«Ärzte können das Adipositas-Problem nicht lösen»

Im Kampf gegen die «Adipositas-Pandemie» sei der Einfluss der Ärzte wichtig, aber begrenzt. Es müssten andere Lösungen her, sagen Experten.

, 19. Oktober 2015, 10:38
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Martin Wabitsch, der Präsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG), misst Ärzten bei der Prävention von Übergewicht zwar eine wesentliche Rolle zu. «Aber ihre Möglichkeiten sind begrenzt». Dies sagte er an der DAG-Jahrestagung, wie die Online-Ausgabe der «Ärzte Zeitung Deutschland» berichtet.
Wabitsch sucht auch gleich nach Mitteln und Wegen: Die Lösung liege nicht beim Individuum. Die «adipogene Gesellschaft» müsse sich ändern, ist er überzeugt. Wir werden die Adipositas-Epidemie nur mit Hilfe der Politik eindämmen können, denn wir haben es mit einem komplexen, gesamtgesellschaftlichen Phänomen zu tun», so der DAG-Präsident.

Welchen Beitrag leistet die Adipositas-Chirurgie?

Auch die Adipositas-Chirurgie sei «keine Lösung für die Pandemie», sagte etwa Jürgen Ordemann, Adipositas-Chirurg an der Berliner Uniklinik Charité. Sie sei nur eine Lösung für den Einzelnen.
Tatsächlich boomen Adipositas-Operationen. Auch in der Schweiz setzen immer mehr Übergewichtige auf den Chirurgen: Von 2011 bis 2014 hat sich die Zahl der Operationen gegen Adipositas von 2’300 auf 4’153 beinahe verdoppelt. Dies zeigen Daten der Ärztevereinigung Swiss Society for the Study of Morbid Obesity and Metabolic Disorders (Smob).

Immer mehr Übergewichtige

Die Operationen sind allerdings auch umstritten. Experten kritisieren unter anderem, dass zu schnell operiert werde, ohne dass die seelischen Ursachen des Übergewichts genügend berücksichtigt würden.
Der Handlungsbedarf im Kampf gegen Adipositas ist unumstritten: Hält der aktuelle Trend an, erwarten Experten im Jahr 2025 bereits 177 Millionen Menschen mit schwerem Übergewicht weltweit. Insgesamt werden den Schätzungen zufolge dann 2,7 Milliarden Menschen auf der Erde von Übergewicht betroffen sein.
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