50'000 neue Krebskranke in einem Jahr

Die Zahl der «Cancer Survivors» steigt fortlaufend - und doch mangelt es an Nachsorgeangeboten für die Zeit nach der medizinischen Erstbehandlung.

, 14. Oktober 2021, 12:36
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Gemäss aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BfS) und der Nationalen Krebsregistrierungsstelle (NKRS) erhalten im Schnitt jedes Jahr 23’100 Männer und 19’650 Frauen eine Krebsdiagnose. Plakativer ausgedrückt: Jeder zweite Mann und jede dritte Frau erkrankt im Verlauf des Lebens an Krebs.
Tendenz steigend: Für das laufende Jahr 2021 geht das Bundesamt für Statistik von fast 50'000 Neuerkrankungen aus. Die Krebsliga kann dennoch positives vermelden, denn bei vielen Krebsarten bestehen gute Überlebenschancen. Das zeige sich in der Zunahme der mit einer Krebserkrankung lebenden Personen. Bis ins Jahr 2030 werden es in der Schweiz laut  Hochrechnungen über eine halbe Million Menschen sein.

Geheilt, aber nicht gesund

Wie die Krebsliga in einem Communiqué schreibt, benötigten «Cancer Survivors» andere Beratungs- und Betreuungsangebote als akut Erkrankte: Viele von ihnen kämpften noch Jahre nach der Erkrankung mit psychischen oder physischen Spätfolgen, litten an Organschäden und hätten ein erhöhtes Risiko für Zweittumore.
Dennoch gibt es in der Schweiz kaum koordinierte Nachsorgeangebote für die Zeit nach der medizinischen Erstbehandlung, obwohl die Zahl der «Cancer Survivors» fortlaufend steigt. Diese Entwicklung stellt die Gesundheitsversorgung  vor neue Herausforderungen.
Die Krebsliga füllt nach eigenen Angaben die Lücke mit spezifischen Angeboten. Regionale und kantonale Krebsligen würden kostenlose Beratungen und Kurse für Menschen mit und nach Krebs anbieten und sie auch bei  der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützen.
Informationen zu Beratungsangeboten der Krebsliga:
Regionale und kantonale Anlaufstellen: www.krebsliga.ch/regionenKrebstelefon: www.krebsliga.ch/krebstelefonE-Mail: helpline@krebsliga.chChat: www.krebsliga.ch/cancerlineAustauschplattform für Betroffene und Angehörige: www.krebsforum.ch 
Im weiteren weist die Krebsliga auf die unterschätzten sozioökonomischen Auswirkungen hin: Jede fünfte Person, die zum Zeitpunkt der Diagnose erwerbstätig war, ist fünf Jahre später nicht mehr beschäftigt. Hinzu kämen erhebliche medizinische und paramedizinische Kosten, die umso höher sind, je mehr die Betroffenen unter langfristigen Nebenwirkungen leiden.
Angaben zum Krebsbericht 2021 finden Sie hier.
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