Die Entlassung kam am Dienstag- nach über 17 Dienstjahren und «völlig überraschend.» Letzteres sagt der Betroffenen selbst. Er habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Weiter will sich Martin Bienlein, der langjährige Leiter Geschäftsbereich Politik des Spitaldachverbands Hplus auf Anfrage nicht seinem unfreiwilligen Abgang äussern.
Wie Medinside-Recherchen zeigen, wurde Bienlein, der auch im Hplus-Geschäftsleitung sass, am Dienstag vor vollendete Tatsachen gestellt. Er ist bis zum Ablauf seiner Kündigungsfrist freigestellt. Wer Bienlein eine Nachricht auf sein Geschäftsmail schreibt, bekommt deshalb die automatische Antwort: «Vielen Dank für Ihre Mitteilung. Ich habe H+ verlassen.»
Doch was sind die Hintergründe für die abrupte Kündigung? Schliesslich gilt Bienlein als «kompetent, dossiersicher, loyal und in Spitalwesen und Politik bestens vernetzt», wie es Gesundheitsökonom Heinz Locher auf Anfrage ausdrückt. Er habe eine «sehr hohe Meinung von Bienlein», sagt Locher
«Merkwürdiges Vorgehen»
Dass Bienleins Abgang zwar den Verbandsmitgliedern, nicht aber der Öffentlichkeit mitgeteilt worden ist, findet Locher «merkwürdig». Das hinterlasse einen schalen Nachgeschmack. Schliesslich sei Bienlein für den Verband auch gegen Aussen eine zentrale Figur gewesen.
Bienlein ging im Bundeshaus ein und aus. Als Spitallobbyist hatte er mit einem Badge Zutritt zur Wandelhalle. Verschafft hat ihm dieser Zugang die Basler SP-Politikerin Silvia Schenker.
Auch Bienlein selbst ist in der SP aktiv. Hplus-Sprecherin Dorit Djelid verneint auf Anfrage, dass man bei Hplus Anstoss an Bienleins parteipolitischen Aktivitäten genommen habe. Ebenfalls keinen Zusammenhang gebe es zwischen der Entlassung und der Strategie bei den Verhandlungen über einen Tarmed-Nachfolgetarif.
Aus diesen Verhandlungen stieg Hplus im Spätherbst aus. Hire-and-Fire-Mentalität?
Doch was ist dann der Grund für die überraschende Entlassung? Mehrere Quellen sagen gegenüber von Medinside, dass der Wechsel an der Spitze der Hplus-Direktion am Anfang von Bienleins Entlassung stand. Die
ehemalige FMH-Generalsekretärin Anne-Geneviève Bütikofer hat das Amt am 1. Oktober übernommen.
Djelid bestätigt, dass Bütikofer den Entscheid gefällt hat. Das Präsidium trage den Entscheid mit. Als Grund nennt sie «unterschiedlichen Auffassungen über die Ausrichtung und die Organisation der Geschäftsstelle» - eine Floskel, die in solchen Momenten oft verwendet wird - aber wenig aussagt. Quellen sagen, dass Bienlein die Sache anders sieht - er selbst will sich nicht dazu aber nicht äussern.
Ein Insider nennt die Vorgänge bei Hplus gegenüber Medinside befremdlich. Die Quelle sagt, sie fürchte sich davor, dass beim Spitalverband eine neue «Hire-und-Fire»-Mentalität etabliert werden könnte.