Suizid: Auswertung von Botschaften könnte Prävention verbessern

Manchmal geht einer Tat eine SMS oder ein Anruf voraus. Eine Studie aus der Westschweiz untersucht diese Signale – zur Verfeinerung der Präventionsstrategien.

, 25. Februar 2026 um 10:13
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Symbolbild: Hoi An and Da Nang Photographer / Unsplash.
Jeden Tat sterben in der Schweiz etwa drei Menschen durch Suizid. Mit dem Nationalen Aktionsplan Suizidprävention will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erreichen, dass die Suizidrate in der Schweiz bis 2030 um 25 Prozent sinkt.
Ein Forscherteam aus der Westschweiz hat nun untersucht, welche Botschaften vor einem Suizidversuch hinterlassen werden – etwa handgeschriebene Briefe, E-Mails, SMS oder Anrufe – und ob man anhand dieser Signale besser erkennen kann, ob ein Suizidversuch stattgefunden hat.
Ein SMS, eine Nachricht in sozialen Netzwerken oder ein Anruf böte die Möglichkeit, frühzeitig einzugreifen.
Die Studie stützt sich auf Daten des Observatoire romand des tentatives de suicide (ORTS), die zwischen Dezember 2016 und November 2019 erhoben wurden. Sie deckt 2341 Vorfälle mit 2012 Patienten ab 18 Jahren ab, die in den Notfallstationen der Spitäler in Lausanne, Genf, Wallis und Neuenburg betreut wurden. Die Informationen wurden im Rahmen der klinischen Interviews gesammelt und bieten einen genauen Einblick in das Verhalten vor der Tat.
Von den ermittelten Nachrichtenformen waren mündliche Erklärungen (14,3 Prozent, SMS (7,3 Prozent), Telefonanrufe (6,4 Prozent) und handgeschriebene Briefe (5,7 Prozent) die häufigsten. Insbesondere wurde Folgendes festgestellt:
  • Die Absicht und der Schweregrad des Versuchs waren bei handgeschriebenen Briefen höher als bei anderen Formen von Nachrichten. Personen, die einen handgeschriebenen Brief hinterliessen, waren älter und hatten eher eine klare Selbstmordabsicht (79,3 Prozent) im Vergleich zu denjenigen, die eine elektronische Nachricht (55,5 Prozent), eine mündliche Nachricht (43,4 Prozent) oder gar keine Nachricht (48,7 Prozent) hinterliessen.
  • 41 Prozent der Patienten kommunizierten direkt vor ihrer Tat, indem sie mit jemandem sprachen, einen Angehörigen anriefen, eine Nachricht schickten oder ihren Suizid-Versuch sogar in Gegenwart anderer machten.
  • Vor Suizid-Versuchen gibt es meistens einen mündlichen Kontakt mit Angehörigen oder Bekannten, aber selten eine Nachricht in den sozialen Medien. Offenbar war es für die Menschen wichtig, sich trotz ihres Todeswillens mit jemandem in Verbindung zu setzen, der ihnen nahe steht, um die psychischen Schmerzen zu beenden.
  • Die Empfänger von Nachrichten sind am häufigsten Partner (28,2 Prozent), doch oft auch Freunde und Bekannten (22,4 Prozent), Eltern (14,8 Prozent) und anderen Bekannte (24 Prozent). Dieses Ergebnis zeigt, dass Therapeuten auch Kontakt mit Freunden und Bekannten aufnehmen sollten, und nicht nur mit den Partnern oder den Eltern.
Der Inhalt der Nachrichten, die von den Patienten hinterlassen wurden, wurde nicht berücksichtigt. Für die weitere Forschung wäre es wichtig, die Botschaften zu analysieren und die Unterschiede zu erfassen.
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