Ältere Jugendliche greifen wieder vermehrt zum Glimmstängel

Die 11- bis 15-Jährigen rauchen und trinken weniger als früher. Dafür ist es bei den 15- bis 19-Jährigen genau umgekehrt. Diese und weitere Zahlen gehen aus dem aktuellen Bericht der Stiftung Sucht Schweiz hervor.

, 8. Februar 2016, 10:16
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Die 15-Jährigen von heute sind im Umgang mit Alkohol zurückhaltender. Hingegen nimmt seit 2011 das Rauschtrinken bei den 15- bis 19-Jährigen zu. Zu diesem Resultat kommt der aktuelle Bericht «Suchtpanorama» des nationales Kompetenzzentrums für Sucht.
Ein ähnliches Problem ergibt sich beim Tabak: Bei den unter 11- bis 15-Jährigen sinkt der Anteil der Rauchenden seit 2002. Dafür greifen 15- bis 19-Jährige wieder vermehrt zum Glimmstängel.
Auch beim Cannabiskonsum lässt sich bei den 15-Jährigen einen Rückgang feststellen, wenn auch weniger ausgeprägt – während bei den 15- bis 19-Jährigen der Trend stabil oder leicht steigend ist.

Anzeichen einer «Verhäuslichung»

Ob die Entwicklung bei den jüngeren Jugendlichen mit einem veränderten Erziehungsverhalten, mit einem grösseren Gesundheitsbewusstsein, mit Erfolgen der Suchtprävention und des Jugendschutzes oder mit einem veränderten Ausgehverhalten der Jugendlichen zusammenhängt – das bleibt laut dem Bericht offen.
Es gebe zwar gewisse Anzeichen einer «Verhäuslichung» der jüngeren Generation, so dass diese weniger beziehungsweise später mit Suchtmitteln in Kontakt kommt. Welchen Einfluss zudem die stärkere Mediennutzung und das Internet habe, sei unklar.

Fokus nicht nur auf die Jugendlichen richten

Den Fokus bei der Prävention nun ausschliesslich auf die Jugendlichen zu richten, wie es laut Sucht Schweiz in der Politik nur allzu beliebt ist, greife zu kurz. Die Suchtprävention und -politik müsse als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. 
«Mit jährlich mehr als 11'000 Todesfällen und 10 Milliarden Franken Folgekosten fordern Suchtprobleme die ganze Gesellschaft.» Wichtig seien Rahmenbedingungen, die gesundheitskompetentes Handeln und nicht den Konsum fördern.
Weitere Fakten und Zahlen aus dem «Suchtpanorama 2016» sind:

  • In der Gesamtbevölkerung hat sich das Konsumverhalten nicht wesentlich verändert.
  • Die Raucherquote stagniert. Doch noch immer raucht jede vierte Person in der Schweiz. Im Trend liegen selbstgedrehte Zigaretten, Wasserpfeifen und E-Zigaretten.

  • Das tägliche Glas Wein gehört seltener zum Alltag von Herrn und Frau Schweizer. Insgesamt ist beim Pro-Kopf-Konsum ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Gut 11 Prozent der erwachsenen Bevölkerung konsumiert die Hälfte des gesamten Alkohols. Die Anzahl Alkoholabhängiger in der Schweiz wird auf rund 250'000 Personen geschätzt.
  • Cannabis bleibt die mit Abstand meist konsumierte illegale Substanz. Sie ist in der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen, in der eine von 14 Personen konsumiert, am stärksten verbreitet.
  • Gut 1 Prozent der Bevölkerung ist spielsüchtig beziehungsweise spielt auf problematische oder pathologische Weise. «Ein bedeutender Teil der Einnahmen für Betreiber und Staat stammt aus ihrem Geldbeutel», hält Sucht Schweiz fest. 
  • Nach ersten Schätzungen haben rund 370'000 Personen in der Schweiz Probleme im Umgang mit dem Internet. 70'000 haben laut dem «Suchtpanorama» bereits die Kontrolle darüber verloren. Ausserdem wirke das Internet als «Katalysator» für Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial (Geldspiele, Pornografie, Einkäufe). 

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