RHNe, Admed und Volta: Wenn defizitäre Institutionen eine bankrotte Gruppe aufkaufen

Obwohl sie selber rote Zahlen schreiben, haben das Neuenburger Spitalnetz und das Laboratorium Admed Millionen in die Volta-Gruppe investiert. Eine riskante Wette.

, 22. Januar 2026 um 06:09
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Das Neuenburger Kantonsparlament. | Quorbach/Wikimedia
Die Neuenburger Kantonsspital-Gruppe RHNe übernahm Ende 2025 kurzfristig die gesamten Aktivitäten der Gesundheitsgruppe Volta, weil diese offenbar in schweren finanziellen Nöten steckt.
Diese Übernahme sorgt weiterhin für grosses politisches Unbehagen. Im Neuenburger Grossen Rat äusserten mehrere Abgeordnete ihre Zweifel an der Transparenz der Übernahme, sogar eine parlamentarische Untersuchung steht zur Diskussion, wie «Arcinfo» berichtete.
Im Kern der Debatte geht es darum, ob es für eine bereits defizitäre öffentliche Einrichtung legitim ist, im Namen der Kontinuität der Versorgung und der Verteidigung von Marktanteilen mehrere Millionen in einen privaten Konzern zu investieren, der kurz vor dem Bankrott steht.

Die Rettung fordert das Parlament heraus

Im Februar 2024 hatte die RHNe für 2,2 Millionen Franken 30 Prozent des Kapitals von Volta erworben, während die Stiftung Admed 25 Prozent hielt. Dieses regionale Labor für medizinische Analysen und Diagnosen war zu diesem Zeitpunkt jedoch selbst defizitär.
Das Neuenburger Spitalnetz seinerseits gewährte Volta zwischen Juni und Dezember 2025 drei Darlehen in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Franken, die für die Zahlung von Löhnen, Sozialabgaben und Mieten für Ausrüstungen bestimmt waren. Anschliessend wurde das Unternehmen Réso.ne gegründet, um die Aktivitäten und die vier Standorte von Volta zusammenzulegen. Der Preis für diese letzte Transaktion betrug 100'000 Franken.
  • Die Volta-Zentren, die sich in grossen Schwierigkeiten befinden, wurden vom RHNe übernommen. Die Zentren der Gesundheitsgruppe Volta in La Chaux-de-Fonds, Fleurier, Les Cadolles und Les Geneveys-sur-Coffrane sowie ihre beiden medizinischen Permanencen gingen in den Besitz des Neuenburger Spitalnetzes über.
Zum Zeitpunkt der Investitionen befand sich das Spitalnetz RHNe bereits in einer angespannten finanziellen Situation. 2024 verzeichnete es ein Defizit von rund 30 Millionen Franken. Für 2025 rechnet die Institution mit einem Defizit von rund 20 Millionen und kündigt gleichzeitig Umstrukturierungsmassnahmen und eine strategische Neuausrichtung an.

Ein «unvermeidliches» Defizit

Staatsrat Frédéric Mairy spricht von einem «unvermeidlichen» Defizit im Jahr 2026, das er jedoch auf weniger als eine Million Franken schätzt, mit einer angestrebten Rückkehr zu einem ausgeglichenen Budget in zwei bis drei Jahren.
Die Regierung verteidigt die Transaktion als strategisch, da sie den Verlust von Tausenden von Patienten verhindere, die ambulante Versorgung erleichtere und ein dezentrales Versorgungsnetz an vier Standorten ermöglichen soll. «Der Aufbau eines Netzwerks aus dem Nichts hätte sicherlich mehrere Millionen gekostet», so der Staatsrat.
Es bleibt eine heikle Frage: Das Personal von Volta, das von Réso.ne übernommen wurde, unterliegt derzeit nicht dem GAV «Santé 21» – dies im Gegensatz zu den Angestellten von RHNe. Mehrere Parlamentarier haben daher eine parlamentarische Untersuchung zu diesem Thema gefordert. Dieser Punkt könnte also die «Volta-Affäre» in den kommenden Monaten verlängern.

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