Welche medizinischen Durchbrüche stehen kurz bevor? Das renommierte Fachjournal
«Nature Medicine» hat führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen gebeten, jene klinischen Studien zu benennen, die das Potenzial haben, die Medizin im Jahr 2026 nachhaltig zu verändern.
Das Spektrum reicht von neuen Impfstoffen über innovative Immuntherapien bis hin zu Gen- und Stammzellansätzen – und zeigt, wohin sich die biomedizinische Forschung derzeit bewegt.
Ein zentrales Thema ist die
Bekämpfung von Infektionskrankheiten, allen voran Tuberkulose.
Ein neuer Impfstoffkandidat (M72/AS01E) soll die Lücke schliessen, die der bisherige BCG-Impfstoff hinterlässt: Er schützt zwar Kleinkinder, verliert aber bei Jugendlichen und Erwachsenen rasch an Wirkung. In einer gross angelegten Phase-3-Studie mit rund 20’000 Teilnehmenden in Afrika und Südostasien wird nun geprüft, ob sich das Fortschreiten zu aktiver Tuberkulose deutlich reduzieren lässt. Die Forschenden sprechen vom vielversprechendsten TB-Impfstoffansatz seit Jahrzehnten.
Auch bei
HIV zeichnen sich Veränderungen ab. In einer internationalen Studie werden langwirksame Antikörper getestet, die es Betroffenen ermöglichen könnten, über Monate auf die tägliche Einnahme antiretroviraler Medikamente zu verzichten.
Erste Ergebnisse zeigen, dass ein Grossteil der Teilnehmenden auch ohne Standardtherapie viruskontrolliert blieb – ein möglicher Schritt hin zu längeren therapiefreien Phasen.
Long Covid
Grosse Erwartungen ruhen zudem auf Studien zu Long Covid. Ein britisches Forschungskonsortium hat entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Medikamente untersucht, nachdem Hinweise auf Störungen der kleinsten Blutgefässe gefunden wurden. Die Resultate sollen 2026 veröffentlicht werden und könnten erstmals eine evidenzbasierte medikamentöse Therapieoption für Patientinnen und Patienten mit schwerer Erschöpfung liefern.
Onkologie
Im Bereich der Onkologie stehen mehrere wegweisende Studien an. Dazu zählt eine neue zellbasierte Immuntherapie bei metastasiertem Brustkrebs, die das Immunsystem gezielt gegen Tumorzellen trainiert. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wird erstmals ein Medikament getestet, das auf nahezu alle relevanten KRAS-Mutationen abzielt.
Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen rücken stärker in den Fokus der Entzündungsforschung. Mehrere internationale Studien prüfen Antikörper, die gezielt entzündliche Signalwege blockieren – unabhängig vom Cholesterinspiegel. Ziel ist es, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern, indem Entzündungen als eigenständiger Risikofaktor behandelt werden.
Darüber hinaus reichen die Studien von einem neuartigen Tuberkulose-Impfstoff für Erwachsene über einen kombinierten Lassa- und Tollwut-Impfstoff bis hin zu innovativen Ansätzen mit mRNA-basierten CAR-T-Zellen bei Autoimmunerkrankungen wie Myasthenia gravis. Selbst Stammzelltherapien zur Verbesserung neurologischer Funktionen werden in klinischen Studien systematisch untersucht.
Zusammen zeigen diese Projekte, wie stark sich die medizinische Forschung derzeit wandelt: weg von breiten Standardtherapien, hin zu präzisen, personalisierten und oft technologisch hochkomplexen Ansätzen.
ARD Wissen: Ausblick auf das Medizinjahr 2026 - wichtige klinische Studien