Bund will die Rolle der Patienten stärken

Die Eidgenössische Qualitätskommission fordert, dass die Qualität im Gesundheitswesen koordiniert gemessen wird. Die Projekte 2022 sind am Start. Profitieren sollen die Patienten.

, 21. Juni 2022 um 14:27
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Die Eidgenössische Qualitätskommission (EQK) wurde in Folge der Revision des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) im April 2021 vom Bundesrat eingesetzt. Die EQK ist eine ausserparlamentarische Expertenkommission mit 15 Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens. Heute Dienstag hat die EQK ihren ersten Jahresbericht präsentiert.  
Aufgabe der EQK ist die Förderung der Qualitätsentwicklung im Rahmen des Krankenversicherungsgesetzes. Dies beinhaltet die Entwicklung von

  • Qualitätsindikatoren und -messungen, 
  • die Stärkung des Datenmanagements, 
  • die systematische Verwendung von Qualitätsindikatoren in Qualitätsverbesserungsprozessen sowie 
  • den Aufbau von Qualitätsmanagementsystemen. 

Nicht zuletzt sollen Patientinnen und Patienten in ihrer Rolle gestärkt und die Patientenperspektive stärker in die Führung von Gesundheitseinrichtungen einbezogen werden. 
Die Aufgaben und Massnahmen der EQK ergänzen und unterstützen diejenigen der Krankenversicherer, der Leistungserbringer und der Verwaltung.

Zwei Programme am Start

Ein wichtiger Schritt vorwärts erreichte die EQK mit der Ausschreibung von nationalen Programmen zur Qualitätsentwicklung, die die Qualität der Gesundheitsversorgung von der Messung bis hin zur breitflächigen Einführung von Qualitätsverbesserungen weiterentwickeln, teilt das Bundesamtes für Gesundheit (BAG) mit. Bereits in diesem Jahr sollen die folgenden beiden nationalen Programme anlaufen:
Das eine Programm wird sich auf Qualitätsverbesserungen für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen konzentrieren. 
Das zweite hat zum Ziel, Fachpersonen in der bereichsübergreifenden Versorgung einer ausgewählten Krankheit zu unterstützen.
Zur Wahl des ersten Krankheitsbildes, das im Rahmen eines solchen Programms zum Zuge kommen soll, wird dieses Jahr ein Dialogprozess mit den interessierten Partnern durchgeführt. Anträge zur Teilnahme können noch bis Mitte Juli eingereicht werden. Beide Programme werden eine Laufzeit von mehreren Jahren haben.

Unterstützung für Stiftung Patientensicherheit 

Die EQK kooperiert eng mit der Stiftung Patientensicherheit Schweiz und unterstützt diese bei ihrer strategischen Neuausrichtung. Für drei Projekte konnte 2022 eine mehrjährige Zusammenarbeit initiiert werden. 
Im Projekt zu Risikomonitoring und -reduktion werden «Fast-Fehler» gesammelt und analysiert, um sie für Verbesserungen zu nutzen. Im Rahmen der beiden anderen Projekte stehen Wissenstransfer und Schulungen im Fokus, die in der ganzen Schweiz breitflächig eingeführt werden sollen. 
Weitere Projekte werden aktuell ausgearbeitet. Zudem finanziert die EQK in diesem Jahr die Aktivitäten der Stiftung Patientensicherheit Schweiz während ihrer jährlichen Aktionswoche, die im September zum Thema Medikationssicherheit stattfindet.

Geld für Projekte aus der Praxis

Ein Teil des Budgets der Kommission wird zudem für die finanzielle Unterstützung von Projekten aus der Praxis verwendet. Bisher haben zwei Ausschreibungsrunden stattgefunden. 
In der ersten wurden zwei Projekte des Nationalen Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) mit einem Beitrag von 175'000 Franken unterstützt. 
In der zweiten Runde wurden 29 Projektanträge geprüft. Voraussichtlich werden sieben grössere Projekte mit einem Förderbeitrag von gut vier Millionen Franken unterstützt. 
Ein dritter Eingabetermin für Projektanträge ist Ende August dieses Jahres. Die finanzielle Unterstützung von Projekten kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Wichtig ist, dass diese einen direkten Einfluss auf die Qualität der Leistungen und da-mit auch einen direkten Nutzen für die Patientinnen und Patienten haben. 

Weitere EQK-Schwerpunkte

Weitere Schwerpunkte der EQK sind unter anderem der Aufbau einer Webseite, die Qualitätsvergleiche öffentlich sichtbar machen wird. Dabei werden nicht nur klinische Qualitätsindikatoren erhoben und aufbereitet. Vielmehr geht es auch darum, die Einschätzung der Patientinnen und Patienten bezüglich ihrer Erfahrungen mit dem System (PREMs) und bezüglich ihres Gesundheitszustandes und ihrer Lebensqualität nach einer Behandlung (PROMs) zu erfassen und auszuwerten. 
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Einbezug von Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen in Entscheidungen im Gesundheitswesen auf verschiedenen Ebenen.
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