Anästhesist steckt Dutzende mit Hepatitis C an

Der süchtige Arzt injizierte sich Schmerzmittel aus Spritzen, mit denen er danach auch Patienten behandelte, so der Verdacht.

, 7. Dezember 2018, 10:09
image
  • spital
  • hepatitis
  • deutschland
  • skandal
Bereits vor einigen Wochen hatten über 1000 Patienten unangenehme Post erhalten. Es bestehe der Verdacht, dass sie sich im Spital Donauwörth in Bayern mit Hepatitis C infiziert hätten. Beim anschliessenden Test wurde der Verdacht bei 62 Personen Gewissheit. Am Montag nun wurden weitere 362 Patienten angeschrieben, wie die «Augsburger Allgemeine» am Freitag schreibt.  Doch wie kam es zu den Infektionen?
 Gemein ist allen Angeschriebenen, dass sie sich 2016 im Spital Donauwörth operieren liessen und während der Operation von ein und demselben Anästhesisten betreut wurde. Der Mittfünfziger arbeitete gemäss Medienberichten zuvor bereits 10 Jahre am Klinikum. Dann wurde er von einem Mitarbeiter im Operationbereich mit einer Spritze im Arm erwischt. Diese enthielt den Wirkstoff Sufentanyl, der stark schmerzlindernd ist und schnell abhängig macht. Der Arzt wurde umgehend entlassen. Er gab zu, süchtig zu sein. Ein Test ergab, dass er an Hepatitis C litt. Der Verdacht: Der Arzt hat sich ein Teil des Wirkstoffs infiziert bevor er den Rest mit den selben Spritzen den Operationspatienten spritzte. So hat er manche seiner Patienten mit Hepatitis C angesteckt.
Hepatitis C wird über das Blut übertragen. Dies etwa über Spritzen, bei sexuellem Kontakt, beim Tätowieren oder über Blutkonserven. Zwischen 20 und 50 Prozent der Hepatitis-C-Infektion heilen innerhalb des ersten halben Jahres von alleine wieder aus und führen nur zu wenig Beschwerden. In den anderen Fällen bleibt das Virus jedoch aktiv - eine chronische Leberentzündung kann entstehen. Wird diese nicht behandelt drohen Spätfolgen wie eine Zirrhose oder Leberkrebs. Es existieren Therapien. Diese sind jedoch enorm teuer.
Der Arzt gibt zwar zu, für sich die selben Spritzen verwendet zu haben wie für die Patienten - jedoch erst nach der Behandlung. Weil der für das Personal vorgesehene Routinecheck, der auch ein Heaptitis-C-Test beinhaltet, nicht stattfand, habe der Arzt nichts von seiner Infektion gewusst. Der Arzt ist heute arbeitslos.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Freiburger Spital muss Operationen verschieben

Das Freiburger Spital HFR sieht keine andere Lösung mehr: Weil alle Betten ausgelastet sind, verschiebt es nicht dringende Eingriffe.

image

Die Rega scheitert im Wallis an Air Zermatt und Air Glacier

Der Kampf der Rettungs-Unternehmen um den Walliser Luftraum ist entschieden: Die Rega erhält keinen Auftrag.

image

Nun macht auch Team der Uroclinic in Wetzikon mit

Die Urologieabteilungen des Zürcher Unispitals und des GZO Spitals Wetzikon nehmen einen dritten Partner auf: Die Uroclinic Wetzikon.

image

Klimawandel macht deutschen Ärzten am meisten Sorgen

Deutsche Ärzte sorgen sich ums Klima und sind eifrige Spender. Das zeigt eine Umfrage dazu, wie Mediziner mit sozialen Problemen umgehen.

image

Dieses Foto aus dem Zürcher Kinderspital holt einen Preis

Ein Bild der Fotografin Barbora Prekopová vom Kinderspital Zürich erhält die Auszeichnung als «bestes PR-Foto des Jahres 2022».

image

José Oberholzer auf dem Sprung in die Schweiz?

Der Chirurg José Oberholzer soll angeblich die Funktion als neuer Klinikdirektor der prestigeträchtigen Transplantations-Chirurgie am Zürcher Unispital übernehmen.

Vom gleichen Autor

image

Covid-19 ist auch für das DRG-System eine Herausforderung

Die Fallpauschalen wurden für die Vergütung von Covid-19-Behandlungen adaptiert. Dieses Fazit zieht der Direktor eines Unispitals.

image

Ein Vogel verzögert Unispital-Neubau

Ein vom Aussterben bedrohter Wanderfalke nistet im künftigen Zürcher Kispi. Auch sonst sieht sich das Spital als Bauherrin mit speziellen Herausforderungen konfrontiert.

image

Preisdeckel für lukrative Spitalbehandlungen?

Das DRG-Modell setzt Fehlanreize, die zu Mengenausweitungen führen. Der Bund will deshalb eine gedeckelte Grundpauschale - für den Direktor des Unispitals Basel ist das der völlig falsche Weg.