«Als Klinikdirektor bin ich der Dirigent der Solisten»

Erst Kommunikationschef, jetzt Klinikchef: Wie geht das? Nach vier Jahren in der Konzernzentrale übernahm Peter Werder die Leitung der Hirslanden-Klinik Belair in Schaffhausen. Das Interview.

, 27. April 2016, 10:00
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Herr Werder, Ihre bisherige Berufserfahrung liegt hauptsächlich in den Bereichen Medien und Kommunikation. Nun sind Sie Klinikdirektor. Warum dieser Richtungswechsel?
Ich betrachte dies weniger als Richtungswechsel denn als eine Weiterentwicklung aufgrund der Erfahrungen, die ich in der Kommunikation gemacht habe. Vieles ist ähnlich, denn auch in der Kommunikation ist während der letzten Jahre einiges komplexer geworden, sie ist nahe an der Unternehmensstrategie angesiedelt und hat Schnittstellen zu allen Bereichen des Unternehmens. Während ich als Kommunikationsleiter vielleicht eher der Tontechniker eines Orchesters war, bin ich heute der Dirigent, der die Solisten in einem Orchester zu gutem Zusammenspiel anleitet.
Dazu kam natürlich auch meine persönliche Situation: Nach Abschluss des MBA in General Management wollte ich mich auch praktisch noch mehr in diesen Bereich vertiefen.
Und wie kam es konkret zu diesem internen Wechsel bei Hirslanden?
Ich denke, es ist wichtig, dass man ein vorhandenes Interesse an Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen offen signalisiert und zum Beispiel in Mitarbeitergesprächen auslotet. Dies habe auch ich getan.
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    Peter Werder

    Direktor Hirslanden Klinik Belair

    Nach seinem Engagement als Journalist und PR-Berater für diverse Agenturen und Medien war Peter Werder erst als Leiter Unternehmenskommunikation der ÖKK in Landquart tätig, bevor er 2011 als Leiter Unternehmenskommunikation zu Hirslanden ging. Seit Januar ist er Direktor der Hirslanden Klinik Belair in Schaffhausen. Nach seinem Studium der Publizistikwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft in Zürich promovierte er 2007 im Fach Philosophie. 2014 schloss er sein Executive MBA in General Management an der HSG ab.

Und als dann die konkrete Situation mit der offenen Direktor-Stelle in der Gruppe kam, habe ich mich beworben – ganz «normal» – und den kompletten Bewerbungsprozess durchlaufen. Ich finde das auch wichtig. Es darf nicht zu einer Bevorzugung kommen, so dass das Gefühl aufkommt, dass so ein Job unter der Hand intern vergeben wird. Das wäre weder gut für das Unternehmen noch für den, der den Job erhält.
War der Bewerbungsprozess anstrengend?
Klar, es gab Gespräche, Assessments et cetera. So wie es eben üblich ist.
Beschreiben Sie uns Ihre neue Funktion respektive Ihr Aufgabengebiet in maximal drei Sätzen.
Zum einen muss der Klinikdirektor die Klinik im Rahmen der Vorgaben strategisch weiterentwickeln. Zum anderen muss er aus allem das Beste herausholen, aus Mitarbeitern, Belegärzten, Partnern und so weiter, so dass er eben der Dirigent der Solisten ist, dass diese ihr Bestes leisten und dabei alle zufrieden sind.
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    Klinik Belair

