Eklat am Unispital Zürich: Das sagt der Spitalrat zu den Vorwürfen im Fall Clavien

Der Star-Chirurg Pierre-Alain Clavien fühlt sich vom USZ rausgeschmissen. Nun reagiert André Zemp, Spitalratspräsident, auf dessen Vorwürfe.

, 11. Januar 2023 um 11:14
image
Das Universitätsspital Zürich gerät aufgrund personellen Weggängen immer wieder in die Schlagzeilen. | USZ
Am Wochenende hat Pierre-Alain Clavien mit seinen ernsten Vorwürfen an das Universitätsspital Zürich (USZ) für Schlagzeilen gesorgt: Der Chef der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie, der das Unispital per Ende Januar verlässt, spricht in der «Sonntagszeitung» von einem Rausschmiss.
Ihm sei schriftlich und mündlich zugesichert worden, dass er noch zwei Jahre bleiben dürfe, um die von ihm ausgearbeitete Führungsstruktur zu implementieren und das Forschungsprojekt der Wyss-Stiftung fortzuführen. Wegen dieses Projekts habe er auf einen Wechsel an eine führende Klinik in London verzichtet.

«Clavien wurde nicht entlassen»

Im Namen des Spitalrats nimmt der Präsident, André Zemp, mit einem Schreiben an die Mitarbeitenden Stellung zu den Vorwürfen:
image
André Zemp, Spitalratspräsident USZ. | USZ
«Am vergangenen Sonntag berichtete die Sonntagszeitung über die <Entlassung> unseres Direktors der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie, Professor Pierre-Alain Clavien. Diese Information entspricht nicht den Tatsachen.»
Clavien sei nicht entlassen worden. «Zutreffend ist, dass – anders als 2021 in Aussicht genommen – nach seiner Emeritierung am 31. Januar 2023 keine Verlängerung seiner Tätigkeit mit ihm abgeschlossen wird», so Zemp.

Meilensteine nicht erreicht

Der Spitalrat habe am 3. Februar 2021 entschieden, die Anstellung von Clavien für die Umsetzung des neuen Führungsmodells bis zum 31. Dezember 2024 zu verlängern. Die Voraussetzung: Der Spitalrat habe verschiedene Meilensteine definiert, die es bis Ende 2022 zu erreichen galt.
«Professor Clavien hat die wesentlichen Projekt-Meilensteine nicht erreicht. In der Folge konnte trotzintensiven Gesprächen zwischen der Spitaldirektion und dem Klinikdirektor aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen und Entwicklungen keine Einigkeit über einen Vertrag erzielt werden.»
Der Spitalrat habe sich deshalb dazu entschlossen, Professor Clavien ordentlich zu pensionieren und auf eine weitere Anstellung zu verzichten.
«Am 20. Dezember 2022 begründete ich als Spitalratspräsident diesen Entscheid gegenüber Clavien in Anwesenheit unseres CEOs Gregor Zünd sowie der Vertretung der UZH-Leitung und der medizinischen Fakultät.»
An dieser Besprechung sei Clavien auch mitgeteilt worden, dass er eine privatrechtliche Anstellung seitens der Universität Zürich bis zur Beendigung seiner beiden laufenden SNF-Forschungsprojekte erhalte.

Dankend gerügt

Am Ende des Schreibens an die Mitarbeitenden wird Clavien für seine grossen Verdienste und sein langjähriges Engagement gedankt. Gleichzeitig bringt der Spitalrat seinen Unmut über den «eigenmächtigen Gang an die Medien» zum Ausdruck. Man verurteile diese Verhaltensweise.
  • universitätsspital zürich
  • spital
  • Führungsprobleme USZ
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Todesfall vor geschlossener Notaufnahme: Ermittlungen eingestellt

Im Jahr 2020 verstarb eine Person vor der Notaufnahme des Freiburger Spitals in Tafers, die zu war. Doch selbst bei geöffneter Station hätte das medizinische Team die Patientin nicht retten können.

image

Das ist der neue Chefarzt der Berner Herzchirurgie

Alexander Kadner, langjähriger Kaderarzt der Insel Gruppe, wird neuer Chefarzt an der Berner Universitätsklinik für Herzchirurgie.

image

Solothurner Spitäler müssen neuen CEO suchen

Die Solothurner Spitäler stehen vor der Aufgabe, einen neuen CEO zu finden. Martin Häusermann beabsichtigt, im nächsten Jahr von seinem Amt zurückzutreten.

image

Swiss Medical Network: Eigentümer im Visier der Börsenaufsicht

Die Schweizer Börse hat eine Untersuchung gegen die Beteiligungsgesellschaft Aevis Victoria eröffnet, zu der auch die Privatklinik-Gruppe Swiss Medical Network gehört. Es geht um börsenkursrelevante Tatsachen.

image

«Gewalt findet oft unter dem Radar statt»

Eine Umfrage von Medinside zeigt: verbale und körperliche Gewalt in Schweizer Spitälern nimmt weiter zu, Zahlen werden jedoch kaum erfasst.

image

Saanen plant Luxusklinik mit Hausärzten

Neben dem Nobelkurort Gstaad könnte eine Privatklinik mit Spitzenmedizin für Gutbetuchte entstehen. Samt einer Hausarztpraxis für Einheimische.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.