Die Quote in der Schweizer Gesundheitsbranche

Die Frage des Tages lautet: Wie steht es um den Anteil der Frauen im Management der wichtigsten Klinik-Organisationen? Wir haben nachgerechnet. Fazit: Die Lage ist besser als anderswo – aber wacklig.

, 8. März 2016, 14:00
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Der Bundesrat bleibt dabei: Er möchte eine Frauenquote. Im Rahmen der nächsten Aktienrechtsreform, publiziert letzte Woche, will die Landesregierung festschreiben, dass jedes Geschlecht im Verwaltungsrat von börsenkotierten Firmen zu mindestens 30 Prozent vertreten sein muss; und in den Geschäftsleitungen soll jedes mindestens 20 Prozent erreichen.
Höchste Zeit also für ein paar Antworten: Wie sieht es denn in der Gesundheitsbranche aus?
Insgesamt hat diese ja einen enorm hohen Frauenanteil: Er liegt bei knapp 75 Prozent.
Wir haben also die Geschäftsleitungen der 66 grössten Versorger im Land durchforstet –alle Kliniken, Spitäler, Reha-Ketten oder Psychiatrische Dienste, die 500 Personen oder mehr beschäftigen; zudem auch einzelne Kantonsspitäler mit etwas weniger Mitarbeitern.
Das Ergebnis? Der Anteil der weiblichen Direktoriums-Mitglieder erreicht 23 Prozent. Oder genauer: Von 544 erfassten Geschäftsleitungs-Mitgliedern sind 127 weiblich.
Dabei fällt auf, dass wiederum 40 dieser Geschäftsleitungs-Profis – also knapp ein Drittel – als Chefinnen des Bereichs Pflege amtieren. Man kann dies positiv formulieren: In mehr als der Hälfte der grossen Versorger ist der wichtige Bereich der Pflege in der Hand der Frauen. Oder man kann es kritisch sehen: Wer nicht aus der Pflege kommt, hat es ansonsten eher schwer.
Überdurchschnittlich vertreten sind die Direktoriums-Frauen ferner in der Funktion der Personalchefin (12 Vertreterinnen) – sowie natürlich unter den Ärztinnen, die in jenen Organisationen an die Spitze gelangen, wo einzelne Klinikleiterinnen in der Spital- beziehungsweise Gruppenleitung vertreten sind.
23 Prozent Frauen in den Direktorien? Das mag enttäuschend wirken. Andererseits sei ragt das Gesundheitswesen damit bereits heraus. Denn im helvetischen Schnitt erreichen die Frauen auf Stufe Geschäftsleitung gerade mal 6 Prozent.
Und ganz überraschend ist es nicht: Allgemein bekannt ist ja zum Beispiel, dass sich bei den Kaderärzten mit steigender Stufe die gängigen Verhältnisse einstellen – so dass der Anteil der Medizinerinnen auf Stufe Leitender Arzt und Chefarzt unter 20 Prozent liegt.
Und am Ende ist es im Gesundheitswesen wie überall: Noch dünner wird die Luft an der Spitze der Spitze. In den Rollen von CEO beziehungsweise Geschäftsleitungs- oder Direktoriums-Vorsitzenden findet sich nur eine Handvoll Frauen – man kann sie gleich namentlich nennen: Claudia Käch bei den Freiburger Spitälern, Judith Meier bei der RehaClinic-Gruppe, Orsola L. Vettori vom Spital Zollikerberg, Anneliese Seiler vom Gesundheitszentrum Fricktal sowie Andrea Rytz von der Schulthess Klinik; sie ist seit Anfang 2016 im Amt als CEO der Zürcher Orthopädie-Spezialklinik.
Zu erwähnen ist, dass mit Ursula Fringer Schai vom Felix-Platter-Spital in Basel und Rita Ziegler, der Chefin des USZ jüngst gleich zwei Top-Gesundheits-Managerinnen ihr Amt abgegeben hat; Judith Meier, die langjährige CEO der RehaClinic-Gruppe, wird im Mai das Amt der Verwaltungsrats-Delegierten übernehmen – und im CEO-Amt ersetzt von Denise Bundi.
Den Sonderfall bietet übrigens das Spital Zollikerberg unter der operationellen Leitung von Orsola Vettori: Das Direktorium hat hier 15 Mitglieder, wovon 8 weiblich sind. 
Hier zeigt sich, wie sehr solche Verhältnisse eben in der Tradition verhaftet sind beziehungsweise sich aus der Tradition heraus anders entwickeln. «Die Entstehung des Akutspitals Spital Zollikerberg ist ein Stück Frauengeschichte», stellt das Haus selber auf seiner Website fest. Denn bereits die Gründung der «Kranken- und Diakonissenanstalt Neumünster» vor über 150 Jahren hatte zum Ziel, unverheirateten Frauen eine berufliche und gesellschaftliche Perspektive zu eröffnen. Und auch die zweite Wurzel des Spitals, die «Schweizerische Pflegerinnenschule mit Frauenspital», engagierte sich von Beginn an für die Selbstbestimmung der Frauen – immerhin war sie von den ersten Schweizer Ärztinnen ins Leben gerufen worden.
Es zeigt sich also wieder mal: So wie es früher ging, geht es lange noch. Auf beiden Seiten der Quote…
Anteile von Frauen in der Geschäftsleitung: Die erfassten Organisationen
Kantonsspital Aarau, Psychiatrische Dienste Aargau, Kantonsspital Baden, Gesundheitszentrum Fricktal.
Spitalverbund Appenzell-Ausserrhoden, Spital und Pflegeheim Appenzell.
Spitalzentrum Biel, Spitäler FMI, SRO Spital Region Oberaargau, Spital STS, Regionalspital Emmental, Universitäre Psychiatrische Dienste Bern, Spital Netz Bern, Inselspital Bern.
Kantonsspital Baselland, Bethesda Spital Basel, Claraspital Basel, Universitätsspital Basel, UKBB, Felix Platter-Spital.
Solothurner Spitäler, Freiburger Spital, Hôpital, Spital Wallis, Ente Ospidaliero Cantonale Ticino.
CHUV, Hôpitaux universitaires de Genève, Hôpital du Jura, Hôpital neuchâtelois, Hôpital intercantonal de la Broye, Ensemble hospitalier de la Côte, Hôpital de la riviera, Groupement Hospitalier de l’Ouest Lémanique, Spital Wallis.
Luzerner Kantonsspital, Luzerner Psychiatrie, Kantonsspital Nidwalden, Kantonsspital Obwalden, Kantonsspital Uri.
Kantonsspital Glarus, Kantonsspital Graubünden, Kantonsspital St. Gallen, Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland, Spitalregion Fürstenland Toggenburg.
Ostschweizer Kinderspital, Spitäler Schaffhausen, Spital Thurgau.
Universitätsspital Zürich, Universitätsklinik Balgrist, Kantonsspital Winterthur, Stadtspital Triemli, Spital Bülach, Spital Uster, GZO Spital, Spital Limmattal, Spital Zollikerberg, Spital Männedorf, See-Spital Horgen/Kilchberg, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Zürcher Rehazentren Wald und Davos, Schulthess-Klinik, Kinderspital Zürich.
Asana-Gruppe, Clienia-Gruppe, Hirslanden-Gruppe, Lindenhofgruppe, Rehaclinic-Gruppe, Schweiz. Paraplegiker-Zentrum, Swiss Medical Network
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