Ärzte: Die Bürokratie lebt

Medizinische und patientennahe Tätigkeiten machen noch einen Drittel eines Ärzte-Tages aus.

, 8. Januar 2018 um 11:55
image
  • fmh
  • spital
  • arbeitswelt
Die gute Nachricht: Medizinische und patientennahe Tätigkeiten sind immer noch der grösste Block im Arbeitsalltag der Schweizer Ärztinnen und Ärzte. Die schlechte Nachricht: Sie machen aber nur rund einen Drittel ihres Tages aus. Die restliche Zeit wird insbesondere mit Dokumentationsarbeiten, Visiten, Rapporten, mit der Organisation oder der eigenen Fortbildung zugebracht.
Dies zeigt eine neue Erhebung, welche die FMH veröffentlicht hat; dabei wurden knapp 1'500 Ärztinnen und Ärzte befragt.
Die repräsentative Befragung bestätigt einen sehr gängigen Eindruck: Die Bürokratie breitet sich aus. Seit 2011 stellt die Studie in der Akutsomatik eine klare Verschiebung fest, denn der Anteil der Arbeiten für Dokumentation und Patientendossiers nimmt deutlich zu. Allerdings nehmen sonstige administrative Tätigkeiten leicht ab. 
Die Quelle: FMH: «Entwicklung der Rahmenbedingungen für Ärztinnen und Ärzte – Befragungsergebnisse 2017»
Im Auftrag der FMH führt das Institut gfs.bern seit 2011 eine repräsentative Befragung bei der Spitalärzteschaft und im praxisambulanten Bereich in der Akutsomatik durch. Seit 2013 werden auch Ärzte und Ärztinnen der Rehabilitation und Psychiatrie befragt. In der aktuellen Erhebung 2017 befragte GFS 1'471 Medizinerinnen und Mediziner.
Konkret: Im Vergleich zu 2011 hat die ärztliche Dokumentationsarbeit und die Arbeit rund um das Patientendossier um 26 Minuten pro Tag zugenommen. Der Anteil sonstiger administrativer Tätigkeiten sank indes seit 2011 um 9 Minuten pro Tag.
image
Wer wieviel für was arbeitet: Ergebnisse der Umfrage | Grafik/Quelle: FMH/GfS
Der Löwenanteil der administrativen Tätigkeiten liegt bei den Assistenzärzten – allerdings trifft sie der Trend zu immer mehr Dokumentations-Arbeiten nicht am stärksten. Denn insbesondere auch die Chefärzte sehen sich mehr und mehr gezwungen, in den Papierkrieg zu ziehen.
Die medizinischen, patientennahen Tätigkeiten – die 35 Prozent ausmachen – beinhalten allerdings ebenfalls «Papierarbeit»: beispielsweise Abklärungen, Recherchen oder das Studium von Akten des Patienten. Ihr Gesamtanteil hatte ab 2011 klar abgenommen, ist aber seit 2013 mehr oder weniger stabil. 
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Medizinstudierende wählen nach Fachattraktivität

Nicht Geld oder Lifestyle entscheiden – sondern die Faszination fürs Fach: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Medizinstudierende ihre Berufswahl vor allem nach der Attraktivität des Fachgebiets treffen.

image

Weniger Regionalpolitik, mehr Tech: Wie das Spital neu gedacht werden soll

H+ will das Ende von Spitaltraditionen. Mit einer PwC-Studie skizziert der Verband ein Krankenhaussystem, das sich von regionaler Politik und bisheriger Planung verabschiedet – und zehntausende Stellen einspart.

image

Titelstau: SIWF halbiert Gebühren rückwirkend

Nach Interventionen aus mehreren Verbänden reagiert das SIWF mit einer temporären Halbierung der Gebühren. Für die Wartezeiten bei der Titelerteilung bedeutet das aber keine Entwarnung – im Gegenteil.

image

Beschwerde gegen das SIWF: Der medizinische Nachwuchs verliert die Geduld

Eine Gruppe von Nachwuchsmedizinern geht vor das Bundesverwaltungsgericht: wegen «ungerechtfertigter Verzögerung» bei der Vergabe von Facharzttiteln.

image

Zürich: Verbände fordern Lohn-«Nachholrunde»

Die vier kantonalen Spitäler sollen ihren Rückstand mit dem Teuerungsausgleich 2026 wettmachen. Gefordert sind Lohnerhöhungen zwischen 1,8 und 2,4 Prozent.

image

So können Ärzte und Ärztinnen Medical Gaslighting verhindern

Medizinische Fachkräfte sollten sich immer wieder fragen: Nehme ich meine Patientinnen genug ernst? Sonst droht Medical Gaslighting.

Vom gleichen Autor

image

Spital heilt, Oper glänzt – und beide kosten

Wir vergleichen das Kispi Zürich mit dem Opernhaus Zürich. Geht das? Durchaus. Denn beide haben dieselbe Aufgabe: zu funktionieren, wo Wirtschaftlichkeit an Grenzen stösst.

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.