Luzern: Ärzte arbeiten zunehmend über das Pensionsalter hinaus

Die Altersstruktur der Ärzteschaft im Kanton Luzern verändert sich: Lag der Anteil über 65-Jähriger vor 15 Jahren noch bei 6 %, liegt er heute bei 16 %. Das Luzerner Kantonsspital unterstützt ältere Mitarbeitende mit gezielten Programmen.

, 27. Januar 2026 um 05:55
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Symbolbild: >Unsplash
Das Luzerner Kantonsspital (LUKS) konnte die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die über das Pensionsalter hinaus tätig sind, deutlich erhöhen. Möglich machte dies unter anderem das Programm «Silver Expert» .
Besonders hoch ist der Anteil von Kaderpersonen: In der Altersgruppe 65 bis 70 Jahre liegt er bei rund 30 Prozent, bei den über 70-Jährigen bei etwa 50 Prozent, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet. Frühpensionierungen bleiben hingegen weitgehend stabil.
«Silver Expert» startete 2023 und richtet sich an Mitarbeitende kurz vor dem Pensionsalter. Es bietet flexible Arbeitsmodelle, Teilzeitlösungen sowie bewusst reduzierte oder neu zugeschnittene Aufgabenprofile. Abgerundet wird das Angebot durch Zusatzleistungen wie ein Halbtax- oder Generalabonnement sowie einen jährlichen Gesundheitscheck – abhängig vom Pensum.

Altersstruktur der Ärzteschaft

Zahlen des Luzerner Statistikbüros Lustat zeigen, dass sich die Altersstruktur der Ärzteschaft generell deutlich verändert hat. Lag der Anteil von Ärzten über 65 Jahren vor rund 15 Jahren noch bei knapp sechs Prozent, liegt er heute bei 16 Prozent. Fast jeder Sechste arbeitet also noch nach der Pensionierung weiter.
Diese Entwicklung fügt sich in ein breiteres Bild, das auch internationale Studien zeichnen. Eine 2025 veröffentlichte Medscape-Erhebung unter mehr als 1’000 Ärzten in Deutschland zeigt, dass Frühpensionierung in der Ärzteschaft vergleichsweise selten ist.
Nur drei Prozent denken an einen Rückzug in den Fünfzigern. Deutlich häufiger wird ein Berufsende in den späten Sechzigern oder darüber hinaus in Betracht gezogen; gut ein Fünftel kann sich sogar vorstellen, bis in die Siebzigerjahre zu arbeiten. Besonders ausgeprägt ist diese Bereitschaft bei Praxisärztinnen und -ärzten.

Persönliche Leidenschaft

Ein zentraler Treiber ist die hohe Identifikation mit dem Beruf. Viele Befragte beschreiben die medizinische Tätigkeit als Teil ihrer Identität oder als persönliche Leidenschaft. Gleichzeitig zeigen die Daten auch Grenzen auf: Jene, die einen früheren Ausstieg erwägen, begründen dies häufig mit Überlastung oder Erschöpfung.
Rechtlich ist das Weiterarbeiten im Alter in der Schweiz klar abgestützt. Das Bundesgericht hat 2025 entschieden, dass fixe Altersgrenzen für die ärztliche Berufsausübung nicht zulässig sind. Massgeblich ist die individuelle fachliche und gesundheitliche Eignung, nicht das Alter. Kantone können jedoch Kompetenzbeurteilungen einführen – ein Instrument, das bereits in mehreren Kantonen angewendet wird. Schweizweit waren 2024 noch 338 Ärztinnen und Ärzte über 80 Jahre berufstätig.

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