Roboterhund erprobt sich im Klinikalltag

Ein vierbeiniger Roboter der ETH Zürich soll künftig Menschen mit Sehbehinderung im Alltag unterstützen. Aktuell testet das Uniklinikum Würzburg einen solchen Roboterhund, der Ärzte und Pflegekräfte entlasten soll.

, 28. Januar 2026 um 05:37
image
Die Roboterhunde sollen künftig beispielsweise sehbehinderten Personen zur Seite stehen. Bild: Marco Giordano / Zentrum für projektbasiertes Lernen D-ITET, ETH Zürich.
Treppen steigen, Hindernissen ausweichen, durch unbekannte Gebäude navigieren – was für Menschen mit Sehbehinderung tägliche Herausforderungen sind, beherrscht ein Roboter der ETH Zürich souverän.
Ausgangspunkt für den Robodog ist ein kommerziell erhältlicher, vierbeiniger Roboter. Das Uniklinikum Würzburg testet aktuell ein ähnliches Modell vom ETH Spin-off Anybotics namens «ANYmal». Künftig soll der Roboterhund Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte auf der Station unterstützen, indem er Visiten protokolliert, Befunde dokumentiert, Wunden fotografiert und Vitalwerte misst.
Der Nachteil: Dieser Roboter bewegt sich noch recht grobmotorisch – und macht obendrei noch ordentlich Lärm. «Frisch ab Regal können wir ihn für unsere Zwecke nicht nutzen», sagt Projektleiter Michele Magno vom Center for Project-Based Learning der ETH in einer Mitteilung. Denn: gerade sehbehinderte Personen sind auf Umgebungsgeräusche angewiesen.

Autonom, aber kontrollierbar

Das Team entwickelte deshalb eine neue, KI-gestützte Steuerungssoftware, die sogenannte «Physical AI». Ein solches System nutzt Daten von eingebauten Sensoren, die Bewegungen und die räumliche Orientierung von mechanischen Teilen registrieren.

Video: Reuters | Youtube

Video: Reuters | Youtube
Damit lernt der Roboter, wie er sich leise und sicher bewegt – auf glattem Boden ebenso wie auf Treppen oder in engen Räumen. Auch Hindernissen, die sich rasch nähern, kann er ausweichen. Ein wichtiger Punkt, wenn er bei einem Spaziergang eingesetzt werden soll und entgegenkommenden Fahrzeugen ausweichen muss.
Robodog navigiert weitgehend selbstständig, bleibt dabei aber auf den Menschen ausgerichtet. Künftig soll er über Sprach-, oder haptisches Feedback kommunizieren. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität testen die Forschenden zudem eine Steuerung über sensorbestückte Brillen. Ein Blick auf den Türgriff genügt – der Roboter weiss, was zu tun ist.

image
Bild: ETH Zurich.

Mit einem zusätzlichen Arm ausgestattet, könnte der Roboter in Zukunft auch Menschen unterstützen, die körperlich beeinträchtigt sind, etwa indem er Gegenstände holt oder Türen öffnet. In Kooperation mit der ETH-Initiative Hindernisfreiheit und dem Indoor-Mapping-Dienst PolyMaps wurde das System bereits in ETH-Gebäuden erprobt.
Noch ist Robodog nicht ganz so weit, um sehbehinderten Menschen im Alltag zur Seite zu stehen, wie die ETH mitteilt. Er sei aber «auf dem besten Weg dazu». Sein Können habe er kürzlich auf einem Robotikwettbewerb unter Beweis gestellt, wo er dem Doktoranden Davide Plozza den ersten Platz einbrachte.
    Artikel teilen

    Loading

    Kommentar

    Mehr zum Thema

    image

    Der Aargau liebäugelt mit weiteren Spital-Privatisierungen

    Der Aargauer Regierungsrat will kantonseigene Spitäler verkaufen können – teilweise oder sogar ganz.

    image

    Physioswiss startet Qualitätsoffensive

    Im Auftrag der EQK entwickelt der Physiotherapie-Verband ein nationales Qualitätsentwicklungs-Programm. Präsidentin Mirjam Stauffer spricht von einem Meilenstein für die Profession und ihre Position im Gesundheitssystem.

    image

    Prioswiss gegen neue Basler Spitallisten: «Falscher Ansatz»

    Die Basler Regierungsräte Lukas Engelberger und Thomi Jourdan wollen nur noch «koordinierte» Spitallisten einführen. Krankenkassen und Spitäler warnen vor eingeschränkter Wahlfreiheit und steigenden Kosten.

    image

    Spital Einsiedeln startet Reha für Bewegungsapparat

    Im Februar lanciert das Ameos Spital Einsiedeln eine stationäre Reha für muskuloskelettale Erkrankungen. Die medizinische Leitung übernimmt Andrea Wilhelm.

    image

    Erster Master Osteopathie in der Deutschschweiz

    Im Herbst 2026 startet an der Fernfachhochschule Schweiz erstmals der Master of Science Osteopathie. Bereits seit 2017 bietet die Hochschule für Gesundheit Freiburg einen vergleichbaren Master an.

    image

    Luzern: Ärzte arbeiten zunehmend über das Pensionsalter hinaus

    Die Altersstruktur der Ärzteschaft im Kanton Luzern verändert sich: Lag der Anteil über 65-Jähriger vor 15 Jahren noch bei 6 %, liegt er heute bei 16 %. Das Luzerner Kantonsspital unterstützt ältere Mitarbeitende mit gezielten Programmen.

    Vom gleichen Autor

    image

    KI lernt Sprache des Schlafs – und sagt so Krankheitsrisiken voraus

    Ein neues KI-Modell analysiert physiologische Schlafdaten aus einer einzigen Nacht und kann daraus das Risiko für 130 Erkrankungen ableiten – von Herzkrankheiten bis Demenz.

    image

    RHNe, Admed und Volta: Wenn defizitäre Institutionen eine bankrotte Gruppe aufkaufen

    Obwohl sie selber rote Zahlen schreiben, haben das Neuenburger Spitalnetz und das Laboratorium Admed Millionen in die Volta-Gruppe investiert. Eine riskante Wette.

    image

    Blutdruckmessung zu Hause: Ein Drittel der Hypertonie-Patienten misst gar nicht

    Kostenlose Geräte, Schulung und persönliche Betreuung reichen oft nicht aus: Eine US-Kohortenstudie zeigt, dass viele Hypertonie-Patienten im Alltag keinerlei Messwerte erheben.