläge sind typische Kennzeichen von Autoimmunerkrankungen. Dies gilt auch für weitere Covid-Komplikation wie Myokarditis, Arthritis, Enzephalitis und Vaskulitis. Nun stehen die Autoantikörper in Verdacht, langfristige Folgen für die Patienten zu haben. Das Forscher-Team publizierten ihre Ergebnisse in Nature Communications
Ebenso fündig wurde ein Team um Paul Utz von der Stanford Universität in Palo Alto, Kalifornien. Die Immunologen untersuchten 147 hospita­lisierte Patienten und konnten bei jedem Vierten antinukleare Antikörper (ANA) nachweisen, die bei einer Reihe von Autoimmunerkrankungen auftreten.
Wie das deutsche Ärzteblatt schreibt, entschieden sich die Forscher für eine systematische Suche nach weiteren Autoantikörpern. Als «Köder» diente ihnen ein Assay mit 53 Antigenen, die ein häufiges Ziel von Autoantikörpern bei Sklerodermie, syste­mischem Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, Mischkollagenose und endokrine Autoimmunerkrankungen sind. 
Während sie bei 60 Prozent der Patienten Autoantikörper fanden, waren es in der Gruppe von Gesunden lediglich 15 Prozent. In einem weiteren Test fanden sie bei 80 Prozent der Patienten Antikörper gegen Zytokine, die bei schweren Verläufen von SARS-CoV-2 freigesetzt werden.
Durch die serielle Untersuchung mehrerer Blutproben konnte aufgezeigt werden, dass viele Antikörper bei der Aufnahme in der Klinik noch nicht vorhanden waren. Folglich seien sie eine Folge der Infek­tion. Der Pathomechanismus sei noch unklar, so das deutsche Ärzteblatt weiter.
Wie Utz erklärt, ist eine Möglichkeit ein vorübergehender Verlust der Selbsttoleranz. Das Immunsystem lerne früh im Verlauf des Lebens, körpereigene Ziele zu verschonen. Diese aktive Leistung des Immunsystems könne in einem immunologischen Notfall, bei der alle Kräfte benötigt werden, zeitweise verloren gehen.
Eine andere Erklärung sei, dass einige Antigene des Virus zufälligerweise eine Ähnlichkeit mit körper­eigenen Antigenen haben, was als molekulare Mimikry bezeichnet werde. Die zunächst gegen das Virus gebildeten Antikörper würden dann körpereigene Zellen angreifen. Ein Hinweis darauf sei, dass die Autoantikörper zeitgleich mit den Antikörpern entstanden, mit denen die Viren bekämpft wurden. Zudem hätten Patienten mit einer breiten Immunreaktion auf Sars-CoV-2 häufiger Autoantikörper gebildet.
«Die wichtigste Frage lautet jetzt, ob die Autoantikörper nach dem Ende der Erkrankung wieder aus dem Blut verschwinden – etwa weil sich die Selbsttoleranz wieder erholt hat-, oder ob sie lebenslang bestehen bleiben», schreibt das deutsche Ärzteblatt. Im letzten Fall könnte dies bedeuten, dass Genesene ein erhöhtes Risiko auf Autoimmunerkrankungen haben, deren Prävalenz wegen der hohen Zahl der Infektionen dann deutlich ansteigen könnte. Nun wollen die Forscher als nächstes Patienten mit Post-Covid  untersuchen, um herauszufinden, ob die Auto­antikörper möglicherweise ein Grund für die langsame Erholung sind.
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