Ärztenachwuchs: Ein Spital lässt in Split studieren

Uni-Ausbildung in Kroatien, klinische Ausbildung in Oberfranken – ein interessantes Projekt soll helfen, junge Mediziner in eine etwas abgelegenere Region zu bringen.

, 9. März 2016 um 14:39
image
  • ausbildung
  • personalmangel
  • ärztemangel
Stellen wir uns vor: Die Aargauer Kantonsspitäler schaffen ein eigenes Medizinstudium – gemeinsam mit einer Universität in Kroatien. Die Jungmediziner werden dabei jeweils in Aarau beziehungsweise Baden klinisch ausgebildet, mit dem Ziel, sie längerfristig an die Region heranzuführen und hier auch zu binden.
Komische Vorstellung? Etwas Ähnliches geschieht gleich nebenan. Die Regiomed-Klinikgruppe im deutschen Oberfranken richtet ein Studienangebot in Humanmedizin ein, in Zusammenarbeit mit der Universität Split. Ab Oktober werden 25 Studentinnen und Studenten in Split ihr Medizinstudium beginnen, Ausbildungssprache ist Englisch. Nach drei Jahren wechseln sie an die Regiomed-Kliniken in Coburg und Lichtenfels. Dort verbringen sie ihre letzten Studienjahre und wenden ihre Hochschul-Kenntnisse aus Split insbesondere im klinischen Bereich an.

Ökonomisierung der Medizin-Ausbildung?

Natürlich ist die Grundidee nicht ganz neu. Der US-Klinikkonzern Kaiser Permanente gab beispielsweise im Dezember bekannt, dass er zur Bekämpfung des drohenden Ärztemangels eine eigene Medical School in Kalifornien gründen will – ein Entscheid, der notabene die Debatte anheizte, ob der Arztberuf durch diese Art der Ausbildungs-Privatisierung nicht vermehrt ökonomischen Zwängen unterworfen werde.
Aber Kaiser Permanente ist auch ein Health-Riese, der alleine 17'000 Ärzte beschäftigt. 
Bemerkenswert ist die Initiative in Oberfranken vielmehr, weil Regiomed einfach ein regional verwurzelter, aus einigen Kreiskliniken entstandener Spitalverbund mit 4'500 Mitarbeitern, 65'000 stationären und 75'000 ambulanten Patienten ist.

«Ärztemangel in der Fläche»

Und um die regionale Anbindung geht es bei diesem deutsch-kroatischen Projekt letztlich stark: Man sei überzeugt, «durch dieses innovative Studienmodell langfristig die medizinische Versorgung in ihrem gesamten Einzugsgebiet sicherstellen zu können», schreibt Regiomed in der Mitteilung
«Durch diese Kooperation legen wir richtungsweisend ein Projekt auf, wie dem zunehmenden Ärztemangel in der Fläche entgegen gewirkt werden kann», sagte Regiomed-Geschäftsführer Joachim Bovelet bei der Unterzeichnung des Vertrags an der Universität Split: Man sei stolz darauf, «zu einer dauerhaften vertraglichen Einigung zur Ausbildung von Ärzten mit der staatlichen Universität Split, einer der aufstrebendsten Universitäten Europas, gekommen zu sein.» 
Kurz: Durch die Kooperation im EU-Rahmen decken die Spitäler einen Ausbildungsbedarf, der im Heimatland nicht mehr gefüllt wird. Während ihres gesamten Studiums sind die Studierenden in Split eingeschrieben. Ihre Ausbildung schliessen sie mit dem Titel «Medical Doctor» ab – dieser ist EU-weit anerkannt und ermächtigt auch in Deutschland zur Beantragung der ärztlichen Zulassung.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

FaGe-Lehrstellen: Fast alle konnten besetzt werden

Für FaGe-Lehrlinge gilt es seit dieser Woche ernst, sie haben mit ihrer Ausbildung begonnen. In einer Medinside-Umfrage zeigen sich die befragten Spitäler zufrieden – fast alle Lehrstellen konnten besetzt werden.

image

«Hausarzt ist kein Beruf, den man subventionieren muss»

Ein Arzt macht vor, wie eine Berggemeinde zu ärztlicher Versorgung kommt. Und er kritisiert Berufskollegen, die einfach ihre Praxis schliessen.

image

Bundesgericht weist Beschwerde eines Medizinstudenten ab

Erneut ist ein Rechtsstreit um eine nicht bestandene Prüfung in Humanmedizin bis vor das Bundesgericht gelangt.

image

Pensionierte Ärzte überbrücken Engpässe

Manche Spitäler machen vorübergehend ganze Stationen dicht, weil Personal fehlt. Die Hirslanden Klinik Linde in Biel holt pensionierte Ärzte zurück.

image

Warum diese Medizinstudentin ihr Studium abgebrochen hat

Eine Studentin aus Grossbritannien schmeisst ihr Medizinstudium hin. Es war nicht so, dass sie es nicht geschafft hätte. Nein, der Grund für ihren Ausstieg ist wirklich skurril.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.

Vom gleichen Autor

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.