Innovation: Ein Sensor überwacht die Wundheilung

Eine neuartige, von der Empa und der ETH Zürich entwickelte Wundauflage warnt das Pflegepersonal, sobald eine Wunde schlecht verheilt - ohne dass dafür der Verband entfernt werden muss.

, 11. Juli 2017 um 07:15
image
  • empa
  • pflege
  • innovationen
Pflegefachleute kennen das Problem nur zu gut: Haben Patienten chronische Wunden, muss der Wundverband regelmässig entfernt und die Wunde untersucht werden. Dies nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern auch, um die Wunde zu untersuchen oder Abstriche zu nehmen. Damit steigt auch das Risiko für Infektionen, weil Bakterien an die Wunde gelangen können. 
Ein neuer smarter Wundverband könnte künftig den Zustand der Wunde anzeigen, ohne dass er für die Untersuchung abgenommen werden muss. Dadurch müssten Wundverbände nur so oft gewechselt werden, wie tatsächlich nötig, was Aufwand und Kosten sparen würde. Laut der Forschungsanstalt Empa wurden im letzten Jahr weltweit 17 Milliarden US-Dollar für Wundbehandlungen ausgegeben. 
G. Panzarasa, A. Osypova, C. Toncelli, M.T. Buhmann, M. Rottmar, Q. Ren, K. Maniura-Weber, R. Rossi, L.F. Boesel: «The pyranine-benzalkonium ion pair: A promising fluorescent system for the ratiometric detection of wound pH» - in: «Sensors and Actuators B: Chemical», Juli 2017
Das Pflaster wurde von der Empa zusammen mit der ETH Zürich, dem Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique (CSEM) und dem Unispital Zürich entwickelt. Es ist mit Sensor-Molekülen bestückt, die über ihre Fluoreszenz anzeigen, wie sich die Menge an Glukose und Sauerstoff sowie der pH-Wert der Wunde entwickelt. Dieser ist ein wichtiger Indikator für die Phase der Wundheilung. 
Bei einer normalen Wundheilung steigt der pH-Wert bis zu einem Wert von 8, sinkt dann in den leicht sauren Bereich von 5 bis 6. Schliesst sich die Wunde jedoch nicht und wird chronisch, schwankt der pH-Wert zwischen 7 und 8. 
«Es wäre also hilfreich, wenn das Pflegepersonal am Wundverband mit einem Signal darauf aufmerksam gemacht werden könnte, dass der Wert konstant hoch ist», schreibt die Empa. «Muss der Verband nicht ohnehin aus hygienischen Gründen entfernt werden, könnte man bei tieferen pH-Werten noch zuwarten.»

Signale übers Smartphone

Der von den Empa-Forschern entwickelte Sensor verrät über Leuchtintensität, wie sich der pH-Wert der Wunde verändert. Die Sensormoleküle bestehen aus Benzalkonium-Chlorid, welches zum Beispiel auch bei Textmarkern vorkommt und unter UV-Licht leuchtet. Sie haben ausserdem den Vorteil, dass sie auf der Haut antimikrobiell wirken. Am besten funktoniert der Sensor bei pH-Werten zwischen 5,5 und 7,5. 
Ablesen lässt sich die Leuchtintensität der Sensoren mithilfe eines vom CSEM entwickelten handlichen Fluoreszenz-Messgeräts. Künftig wäre auch das Ablesen der Signale per Smartphone-Kamera und einer dafür entwickelten App denkbar. Auch zuhause hätten Patienten die Möglichkeit, eine sich anbahnende chronische Wunde frühzeitig zu erkennen. 
Noch existiert das smarte Pflaster nur als Prototyp und ist vom der Anwendung im klinischen Alltag noch weit entfernt. Zunächst müssen die Wissenschaftler sicherstellen, dass die Sensormoleküle für Zellen und Gewebe verträglich sind. Auch sind noch Untersuchungen nötig, wie der Sensor in einer komplexen Wunde funktioniert. 
  • Zur Mitteilung der Empa: «Das Pflaster redet mit»
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

«Keine Gen Z»: Spitex-Stelleninserat sorgt für Diskussion

Der Fall eines Spitex-Inserats wirft Fragen zur Personalpolitik auf, steht jedoch im Kontrast zu den Bemühungen vieler Anbieter, junge Fachkräfte für die Branche zu gewinnen.

image

LUKS Gruppe und Hochschule Luzern vertiefen Zusammenarbeit

Die Luzerner Kantonsspital Gruppe und die Hochschule Luzern intensivieren ihre Kooperation in Forschung und Lehre. Im Fokus stehen Pflege und Medizintechnik.

image

Xund: Pflegeberufe so beliebt wie noch nie

In der Zentralschweiz befinden sich erstmals mehr als 3000 Personen gleichzeitig in Ausbildung für einen Pflegeberuf – ein neuer Höchststand.

image

Christine Meuwly ist die erste Kantonspflegefachperson des Kantons Freiburg

Die Pflegefachfrau ist derzeit noch Geschäftsstellenleiterin des Gesundheitsnetzes Sense und kennt das kantonale Gesundheitswesen gut.

image

Bundesrat soll niedrigere Tarife für Angehörigenpflege verordnen

Krankenkassen und Kantone sollen nicht mehr über Qualität und Preis von Angehörigenpflege streiten: Der Bundesrat soll die Regeln aufstellen. Dies fordern zwei Motionen.

image

ZHAW und FH Graubünden starten gemeinsames Pflegestudium

Ab Herbst 2026 bieten die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Fachhochschule Graubünden gemeinsam das Bachelorstudium in Pflege an.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.