Das stresst das Pflegepersonal am meisten

Die Spitex-Angestellten sind weniger gestresst als ihre Kolleginnen und Kollegen in Spitälern und Heimen, so das Ergebnis einer Studie.

, 14. Juni 2019, 08:35
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Von Haus zu Haus, jeden Tag. Und dies immer öfters. Die Nachfrage nach Spitexleistungen steigt an. Dies wegen der alternden Gesellschaft - aber auch dem Trend zu immer kürzeren oder gar ambulanten Spitalbehandlungen. Überraschend dabei: Das Wohlbefinden des Spitex-Personals ist überraschenderweise besser als in den Heimen oder Spitälern. Dies zeigt eine Studie der Universität Basel. Durchgeführt wurde sie bei sieben Spitex-Organisationen in der Deutschschweiz. Den Fragebogen der quantitativen Querschnittsstudie SPOT ausgefüllt haben 448 Personen.
Auf die Frage, ob und wie oft sie sich emotional erschöpft fühlen, lag der Durchschnittwert auf einer Skala von 0 = «Nie» bis 6 = «täglich» bei tiefen 1,2. Rund 84 Prozent gaben an, dass sie sich einmal im Monat oder weniger emotional erschöpft fühlen.

Weshalb die Spitex-Mitarbeitenden motivierter sind

Demgegenüber fühlt sich ein Gros der Befragten bei der Arbeit sehr häufig «engagiert». 76,5 Prozent ist dies mindestens einmal wöchentlich der Fall. Auf einer Skala von 0 = «fühle mich nie engagiert» bis 6 = «fühle mich täglich engagiert» betrug der Durchschnittswert 4,6. Einer der möglichen Gründe für das gute Ergebnis: Mitarbeitende der Spitex sind autonomer und flexibler als Angestellte in anderen Gesundheitsbereichen. Ergebnisse von anderen Studien zeigen, dass sich Autonomie häufig in erhöhtem Engagement niederschlägt.

Das stresst am meisten

Für die Untersuchung wurde das sogenannte Job Demands-Resources Modell, ein Arbeitsstressmodell, verwendet, wie die Studienautorin Nathalie Möckli im Spitex-Magazin schreibt. Dieses Modell zeigte auch auf, was bei der Arbeit für Stress sorgte - und was diesem entgegenwirkte.
Insgesamt wurden 23 Ursachen für Stress identifiziert. Am häufigsten genannt wurde «möglichst viel verrechenbare Zeit haben müssen». Über ein Viertel der Befragten fühlt sich dadurch gestresst. Jede fünfte Person wird derweil durch den Zeitdruck gestresst. Ins Gewicht fällt auch, dass die Spitex bei den Spitalaustritten nicht in die Übergabe involviert ist - ebenso, dass Zeit fehlt, um sich in kritischen Situationen mit anderen Leistungserbringern austauschen zu können. Auch die teilweise mangelhafte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sorgt für Stress.

Es kommt auf die Vorgesetzten an

Positiv auf das Arbeitsengagement wirkten sich demgegenüber vor allem soziale Unterstützung und Feedback am Arbeitsplatz aus.
Die Studienautorinnen und -autoren regen trotz der guten Ergebnisse Verbesserungen an. Neben einer Senkung des Zeitstresses werden etwa familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle oder ein besseren Austausch in Form von Fallbesprechungen angeregt. Und sie nehmen die Vorgesetzten in die Pflicht. Bei der der Gestaltung einer positiven Arbeitsumgebung käme diesen eine zentrale Rolle zu.
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