Auch die Apotheker schaffen ein eigenes E-Health-Portal

Nach bekannten Grössen wie Swisscom, Post und HIN arbeitet ein weiterer Player an der Vernetzung im Schweizer Gesundheitswesen – die Apotheker-Genossenschaft Ofac.

, 16. September 2016 um 14:47
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Ofac, die Berufsgenossenschaft der Schweizer Apotheker, hat heute die Bildung einer nationalen Stammgemeinschaft angekündigt. Eingeladen seien auch andere andere Pflegedienstleister, Institutionen oder öffentliche Einrichtungen, sagte Ofac-Generaldirektor Mario Magada bei der Ankündigung in Lugano.
Denn für die Ofac ist klar, dass die Apotheken in der E-Health-Strategie der Schweiz und bei der Einführung des elektronischen Patientendossiers eine Schlüsselrolle spielen werden. Daher gründen sie eine so genannte Affinity Domain, welche wiederum mit anderen Gemeinschaften – ob national oder kantonal – kompatibel sein wird.

Einstieg für Patienten ins Dossier

Konkret heisst das auch, dass die Apotheken-Stammgemeinschaft für die Patienten zu einem Tor zu ihrem eigenen Dossier wird: Sie werden über das Ofac-Portal auf ihr EPD zugreifen können, es dort verwalten und mit Gesundheitsdaten ergänzen – auch mithilfe von verbundenen Tools wie Blutdruck-Messgeräten oder Thermometern.
Man habe bereits einen Grossteil der für die Bildung solch einer Stammgemeinschaft nötigen Elemente entwickelt, teilte die Ofac heute mit. So zum Beispiel administrative Identifizierung des Patienten, Identifizierung der Gesundheitsfachpersonen oder ein gesichertes Datenaustausch-Netzwerk, das mit der HIN-Plattform für Ärzte verbunden ist.

Erst die Mediziner, jetzt die Apotheker

Mitte Juli hatte HIN selber – also die Health Info Net AG der Ärzteschaft – bekannt gegeben, im kommenden Jahr eine eigene E-Health-Plattform zu schaffen. 
Das dazu gegründete Unternehmen AD Swiss stellt eine eigene Basis-Austauschinfrastruktur für Ärzte, Pflegende und Therapeuten bereit. Alle Gesundheitsfachleute mit einer HIN-Adresse sollen dereinst Zugang zur E-Health-Dossier-Austauschplattform von AD Swiss erhalten. «Wir schaffen eine Infrastruktur, damit auch die kleineren Leistungserbringer ihre Daten bereitstellen können», sagte HIN-Geschäftsführer Christian Greuter damals.
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Christian Greuter, CEO der Health Info Net AG (HIN)

AD Swiss und Ofac: Wie ist das Verhältnis? Die Einschätzung von HIN-CEO Christian Greuter


Herr Greuter, wie sehr sehen Sie das Projekt der Ofac eher als Konkurrenz, wie sehr auch als Ergänzung zu AD Swiss?
Wir sehen die nationale Stammgemeinschaft der Apotheker-Berufsgenossenschaft Ofac nicht in Konkurrenz zu AD Swiss, eher komplementär. Im Gegensatz zur AD Swiss hat die Ofac von Beginn weg das Ziel, eine Stammgemeinschaft zu gründen. Wir fokussieren auf Dienstleistungen für die Leistungserbringer respektive Gesundheitsfachpersonen.
Was erwarten Sie: Welche Gesundheitsdienstleister sollen sich wo eher anschliessen? Es ist zu vermuten, dass auch die Ofac-Infrastruktur eher für die kleineren Leistungserbringer interessant sein könnte.
Ofac ist sehr gut positioniert, was die Apotheken betrifft – wir kommen historisch eher aus der Ärzteseite. Welcher Infrastruktur sich eine Gesundheitsfachperson anschliesst, ist ihr zu überlassen. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Entscheid von den später entstehenden Zusatzdiensten abhängig sein wird.

Pharmasuisse begrüsst die Ofac-Initiative

Solch eine Stammgemeinschaft eröffne weitreichende Perspektiven für Synergien, teilt der Apothekerverband mit. Denn Pharmasuisse sei ohnehin auf der Suche nach versierten Umsetzungspartnern, um die Apothekenteams in ihrer künftig wichtigeren Rolle als Informationsquelle und privilegierte Coaches für Kunden systemisch einzubinden. In den nächsten Monaten würden nun gemeinsam detaillierte Konzepte in den Bereichen eHealth und des Datenmanagements geprüft.
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