    Die Klinik Belair in Schaffhausen beschäftigt rund 125 Mitarbeiter und behandelt pro Jahr etwa 1'500 Patienten. Mit dem Belegarzt-System deckt sie eine breite Palette von Fachgebieten ab.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
Im Moment gibt es diesen noch nicht, da ich noch mitten in der Einstiegsphase bin: Ich führe Einzelgespräche mit allen Mitarbeitern, treffe mich mit Belegärzten und Partnern, bin oft unterwegs in Schaffhausen.
Was sind die grössten Herausforderungen, wenn man als neuer Direktor in einer Klinik startet?
Alle diese Menschen kennenzulernen. Das finde ich sehr wichtig, und es ist eine Herausforderung, weil es sehr zeitaufwändig und intensiv ist. Neben den Menschen muss ich auch die Prozesse kennenlernen und verstehen. Als Kommunikationsleiter der Gruppe habe ich vieles schon gelernt, weiss bereits vieles – vieles aber auch noch nicht.
Sehen Sie viele Unterschiede zwischen Klinikalltag und Corporate Office?
In jedem Unternehmen mit einer Zentrale und eigenständigen Satelliten werden solche Unterschiede gerne etwas zelebriert – im Sinne von «Wir und die anderen». Ich rate davon ab. Es sind einfach unterschiedliche Standorte mit unterschiedlichen Aufgaben. Und jeder macht das Beste und muss auch davon ausgehen, dass der andere das Beste will. Richtig gut wird man nur, wenn man hinauswächst über die BUIAA-Denkweise: «Bei uns ist alles anders.»
Was macht Ihnen derzeit am meisten Spass?
Die Menschen und Prozesse kennenzulernen. Ich finde das extrem spannend und ich mag es einfach, wenn viel läuft.
Und was sind die Schattenseiten?
Ich habe noch keine Schattenseiten entdeckt. Das Kennenlernen der Menschen und Prozesse ist einfach intensiv, das macht es natürlich auch anstrengend. Vor allem, wenn man einfach alles wissen will. Man kann ja auch mit mehr oder weniger Energie und Wille oder Distanz in so etwas reingehen. Ich stürze mich da ziemlich rein.
Als Kommunikationsleiter hatten Sie vor allem mit Journalisten zu tun. Heute kommunizieren Sie mit verschiedensten Zielgruppen, unter anderem mit Ärzten. Gibt es da Parallelen?
Journalisten sind in der Kommunikation nicht per se die einzigen Kommunikationspartner, sondern sie sind Vertreter ihrer Leser – und diese müssen verstehen, was das Unternehmen will. Und das ist genau das Gleiche als Direktor. Anspruchsvolle, unkomplizierte oder auch eher oberflächliche Leute gibt es überall, egal ob Journalist, Arzt oder aus einer anderen Zielgruppe. Man muss einfach verständlich sein.
Was schätzen Sie besonders an Hirslanden als Arbeitgeber?
Ein riesiger Vorteil ist, dass man gruppenintern vieles nachfragen kann. Vieles wurde schon einmal irgendwo gemacht und muss nicht jedes Mal neu erfunden werden. Das müssen wir noch viel mehr nutzen. Ich habe in diesen zwei Monaten vom Corporate Office und von anderen Kliniken schon sehr viel Unterstützung erhalten.

«Ohne die lokale Verankerung geht gar nichts und die internationale Eingebundenheit bringt viel»

Zudem finde ich es spannend, in einem internationalen Konzern und gleichzeitig so lokal verankert tätig zu sein. Ohne die lokale Verankerung geht gar nichts und die internationale Eingebundenheit bringt sehr viel.
Und schlussendlich macht es auch einfach Spass, in einem so gut organisierten und professionellen Umfeld zu arbeiten.
Neben Publizistik haben Sie auch Philosophie und Musik studiert. Könnten beziehungsweise möchten Sie auch einmal in diesen Branchen Ihr Geld verdienen?
In der Philosophie schreibe ich so alle zwei, drei Jahre einen Artikel für Textsammlungen. Einfach weil ich dies gern tue – reich wird man damit allerdings sowieso kaum.
Die Musik würde für mich sicher als «Notnagel» funktionieren, sodass ich als Klavierlehrer oder Barpianist arbeiten könnte, was ich auch schon getan habe. Davon leben könnte ich also sicher, möchte es aber nicht. Die Musik ist mein Hobby und ich widme mich ihr, weil ich dies gerne tue, und nicht, weil ich mein Geld damit verdienen muss. Das ist ein Luxus, den ich sehr schätze.
Das Interview wurde geführt von Nicole Urweider für den «Hirslanden Blog» — Bilder: PD
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