«Jetzt handeln»: Spitäler fordern Reform bei Tarifen

Der Spitalverband H+ schlägt Alarm: Ohne Teuerungsausgleich bei den Tarifen gerate die Versorgung aus dem Gleichgewicht. Eine Standesinitiative will Abhilfe schaffen. Doch es gibt Widerstand.

, 4. Juni 2025 um 08:50
image
Ein Zukunftsszenario?   |  KI-Symbolbild: Medinside
Der Spitalverband H+ sieht die Stabilität des Gesundheitssystems bedroht. Die Unterfinanzierung der Spitäler gefährde die Versorgung der Bevölkerung. Dringend nötig seien jetzt kostendeckende Tarife – und dabei insbesondere ein automatischer Teuerungsausgleich.
Denn die Entwicklung der letzten Jahre habe gezeigt, dass das heutige System einen zentralen Konstruktionsfehler hat: Während die Beschaffungs- und Personalkosten der Spitäler steigen, bleiben die Tarife jahrelang unverändert.
Anlass des Aufrufs ist die Standesinitiative «Kostendeckende Tarife für versorgungsrelevante Spitäler». Der Antrag aus dem Kanton St. Gallen dürfte nächste Woche im Ständerat behandelt werden. Er verlangt, dass die Spitaltarife einen Mechanismus erhalten, der die Teuerung auffängt, und dass diverse Leistungen kostendeckend vergütet werden müssen – insbesondere die Vorhalteleistungen.

Wenn, dann für alle

H+ geht noch weiter: Die Initiative münzt ihre Forderungen lediglich auf «versorgungsrelevante» Spitäler; für den Spitalverband ist hingegen klar, dass ein Teuerungsautomatismus für alle Spitäler gelten muss.
Die Jahresabschlüsse 2024 von fast allen (wenn nicht sogar allen) öffentlichen Spitälern bestätigen diese Aussage: Bloss eine einzige Spitalgruppe erreichte eine Ebitda-Marge über 10 Prozent. Dabei meldeten die Spitäler reihenweise Spar-, Effizienz- und Abbauprogramme – doch diese genügten nicht, um die Häuser auf eine tragfähige Einnahmenbasis zu stellen.

Kein Geld = keine Investitionen

H+ zitiert dazu Berechnungen des Vereins Spitalbenchmark: Danach beträgt die Unterdeckung im ambulanten Bereich rund 25 Prozent, im stationären Bereich liegt sie bei 10 Prozent. «Viele Spitäler können keine Rücklagen mehr bilden und finanzieren notwendige Investitionen, beispielsweise in die Qualität und das Personal, aus dem Eigenkapital, welches in der Folge stetig schrumpft», so das Statement der Spitäler.
In dieser Lage schaffe die Standesinitiative die nötige gesetzliche Klarheit und sichere langfristig die Qualität und Stabilität der Spitalversorgung im Land.
Auf der anderen Seite spricht sich Prioswiss gegen das Gesetzesvorhaben aus: «Ein automatischer Teuerungsausgleich schwächt die Tarifpartnerschaft und setzt die heutigen Verhandlungsgrundsätze, die auf transparenten Kosten- und Leistungsdaten beruhen, ausser Kraft», so das Argument des Krankenkassen-Verbands. Es sei bereits heute möglich, durch die Überprüfung und Neuverhandlung von Tarifverträgen auch die Teuerung zu berücksichtigen.

  • Spitalkrise
  • akut
  • hplus
  • H+
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Spitalzentrum Oberwallis: Neuer Chefarzt und Leiter Pneumologie

Das Spital Wallis hat Leander Gonzalez zum Chefarzt und Abteilungsleiter Pneumologie am SZO ernannt. Er war dort seit 2021 als Leitender Arzt tätig.

image

Keine Journalisten im Arztkittel im Spital Wallis

So dreist sind Medienschaffende nicht: Gerüchte, wonach Journalisten in weissen Kitteln versucht hätten, Zugang zu Patienten zu erhalten, erweisen sich als unwahr.

image
Gastbeitrag von Guido Schommer

Mehr Planung, weniger Vielfalt? Die Risiken des GDK-Dreiphasenplans

Die kantonalen Gesundheitsdirektoren wollen die Spitalplanung stärker koordinieren. Doch damit droht eine Beplanungsübung, die kleinere Anbieter benachteiligt und die Versorgung in Randregionen gefährden könnte.

image

Spitalzentrum Oberwallis bekommt neue ärztliche Direktorin

Njomeza Susuri Pfammatter wird ab November 2026 Ärztliche Direktorin des Spitalzentrums Oberwallis. Sie tritt die Nachfolge von Reinhard Zenhäusern an, der in den Ruhestand tritt.

image

«Hospital at Home» wird festes Angebot des Baselbieter Kantonsspitals

Das Pilotprojekt im Laufental heisst neu «Spital zuhause». Severin Pöchtrager übernimmt die medizinische Leitung.

image

Stadtspital Zürich zahlt nun auch Teuerung auf Feiertag- und Nachtzuschläge

Der Zürcher Berufsverband der Assistenz- und Oberärzte verbucht einen Erfolg: Es gibt etwas mehr Lohn für Sonntags- und Nachtdienste am Stadtspital.

Vom gleichen Autor

image

Pflege bleibt Engpassberuf Nummer eins


Kaum ein Bereich sucht so intensiv nach Personal wie das Gesundheitswesen. Der neue Jobradar zeigt: Vor allem in der Pflege steigt die Zahl offener Stellen wieder in Richtung Rekordniveau.

image

Umbau beim SIWF – doch die Wartezeiten bleiben lang

Das Weiterbildungs-Institut trennt sich nun auch von Geschäftsführer Jörg Gröbli. Trotz mehr Personal und IT-Unterstützung beträgt die Bearbeitungsdauer für Facharzttitel beim SIWF weiterhin rund zwölf Monate.

image

Pflegeinitiative: Widerstand im Parlament – SBK empört

Die Gesundheitskommission des Nationalrats tritt bei der Umsetzung der Pflegeinitiative auf die Bremse. Höchstarbeitszeit, Normalarbeitszeit und Lohnzuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit sollen weitgehend unverändert bleiben