Bund wertet Komplementärmedizin auf

Homöopathie oder Anthroposophie sollen den anderen medizinischen Fachrichtungen gleichgestellt werden. Damit müssen die Krankenversicherer Leistungen der Alternativmedizin definitiv übernehmen.

, 29. März 2016 um 11:20
image
  • komplementärmedizin
  • politik
  • versicherer
Seit 2012 muss die obligatorische Krankenpflegeversicherung die ärztlichen Leistungen der anthroposophischen Medizin, der traditionellen chinesischen Medizin, der Homöopathie und der Phytotherapie übernehmen. Dies nachdem das Volk einen Verfassungsartikel zur Berücksichtigung der Komplementärmedizin deutlich angenommen hatte. 
Die Regelung gilt provisorisch bis 2017. Sie ist darum provisorisch, weil der Nachweis ausstand, dass die Leistungen «wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich» sind. Nun zeigte sich, dass der Nachweis für die Leistungen «als Ganzes» nicht möglich ist. Darum soll künftig ein abgestuftes Verfahren gelten.
Grundsätzlich bleiben die Leistungen damit auch nach 2017 kassenpflichtig. Wie bei anderen medizinischen Fachrichtungen sollen lediglich einzelne umstrittene Leistungen überprüft werden. Dabei müssen die Anwendungs- und Forschungstradition, wissenschaftliche Evidenz, ärztliche Erfahrung und Weiterbildung berücksichtigt werden.

Leistungsvergütung ohne Unterbruch

Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) schickt entsprechende Verordnungsanpassungen in die Anhörung, wie es in einer Mitteilung heisst. 
Die Gleichstellung soll neben den vier erwähnten Bereichen auch die Akupunktur miteinbeziehen, welche bereits heute unbefristet von der Grundversicherung vergütet wird. Vorgesehen ist, dass die neuen Bestimmungen am 1. Mai 2017 in Kraft treten. 
Kostenmässig fällt die Komplementärmedizin kaum ins Gewicht. Die Kosten werden jährlich auf 50 Millionen Franken geschätzt. 

  • Zur Mitteilung des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI)

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Franchise: Eigenverantwortung gibt es

Beanspruchen die Menschen viel mehr Medizin, wenn die Franchise überschritten ist? — Kaum. Dies besagt eine neue Studie von Groupe Mutuel und HSG.

image

Krankenkassen und Ärzte wollen keine Regulierung für Netzwerke

Der Krankenkassen-Verband Curafutura fürchtet Mehrkosten und Bürokratisierung.

image

Widerstand gegen UPD-Sparmassnahmen weitet sich aus

Nun wehren sich auch Ärzteschaft und Pflegepersonal gegen die Einsparungen bei den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern.

image

Krankenkassen wollen keine Zahn-Kontrollen zahlen

Der Verband Curafutura stemmt sich gegen das Ansinnen, dass die Grundversicherung Dolmetscher-Dienste, Zahn-Vorsorge und DH berappen soll.

image

Karl Lauterbach kippt Homöopathie aus der Grundversicherung

«Die Grundlage unserer Politik muss die wissenschaftliche Evidenz sein», sagt der deutsche Gesundheitsminister.

image

Bundeskasse statt Krankenkasse: 40 Prozent liebäugeln mit einer Gesundheitssteuer

Und die Idee einer Einheitskasse hätte jetzt offenbar eine Mehrheit in der Bevölkerung – so eine neue Erhebung.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.