Physiotherapie soll ein Pfeiler der Versorgung sein

Eine Berner Studie zeigt, wie effektiv und sparsam gezielte Bewegungstherapie bei vielen Erkrankungen wirkt. Physioswiss will nun die Rolle der Physiotherapie stärken.

, 26. Mai 2025 um 13:07
image
Bild: USZ, Christoph Stulz, PD
«Physiotherapie wirkt – und spart Kosten»: Unter diesem Titel will der Verband Physioswiss das Bewusstsein dafür wecken, dass die Physiotherapie mehr ist als eine unterstützende Massnahme – sondern dass sie in der Gesundheitsversorgung eine Schlüsselrolle spielen kann und dass sie wirtschaftlich sehr bedeutsam ist. Grundlage der Aussage und Kampagne ist eine Studie, welche der Wirksamkeit der Physiotherapie nachging.
Dabei untersuchte ein Team der Berner Fachhochschule 21 Krankheitsbilder. Für diese Befunde wird in gut drei Viertel der klinischen Leitlinien Physiotherapie empfohlen – zum Beispiel bei Rückenschmerzen und Kniearthrose, aber auch nach einem Herzinfarkt.
Die Berner Studie, durchgeführt im Auftrag von Physioswiss, beachtete ferner Beschwerden wie Rückenschmerzen, Arthrose, Typ-2-Diabetes sowie diverse Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Wie trägt Physiotherapie da zu Prävention und Behandlung bei?
  • Alexander Schurz, Jan Taeymans, Heiner Baur & Nathanael Lutz: «Stellenwert der Physiotherapie bei nichtübertragbaren Krankheiten in der Schweiz - Leitlinien-basierte Empfehlungen und Kosteneffektivität». Berner Fachhochschule. September 2024.
Die Literaturstudie berücksichtigte einerseits gewichtige Krankheiten in der Schweiz, (gemessen in DALY, disability-adjusted life years); sie überprüfte dann die jeweils gültigen klinischen Richtlinien; schliesslich suchte sie nach gesundheitsökonomischen Analyse zu den Kostenfolgen der diversen physiotherapeutischen Behandlungen.

«Unangemessene Pflege vermeiden»

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass mehr als der Hälfte der analysierten klinischen Richtlinien mindestens eine starke Empfehlung für die Physiotherapie enthalten – weil Physiotherapie die Heilung fördere oder Schmerzen lindere; weil sie die Selbstständigkeit erhalte und insgesamt die Lebensqualität verbessere.
Besonders betont wird die Wirkung der Physiotherapie bei diesen Krankheitsbildern:
  • Muskuloskelettale Erkrankungen: Hier seien physiotherapeutische Interventionen besonders gut belegt und stark empfohlen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Physiotherapie wird als zentraler Bestandteil der Rehabilitation gewertet.
  • Typ-2-Diabetes: Regelmässige Bewegungstherapie und Schulung gelten als effektiv.
  • Sturzprävention bei älteren Menschen: Durch gezieltes Training kann das Sturzrisiko deutlich reduziert werden.
Abgesehen von ihren therapeutischen Wirkungen soll die Physiotherapie auch eine entscheidende Rolle im Behandlungsverlauf spielen. Zur Beurteilung der Kosteneffektivität wurden vier Studien berücksichtigt (drei systematische Reviews, eine modellbasierte Studie). Sie untersuchten die Folgen bei Rückenschmerzen, Kniearthrose, Diabetes Typ 2, koronare Herzkrankheit.
Alle Studien besagten, dass die empfohlenen physiotherapeutischen Massnahmen die Gesundheit messbar verbessern, und zwar bei vertretbarem oder reduziertem Kostenaufwand.
Am ehesten wirkt Physiotherapie dank Massnahmen wie Trainingstherapie und Bewegung, ferner durch edukative und beratende Elemente. Passive Verfahren spielen hingegen eine untergeordnete Rolle.
«Diese Studie zeigt, was Physiotherapeut:innen tagtäglich leisten – und liefert evidenzbasierte Argumente für eine stärkere Rolle der Physiotherapie in der Grundversorgung», sagt die Präsidentin von Physioswiss, Mirjam Stauffer.
  • grundversorgung
  • Physiotherapie
  • physioswiss
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Regionalspitäler stehen vor einem organisatorischen Umbau

Kleine Regionalspitäler prägen die Schweizer Landschaft, geraten aber zunehmend unter Druck. Spezialisierung, Vorhaltekosten und ambulante Behandlungen erfordern neue Strukturen.

image

«Manche Ärzte verbringen einen Grossteil ihrer Zeit mit Kostengutsprachen»

Arnaud Perrier, Präsident der SAMW, fordert im Interview mit CH Media, dass Ärzte ausserhalb der Bürozeiten besser erreichbar sind, die Ausbildung stärker am Bedarf orientiert wird und das Kontrollsystem der Krankenkassen reformiert wird.

image

Neuenburg: Kantonsspital übernimmt Praxis-Gruppe

Vier Zentren der Gruppe Volta sowie deren medizinische Bereitschaftsdienste werden unter die Leitung des Neuenburger Spitalnetzes RHNe gestellt.

image

Basel öffnet Notfallversorgung für Patienten aus dem südlichen Elsass

Erwachsene aus dem südlichen Elsass können bei medizinischen Notfällen neu im Universitätsspital Basel versorgt werden. Eine Vereinbarung regelt auch die Kostenübernahme.

image

Spitalverband H+ übt Kritik an Agenda Grundversorgung

Der Spitalverband H+ beurteilt den Fachbericht zur Agenda Grundversorgung kritisch. Aus Sicht des Verbands werden Spitäler und Kliniken in der Strategie zu wenig berücksichtigt

image

Telemed statt Praxis: Sanacare und Medgate arbeiten enger zusammen

Bei Termin-Engpässen greifen die Sanacare-Gruppenpraxen bald landesweit auf Medgate zurück: Die Sanacare-MPAs leiten gewisse Patienten direkt an die Telemediziner weiter.

Vom gleichen Autor

image

Centre Hospitalier du Valais Romand: Neuer Direktor

Gianni Saitta wechselt vom Kanton Waadt ins Spital Wallis. Er tritt im Mai 2026 die Nachfolge von Chrystel Carrupt an.

image

Frankreichs Ärzte streiken, die Notaufnahmen sind überlastet

Quoten und niedrigere Tarife: Viele französische Ärzte und Chirurgen in Privatkliniken beteiligen sich an einem Streik von bisher unbekanntem Ausmass.

image

Waadtländer Spitäler: 176 Millionen für Epic

Nun wurde der Gesamtpreis für die Beschaffung eines neuen Klinik-Informationssystems für das CHUV und elf Regionalspitäler bekannt. Er erstaunt.