Biontech: Subventioniert von der Allgemeinheit trotz satter Gewinne

Das Biopharma-Unternehmen erzielte eine Umsatzrentabilität von mehr als 50 Prozent. Die Forschungs- und Entwicklungskosten für den Covid-19-Impfstoff bezahlte die Allgemeinheit.

, 13. August 2021, 12:14
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«Impfstoff für die Welt – ein transformierendes Jahr für Biontech», schreibt das Mainzer Biopharma-Unternehmen in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2020. Die Zahlen sind bemerkenswert: Der Gewinn im zweiten Quartal lag bei rund 2,8 Millliarden Euro – im Vorjahr machte Biontech noch einen Verlust von 88,3 Millionen Euro.
Auch der Umsatzsprung sticht ins Auge: Im zweiten Quartal verzeichnete Biontech einen Umsatz von rund 5,3 Millarden Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 41,7 Millionen Euro.
Die Biontech-Aktien schnellten nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen 6,5 Prozent hoch, wie die «Handelszeitung» Anfang der Woche berichtete. Im Jahr 2019, als der Börsengang an der amerikanischen Nasdaq erfolgte, kostete eine Biontech-Aktie lediglich 15 US-Dollar. Derzeit beträgt der Aktienpreis 374 US-Dollar pro Stück. Das bedeutet also ein Kursplus von rund 2500 Prozent in gerade mal zwei Jahren.

Umsatzrentabilität von mehr als 50 Prozent

Der deutsche Watchblog «NachDenkSeiten» veröffentlichte am 10. August einen Artikel, indem die Biontech-Zahlen kritisch unter die Lupe genommen werden. Darin hält der Journalist fest, dass der Gewinn (2,8 Milliarden Euro) mehr als die Hälfte des Umsatzes (5,8 Millarden Euro) ausmacht – «ein sehr deutliches Zeichen dafür, dass der Impfstoff ganz sicher nicht zum Selbstkostenpreis verkauft wird», schreibt er. 
Pfizer/Biontech verlangt für seinen Impfstoff 16,50 Euro pro Dosis – Astra Zeneca 2,50 Euro pro Dosis. Auf diese Weise lasse sich eine Umsatzrentabilität von mehr als 50 Prozent erzielen. Eine Umsatzrentabilität von mehr als 50 Prozent sei selbst in der margenstarken Pharmabranche ein mehr als «ausserergewöhnliches Ergebnis», das sich auf dem freien Markt mit freien Preisen niemals erzielen lassen könnte.

375 Millionen Euro Subventionen

Gemäss des deutschen Watchblogs hat alleine der Bund dem deutschen Partner von Pfizer 375 Millionen Euro als nicht zurückzahlbaren Zuschuss für die Entwicklung des Covid-19-Impfstoffs zur Verfügung gestellt. Das entspreche annähernd der Summe von 359,9 Millionen Euro, die Biontech in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2020 für sogenannte «Bezogene Leistungen» im Kostenblock Forschung und Entwicklung ausweist (siehe S. 140). Im Vorjahr waren es 65,6 Millionen Euro.
Der Journalist konkludiert: «Das deutsche Biopharma-Unternehmen hat in Summe also mehr Zuschüsse vom Bund bekommen, als es selbst als sachbezogene Aufwendungen für die Corona-Impfstoffenwicklung ausweist.» Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass es Biontech offenbar noch nicht einmal geschafft habe, die gesamten Staatszuschüsse auszugeben. In der Jahresbilanz seien lediglich 239 Millionen Euro verbucht, weitere 88 Millionen Euro würden als «Kompensation für zukünftige Aufwendungen» bilanziert werden.
Anhand der Zahlen könne man also schlussfolgern, dass der gesamte Biontech-Anteil der Forschungs- und Entwicklungskosten durch die Allgemeinheit – also durch den Steuerzahler – finanziert worden sei.
Der Staat hat also mit 375 Millionen Euro Biontech subventioniert und das Unternehmen hat davon 359,9 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung des Impfstoffs investiert.

Verkaufserlöse von 15,9 Milliarden Euro prognostiziert

Ende 2020 hatten Biontech und Pfizer die weltweit erste Zulassung für einen Covid-19-Impfstoff erhalten. Die beiden Pharmaunternehmen setzen mit dem Vakzin Milliarden von Euro um. Laut eigenen Schätzungen geht Biontech davon aus, rund 2,2 Milliarden Impfdosen bis zum Jahresende ausgeliefert zu haben. Das Unternehmen erwartet Verkaufserlöse von 15,9 Milliarden Euro. 

Mittlerweile ein dicker Fisch an der Börse

Das Mainzer Biopharma-Unternehmen hat derzeit – gemessen am Aktienkurs – einen Wert von 109 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Bayer wird mit 46 Milliarden US-Dollar und BASF mit 62 Milliarden bewertet.
Es erstaunt daher nicht, dass Biontech-Gründer Ugur Sahin heute zu den zehn reichsten Deutschen gehört – sein Vermögen beträgt 18 Milliarden US-Dollar. Die Zwillinge Andreas und Thomas Strüngmann, die einst den Generika-Hersteller Hexal aufbauten und nun fast die Hälfte von Biontech besitzen, haben mit einem Firmenanteil von 52 Milliarden US-Dollar sogar die Aldi-Familie überholt und sind nun die reichsten Deutschen.
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