20 Rappen für 7'500 Schritte: CSS hat Fitnesstracker-Rabatt eingeführt

Worauf Konsumentenschützer die Frage gleich umdrehten: Ist Ihnen der Schutz Ihrer Gesundheitsdaten ein paar Franken pro Jahr wert?

, 4. Juli 2016 um 09:21
image
  • css
  • versicherer
  • trends
  • oscar
Seit einem knappen Jahr lief der Test, seit letzter Woche ist das Angebot nun für alle zu haben: Die Luzerner Krankenversicherung CSS bezahlt für Bewegung – beziehungsweise dafür, dass man ihr seine Bewegungs-Daten übermittelt. 
Wer an einem Tag 7’500 Schritte oder mehr macht, erhält einen Rabatt von 20 Rappen auf die Prämien der Zusatzversicherung. Für 10’000 Schritte pro Tag bekommt man 40 Rappen. Aufs ganze Jahr gesehen liegt also ein maximaler Rabatt von 146 Franken drin.

Fitbit, Garmin oder Jawbone

Die Kunden müssen ihre Schritte dabei von einem Tracker der Marke Fitbit, Garmin oder Jawbone erfassen lassen – und die Daten werden jeweils in der Nacht an die CSS übermittelt.
Naheliegende Deutung: Da wird Fitness belohnt. Die Stiftung für Konsumentenschutz dreht nun aber die Argumentation aber um und äussert zum Start herbe Kritik am MyStep-Projekt der CSS. Der Prämienköder sei letztlich ein Preis für die persönlichen Daten. Und so solle sich jeder überlegen, so die Stiftung, «wie viel ihm seine eigenen persönlichen und gesundheitsrelevanten Daten wert sind und ob 40 Rappen pro Tag ein angemessener Preis dafür ist».

Was, wenn Schritte ausbleiben?

Gewiss könne sich jeder, der regelmässig joggt oder wandert, über einen kleinen Zustupf freuen. Was aber geschieht, wenn man krank wird oder einen Unfall erleidet? – so die Folgefrage der Konsumentenschützer. Antwort: «Die CSS ist über die ausbleibenden Schritte informiert – Tag für Tag. Selbst bei einer Grippe oder schweren Erkältung, die zwar keinen Arztbesuch erfordern, aber die nötige Schrittzahl verunmöglichen, weiss die CSS, dass möglicherweise ein gesundheitliches Problem vorliegen könnte».
Und so sei es denkbar, dass später einmal Versicherte, «deren Bewegungsprofil auf eine Verschlechterung der Gesundheit oder ein abnehmendes Gesundheitsbewusstsein hindeuten, mit höheren Prämien oder eingeschränktem Zugang zu anderen Versicherungsprodukten bestraft werden könnten. Schliesslich basiert das Krankenversicherungsgeschäft darauf, die gesundheitlichen Risiken von Versicherten abzuschätzen, und entsprechend hohe Prämien festzulegen oder eine Zusatzversicherung auch mal zu verweigern.»

Worum geht es denn wirklich?

Eine weiter Einwand der Stiftung: Die Anzahl Schritte pro Tag stelle ein denkbar schlechtes Mass für die tatsächliche Fitness dar.
Das ist zweifellos korrekt, aber immer deutlicher wird, dass es wohl gar nicht so sehr darum geht, die Bewegung der Prämienzahler zu beleben. Dies jedenfalls zeigt das Beispiel von Oscar, jener US-Digital-Krankenversicherung, welche den Fitness-Tracker-Trick seit über einem Jahr im Angebot hat. Die Erfahrung dort: Der Schritte-Rabatt zieht Leute an, die ohnehin schon fitnessbewusst sind.
Oder anders: Es wirkt ein idealer Sog-Effekt. Die Versicherung erhält automatisch gesundheitsbewusstere Kunden. Kommt hinzu, dass die digitale Messung eine engere Bindung zwischen Kasse und Prämienzahlern schafft.

So funktioniert MyStep: Erklär-Film von CSS


Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Krankenkassen-Chef: «Ich verdiene fast unverschämt viel»

Die Krankenkasse, die mit den tiefsten Verwaltungskosten brilliert hat – wen wundert’s – auch den bescheidensten Chef.

image

St.Galler-Studie zeigt, wie man mit der richtigen Behandlung Millionen sparen könnte

Die Auswirkungen von unnötigen Behandlungen sind kostspielig. Eine neue Studie zeigt mögliche Einsparnisse anhand von zwei Krankheitsbildern auf.

image

Biomedical Engineering: Universität Basel und FHNW bündeln ihre Kräfte

Beide Institutionen bieten seit 2018 je einen Master in Biomedical Engineering an – eine Disziplin, die rasch wächst. Mit einem Schulterschluss sollen das Studium an Substanz gewinnen.

image

Wann versöhnen sich die beiden Krankenkassenverbände?

Im Schweizer Gesundheitswesen geht kaum mehr etwas vorwärts. Schuld daran sind auch die beiden zerstrittenen Krankenkassenverbände.

image

Diese fünf Behandlungen in der Physiotherapie sind unnötig

Massagen, Ultraschall oder Infrarot-Wärme: Solche Behandlungen allein gelten heute als unnütz und stehen deshalb nun auf einer Liste.

image

94 Millionen Franken weniger betragen die Gewinnmargen der Versicherer jährlich

Die neue PWC-Analyse «Das bewegt die Schweizer Krankenversicherer» zeigt sechs Markttrends und die grössten Herausforderungen für 2023 auf.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.