Big Data als Pflichtstoff für Medizinstudenten

Für einige Medizinstudenten in den USA gehört die Analyse von grossen Datenmengen bereits zur Routine. Jetzt hat eine erste Top-Universität den Umgang mit Medizindaten fest in den Lehrplan aufgenommen. Was heisst das zum Beispiel?

, 2. November 2015, 10:39
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«Big Data» sind Datenmengen, die gross und komplex sind. Sie zu analysieren und interpretieren verlangt dem Gehirn viel ab. Und genau das tun Medizinstudenten an der medizinischen Fakultät der New York University.
«Wenn Sie als Mediziner nicht über diese Fähigkeiten verfügen, sind Sie heute klar im Nachteil», sagte Marc Triola dem Portal des National Public Radio. Triola ist Dekan für Bildungsinformatik an der medizinischen Fakultät der Universität New York.

«Whopper-Index» und die Kosten für ein Hüftgelenk

Künftig müssen alle Studenten des ersten und zweiten Jahrs ein «Health Care by the Numbers»-Projekt machen – also ein Gesundheitsthema auf Basis von statistischen Häufungen beziehungsweise Daten bearbeiten.
Zum Beispiel erhalten sie Zugang zu einer riesigen Datenbank mit mehr als 5 Millionen anonymen Aufzeichnungen: Alter, Rasse, Ethnizität, Postleitzahl, Kosten, Daten zu Diabetes, Rauchen, hoher Blutdruck …
Ein angehender Mediziner verglich in seinem Datenbank-Projekt zum Beispiel die regional unterschiedlichen Kosten für ein künstliches Hüftgelenk – und zwar mit dem berühmten «Big-Mac-Index», der weltweit zur Kaufkraft-Messung herangezogen wird. Weil McDonalds die Daten aber nicht herausrücken wollte, wandte er sich dann an Burger King. Jetzt misst halt der «Whopper-Index» die Kaufkraft bei der Einsetzung von Hüftgelenken.

Margen sind höher als im Fast-Food-Geschäft

Fazit: Nicht nur die Fast-Food-Hamburger kosten in New York City mehr als anderswo, sondern auch die Gesamtkosten für ein künstliches Hüftgelenk fallen unterschiedlich aus. Allerdings seien die Margen bei einer Hüftoperationen viel höher als bei Hamburger. Die Antwort auf die Frage, warum das so ist, sei jetzt der nächster Schritt im Projekt. 
Es ist zu vermuten, dass die NYU Medical School mit der zunehmenden Betonung von Big Data im Curriculum nur einen Weg pfadet. Auch die Medical School von Harvard überarbeitet derzeit die Lehrpläne – und eines der Themen, die hier zur Debatte stehen, ist neben einer Aufwertung von Genetik und Statistik eben auch ein Fokus auf die zunehmend bedeutsame Rolle von Daten im Gesundheitswesen.
Big Data gilt in der Gesundheitsbranche als Versprechen für die Zukunft. Die schiere Menge der Daten fördert einen Datenschatz zutage, der nicht nur für die medizinische Forschung Potenzial birgt – auch für Kosteneinsparungen in der Krankenversicherung. 
Quellen / mehr:
«NYU Medical School adds big data to course requirements», in: «MedCity News»
«Medical Students Crunch Big Data To Spot Health Trends», in: «National Public Radio»
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