US-Politik: Interpharma warnt vor Versorgungsproblemen

Donald Trump drängt ultimativ auf tiefere Medikamentenpreise für die USA – auf Kosten kleiner Märkte. Die Pharmabranche fordert nun rasche und entschlossene Reformen in der Schweiz.

, 1. August 2025 um 10:37
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Bild: The White House
Die hohen Zölle, welche die Regierung Trump auf Schweizer Importe erheben will, sind das eine Thema.
Das andere ist das «Most-Favoured-Nation Drug Pricing»: In einem Brief an die 17 grössten Pharmakonzerne fordert der US-Präsident, dass diese ihre Preise im amerikanischen Markt auf das tiefste Niveau von anderen vergleichbaren Ländern absenken.
Bislang bezahlen US-Patienten beziehungsweise deren Versicherungssysteme internationaale Höchstpreise für Arzneimittel – mit der Folge, dass die Amerikaner auch einen grossen Teil der Pharma-Forschung finanzieren.
Somit droht, dass die verfügbaren Mittel für Forschung und Entwicklung schrumpfen.
Hinzu kommt, dass sich die Konzerne nun noch stärker auf grosse Märkte fokussieren, um ihre Rentabilität zu bewahren.
Der Schweizer Branchenverband Interpharma veröffentlichte nun dazu eine klare Warnung: Der Schweiz drohe ein ernsthaftes Versorgungsproblem. «Die Unternehmen werden gezwungen sein, sich auf jene Märkte zu konzentrieren, in welchen sie die grössten Umsätze erzielen. Die Schweiz mit einem Weltmarktanteil von 0.5% wird dabei das Nachsehen haben.»
Und so fordert die Branche nun zum 1. August entschlossene Reformen, «um den Wirtschafts- und insbesondere den Pharmastandort Schweiz zu sichern, den Patientenzugang zu verbessern und dafür zu sorgen, dass Investitionen in Forschung und Entwicklung innovativer Medikamente bestehen bleiben.»
Interpharma denkt dabei an eine Pause «bei der Umsetzung von Regulierungsprojekten, verbunden mit der gleichzeitigen Modernisierung des Preisbildungssystems.»
«Mit dem Entscheid der US-Administration wird eine Denkpause bei der Umsetzung von Regulierungsprojekten, verbunden mit der gleichzeitigen Modernisierung des Preisbildungssystems, noch dringender für die Schweiz.» — Interpharma. 1. August 2025.
Ohnehin stünden nun die Preisfestsetzungs-Mechanismen international auf dem Prüfstand. Damit sei auch das Preisbildungsmodell für Medikamente in der Schweiz zu korrigieren. Interpharma erachtet es ohnehin als «veraltet und nicht mehr zeitgemäss»: Seit längerem drängt die Branche darauf, das BAG-System der Aufnahme in die Spezialitätenliste zu erneuern – und beispielsweise nicht mehr mit schlichten Preisvergleichen zu arbeiten, sondern auch die Qualität eines neuen Heilmittels zu berücksichtigen.
Weiter fordert die Pharmabranche jetzt, dass die Schweiz eine Life-Science-Strategie auf den Weg bringt. Und insgesamt müsse sich die Politik intensiv bemühen, die Rahmenbedingungen zu verbessern. «Es braucht umfangreiche Reformen, um den Pharmastandort Schweiz zu sichern, den Patientenzugang zu verbessern und dafür zu sorgen, dass die Investitionen in Forschung und Entwicklung innovativer Medikamente bestehen bleiben», so das Statement zu den aktuellen Hiobsbotschaften aus Washington.
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