Nationalrat will keinen Armee-Pflegelehrgang

Anders als der Ständerat lehnt die grosse Kammer die Entwicklung von Armee-Ausbildungslehrgängen mit Fokus medizinischer Betreuung ab.

, 22. September 2022 um 13:23
image
Die Miliz im Assistenzdienst soll über einen begrenzten Zeitraum Belastungsspitzen der zivilen Behörden brechen können. | VBS
Der Nationalrat sagte am Donnerstag mit 108 zu 70 Stimmen Nein zu einem Armee-Pflegelehrgang und damit zur Idee, dass auch die Armee Patienten über mehrere Monate lang medizinisch betreuen kann, zum Beispiel während einer Pandemie oder einer Gesundheitskrise.
Die Überlegungen gehen auf eine entsprechende Motion von Werner Salzmann zurück. Der Berner SVP-Ständerat wollte den Bundesrat damit beauftragen, analog zum Cyber-Lehrgang zu prüfen, ob die Armee einen medizinischen Pflegelehrgang einführen soll, um zivile Dienste zu entlasten. Der Ständerat nahm den Vorstoss im März mit 26 zu 11 Stimmen an.

Armee könne Pflege bereits gewährleisten

Konkret hätte die Motion vorgesehen, dass die Armee zusätzlich zum aktuellen Auftragskatalog befähigt werde, mehrere hundert Patienten über mehrere Monate medizinisch zu betreuen, wenn zivile Stellen überlastet sind oder zu überlasten drohen. Salzmann forderte neue Formationen mit Leuten, die keine medizinische berufliche Tätigkeit ausüben und damit zusätzlich zur Verfügung ständen.
Der Bundesrat hatte die Motion im Februar dieses Jahres bereits abgelehnt. Er erinnerte in seiner Stellungnahme daran, dass «die Armee sich darauf beschränken soll, ausserordentliche Belastungsspitzen zu brechen und nicht permanent Lücken füllen soll». Die Armee könne mit den heutigen Sanitäts- und Spitalformationen zudem die Grund- und Behandlungspflege von mehreren Hundert Patienten bereits heute gewährleisten, auch über Monate. Darüber hinaus könnten ohne Erhöhung des Armeebestandes zusätzliche Spitalbataillone nur geschaffen werden, wenn andere Truppenkörper aufgelöst würden.
  • politik
  • armee
  • Corona
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Inselkonflikt: So äussert sich der Gesundheitsdirektor

Das nächste grosse Projekt sei es, die Stimmung am Inselspital zu verbessern, sagt der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg.

image

Die Gesundheitskosten stiegen nochmals, aber…

Inzwischen liegen die Schweizer Gesundheitsausgaben über 90 Milliarden Franken. Allerdings: Man kann vorsichtig optimistisch sein.

image

Es bleibt dabei: Die Krankenkasse bezahlt den Zahnarzt nicht

Der Nationalrat lehnte einen Vorstoss dazu deutlich ab.

image

BAG: Neue Leiterin der Abteilung Internationales

Barbara Schedler Fischer folgt im August auf Nora Kronig Romero.

image

Notfall: 50 Franken für Bagatellfälle

Ein altes Anliegen kommt wieder aufs Tapet: Die Gesundheitskommission des Nationalrats stellt zwei Varianten vor.

image
Gastbeitrag von Michael Jordi

Qualität ist keine Glaubensfrage

Bei der Qualität im Gesundheitssystem wird nicht zu viel gesteuert und vereinheitlicht – sondern eher zu wenig. Viele Akteure wollen einfach ihr eigenes Messsystem als Standard sehen.

Vom gleichen Autor

image

Kantonsspital Glarus verliert GL-Mitglied

Thomas Kühnis, Chef der Finanzen, Informatik und Betriebe, verlässt nach neun Jahren die Geschäftsleitung des Kantonsspitals Glarus.

image

Neue Ärzte-Tarife auf dem Weg zur Genehmigung

Die Tarifpartner beantragen wie geplant die Genehmigung eines Tarifsystems aus ambulanten Pauschalen und Tardoc.

image

Schatten über dem Verkauf des Spitals Flawil

Wurden beim Verkauf des Spitals Flawil die Vertragspartner getäuscht? Mehrere Kantonsparlamentarier verlangen Antworten von der St.Galler Regierung.