Eine Schweizer Gruppe der internationalen Organisation «40 Days for Life» hat in der Fastenzeit vor dem Spital Wil mehrere Mahnwachen gegen Abtreibungen abgehalten. Rund zehn Personen versammelte sich vor dem Spital und machten auf ihr Anliegen aufmerksam.
Die Organisation gibt es seit 2007. Sie ist während der Fastenzeit (40 Days) in 60 Ländern mit gut 6000 lokalen Mahnwachen tätig.
In Wil möchte die SP-Politikerin Ronja Stahl solche Aktionen künftig verhindern, wie die
«Wiler Zeitung» meldet. Die Politikerin findet: «Es geht hier nicht nur ums Beten. Das ist ein Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht.»
«Erhebliche psychische Belastung»
Die freie Wahl, ob und wann jemand Kinder bekommt, sei ein Menschenrecht. Abtreibungsgegner, die Schwangeren Vorwürfe machen oder sie teilweise als Mörder bezeichnen, seien für ungewollt schwangere Personen eine erhebliche psychische Belastung. Das sei menschenfeindlich. Stahl befürchtet auch, dass das Gesundheitspersonal im Spital behindert werde.
Im Spital Wil haben die Aktionen allerdings kein grosses Aufsehen versursacht. Laut der «Wiler Zeitung» sagte dessen Sprecher Philipp Lutz: «Ob wir uns an solchen Gebetswachen stören, ist nicht relevant. Klar ist, dass eine solche Aktion weder die Zufahrten und Zugänge zum Spital noch sonst irgendwie den Spitalbetrieb beeinträchtigen darf.» In der Schweiz gelte Meinungsfreiheit.
«Grossartigen Start hingelegt»
Er bestätigte, dass im Spital Wil im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen würden. Warum die Organisation ausgerechnet das Spital Wil für ihre Aktionen ausgewählt hat, bleibt aber unklar. Auf ihrer Website schreiben die Abtreibungsgegner, dass es die erste Kampagne von «40 Days for Life» in Wil gewesen sei – «und sie hat einen grossartigen Start hingelegt.»
Die Mahnwache habe die Aufmerksamkeit der Gemeinde auf sich gezogen. Autofahrer und Passanten hätten angehalten, um zu erfahren, was die Teilnehmer der Mahnwache vorhätten. Diese begründeten ihre Aktion damit: «Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten ist die Abtreibung in weiten Teilen Europas weniger umstritten, so dass diese Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit entscheidend sind, um das Bewusstsein für die Gewalt der Abtreibung und die Heiligkeit des menschlichen Lebens zu schärfen.»
Pufferzone um das Spital gefordert
Die SP-Politikerin Ronja Stahl will dies Art der Öffentlichkeitsarbeit in Will künftig aber verhindern. Sie vom Wiler Stadtrat wissen, ob «Gehsteigbelästigungen» vor Spitälern eingeschränkt werden können, etwa mit einer Pufferzone um das Spital Wil, womit Patienten sowie das Personal geschützt werden sollen. Sie befürchtet, dass solche Aktionen nicht nur symbolisch seien, sondern zum Ziel hätten, Schuldgefühle zu erzeugen und Druck auszuüben.