Senevita übernimmt vier Betriebe

Senevita wächst und wächst. Gleich vier Betriebe werden in den nächsten Tagen von der Anbieterin für betreutes Wohnen und Langzeitpflege übernommen. CEO Hannes Wittwer erklärt, wie er mit dem Fachkräftemangel umgeht.

, 31. Dezember 2016 um 10:43
image
  • senevita
  • pflege
  • personalmangel
Als Hannes Wittwer vor viereinhalb Jahren die Leitung von Senevita übernahm, zählte die Gruppe 12 Betriebe für betreutes Wohnen und Langzeitpflege. Heute sind es 22, und in wenigen Tagen werden es 26 sein. 

Drei Übernahmen in vier Tagen

Somit wird der CEO  dieser Tage damit beschäftigt sein, den Schlüssel bestehender Alters- und Pflegeheime entgegen zu nehmen. Am 3. Januar 2017 wird der 58-jährige die Schlüssel im «Alterswohnheim am See» in Küsnacht in Empfang nehmen. Am 5. Januar findet die Schlüsselübergabe im Alters- und Pflegeheim Aespliz in Ittigen, einem Vorort von Bern statt. Tags darauf wird der 58-jährige im Nachbarsort erwartet, wo das Betagtenheim Zollikofen in die Obhut von Senevita gelangen wird.
Dann gibt es für Wittwer eine kleine Verschnaufpause, ehe der 58-jährige am 20. Februar in Herrliberg seine Aufwartung macht, wo die Gemeinde die Führung ihres Alters- und Pflegeheims «Im Rebberg» der Senevita übertragen wird.

Die Demografie bestimmt das Wachstum

Geht das Wachstum in diesem Tempo weiter? «Wir werden mit grösster Wahrscheinlichkeit weiter wachsen. Mit welchem Tempo weiss ich nicht», sagt Hannes Wittwer in einem Interview mit der «Berner Zeitung».
Das Wachstum sei eine Folge der demografischen Entwicklung. Oft werde Senevita von Gemeinden oder Stiftungen angefragt, die Führung von bestehenden Betrieben zu übernehmen. Zudem sind im Kanton St. Gallen zwei Betriebe im Bau. Weitere Angebote für betreutes Wohnen und Langzeitpflege sind in Buchs (ZH) und  Pfäffikon (SZ) geplant.

In französischem Besitz

Seit zwei Jahren gehört Senevita der französischen, börsenkotierten Orpea. Seither ist Senevita nicht nur Betreiberin, sondern häufig auch Besitzerin.
«Da profitieren wir von den Garantien unserer Muttergesellschaft, so dass wir für die Kreditfinanzierung vorteilhafte Konditionen bekommen», weiss Wittwer. Noch wichtiger sei es aber, dass Senevita mit der Zugehörigkeit zur Orpea den Zugang zu einem europäischen Netzwerk mit Erfahrung und Innovationen aus über 700 Betrieben erhält.

Die Antwort auf den Fachkräftemangel

Die grösste Herausforderung ist laut Hannes Wittwer nicht die Finanzierung des Wachstums, sondern die Rekrutierung von Pflegepersonal. «Wir haben einen demografischen Doppeleffekt: Die ältesten der Babyboomer kommen mehr und mehr ins Alter, wo sie unsere Dienstleistung in Anspruch nehmen. Gleichzeitig kommen die jüngsten Babyboomer mehr und mehr ins Pensionsalter, so dass sie aus dem Erwerbsleben scheiden. «Das verschärft unseren Personalnotstand.»
Als Antwort darauf gebe es nur eins: «Ausbilden, ausbilden, ausbilden....»
Das grösste Manko gebe es auf der sekundären und tertiären Ausbildungsstufe in der Pflege. Immerhin kann Wittwer feststellen, dass die Nachfrage nach Pflegeberufe gestiegen sei. Zudem gebe es immer mehr Männer, die den «sehr schönen und dankbaren Pflegeberuf» entdeckten. Auch deshalb, weil man in der Pflege eine Laufbahn einschlagen könne.

Von Kanton zu Kanton verschieden

Hannes Wittwer, der auch im Verwaltungsrat der Berner Lindenhofgruppe sitzt, äussert sich im Interview  auch zu den unterschiedlichen kantonalen Auflagen für den Betrieb von Pflegeheimen. Im Kanton Zürich zum Beispiel könne man Pflegeheime erstellen und erhalte dann die Betriebsbewilligung, sobald das Heim fertigerstellt ist und die entsprechenden Auflagen erfüllt sind. Im Kanton Bern hingegen braucht man für den Bau von Pflegeheimen eine Bewilligung. Der Kanton macht eine Bettenplanung und stellt pro Region fest, wie viele Betten maximal bewilligt werden können.
Schwieriger sei es in der Romandie. Im Kanton Waadt werde die Anzahl Pflegebetten bewusst limitiert, damit die Leute möglichst lange noch zu Hause blieben und die öffentlich-rechtliche Spitex beanspruchten. Und der Kanton Freiburg wolle keine privaten Pflegeheime. Die «Residenz Beaulieu» in Murten, die Senevita gehörte, musste deshalb in eine nicht gewinnorientierte Stiftung umgewandelt werden.
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

«Keine Gen Z»: Spitex-Stelleninserat sorgt für Diskussion

Der Fall eines Spitex-Inserats wirft Fragen zur Personalpolitik auf, steht jedoch im Kontrast zu den Bemühungen vieler Anbieter, junge Fachkräfte für die Branche zu gewinnen.

image

LUKS Gruppe und Hochschule Luzern vertiefen Zusammenarbeit

Die Luzerner Kantonsspital Gruppe und die Hochschule Luzern intensivieren ihre Kooperation in Forschung und Lehre. Im Fokus stehen Pflege und Medizintechnik.

image

Xund: Pflegeberufe so beliebt wie noch nie

In der Zentralschweiz befinden sich erstmals mehr als 3000 Personen gleichzeitig in Ausbildung für einen Pflegeberuf – ein neuer Höchststand.

image

Christine Meuwly ist die erste Kantonspflegefachperson des Kantons Freiburg

Die Pflegefachfrau ist derzeit noch Geschäftsstellenleiterin des Gesundheitsnetzes Sense und kennt das kantonale Gesundheitswesen gut.

image

Bundesrat soll niedrigere Tarife für Angehörigenpflege verordnen

Krankenkassen und Kantone sollen nicht mehr über Qualität und Preis von Angehörigenpflege streiten: Der Bundesrat soll die Regeln aufstellen. Dies fordern zwei Motionen.

image

ZHAW und FH Graubünden starten gemeinsames Pflegestudium

Ab Herbst 2026 bieten die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Fachhochschule Graubünden gemeinsam das Bachelorstudium in Pflege an.

Vom gleichen Autor

image

Zusatzversicherungen: Warum Genf doppelt so teuer ist wie Bern

Zimmer mit Aussicht, flexiblere Besuchszeiten, höherer Pflegeschlüssel, freie Arztwahl: Der Mehrwert einer Spitalzusatzversicherung muss klar ausgewiesen werden. Daniel Rochat von der Swica erläutert, welche Leistungen heute als Mehrwert gelten.

image

Bürokratie in der Reha - Kritik am Bundesrat

Die Antwort der Regierung auf eine Interpellation zur Entlastung der Rehabilitation überzeugt kaum – Reformvorschläge bleiben vage, die Frustration wächst.

image

Das Kostenfolgemodell lässt auf sich warten

Der Ständerat überweist die Motion Wasserfallen an die zuständige Kommission. Man nennt dies Verzögerungstaktik.