Pflege durch Angehörige: 38 Franken Lohn – aber 83 Franken Kosten

Der Bundesrat will für die Angehörigenpflege nur Empfehlungen abgeben. Der Ständerat verlangt aber klare Vorgaben.

, 5. März 2026 um 13:36
image
SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen. Screenshot: www.parlament.ch
Manchmal sagen Zahlen mehr als tausend Worte. Bei der Angehörigenpflege beträgt der Stundenlohn für pflegende Angehörige 32 bis 38 Franken. Der Aufwand für ihre Anstellung und Begleitung ist kostenmässig hingegen nicht genau beziffert.
Was hingegen die Finanzierung betrifft, so erfolgt diese über drei Wege:
  • die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP),
  • die Restfinanzierung der Wohngemeinde
  • die Patientenbeteiligung.
Insgesamt ergibt sich daraus ein Betrag von 82.91 Franken pro Stunde. Die Zahlen stammen aus dem Kanton Zürich. SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen brachte sie in der Debatte zur Angehörigenpflege ein und sagte: «Sie sehen: Dem Stundenlohn von 32 bis 38 Franken steht eine Finanzierung von insgesamt 82.91 Franken gegenüber.»
Das Beispiel zeigt, weshalb sich das Bundesparlament zum wiederholten Mal mit der Angehörigenpflege befasst. Am 15. Oktober 2025 publizierte der Bundesrat dazu einen Bericht. Er vermochte die Bundespolitiker nicht zu befriedigen.
Das wünschen sich auch die Mitglieder des Ständerats - und zwar alle ohne Ausnahme. Im genannten Bericht vom 15. Oktober hält der Bundesrat zwar fest, dass die Gestehungskosten der Angehörigenpflege tiefer sind als jene der klassischen Spitex. Dennoch verzichtet er darauf, die OKP-Beiträge im Bereich der Grundpflege zu senken.
Der Ständerat stimmte diesen beiden Motionen einstimmig zu:
  1. Die von pflegenden Angehörigen erbrachten Grundpflegeleistungen definieren und Vergütung durch die OKP klären
  2. Pflege durch Angehörige. Qualitätssicherung und stärkere Planungsbefugnisse im Rahmen des Zulassungsverfahrens von Spitex-Organisationen
Der Obwaldner Mitte-Ständerat Erich Ettlin kritisierte dies in der Debatte: «Eine sachgerechte und kostenbasierte Reduktion des KVG-Beitragssatzes ist jedoch zwingend notwendig, um die Wirtschaftlichkeit der Pflegeleistungen sicherzustellen.»
Damit könne verhindert werden, dass Organisationen ungerechtfertigte Gewinne zulasten der Sozialversicherung und damit der Prämienzahlerinnen und Prämienzahler abschöpfen können.
Grundsätzlich sieht auch der Bundesrat Handlungsbedarf. Nur vertritt er die Auffassung, dass die Kantone in der Pflicht stünden. «Wir im Ständerat sehen das anders», meinte die Bernerin Flavia Wasserfallen: «Wir haben gesagt, der Bundesrat müsse handeln.»
Das hört der Bundesrat überdies nicht zum ersten Mal. Das fordert bereits eine Motion vom Appenzeller Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner. Sie wurde im vergangenen Jahr von beiden Räten überwiesen.
  • politik
  • Angehörigenpflege
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Gesundheitsdirektion zeigt Spital Wetzikon erneut die kalte Schulter

Das Spital Wetzikon ist mit seinem Antrag auf eine Kantonsgarantie erneut gescheitert. Bereits 2024 hatte die Gesundheitsdirektion eine Unterstützung abgelehnt. Nun liegt der Ball beim Gesamtregierungsrat.

image

US-Preisverhandlungen: Diese 15 Medikamente sind nun im Visier

Das Medicare-Programm überprüft erneut die Preise teurer Medikamente. Ziel ist, die Kosten für US-Patienten zu senken. Womit nebenbei auch der Schweizer Markt unter Druck kommen könnte.

image

Bundesrat will bei Spitalplanung nicht eingreifen

Der Bund enttäuscht Gesundheitspolitiker: Er will die Spitalplanung weiterhin den Kantonen überlassen. Obwohl es ganz offensichtlich «Optimierungspotenzial» gibt.

image

Bundesrat soll niedrigere Tarife für Angehörigenpflege verordnen

Krankenkassen und Kantone sollen nicht mehr über Qualität und Preis von Angehörigenpflege streiten: Der Bundesrat soll die Regeln aufstellen. Dies fordern zwei Motionen.

image

Kommission bremst Forderung zu tieferen Medikamentenpreisen

Die Forderung des Kantons Jura nach wirksamen Instrumenten gegen steigende Medikamentenpreise droht zu scheitern.

image

Prioswiss gegen neue Basler Spitallisten: «Falscher Ansatz»

Die Basler Regierungsräte Lukas Engelberger und Thomi Jourdan wollen nur noch «koordinierte» Spitallisten einführen. Krankenkassen und Spitäler warnen vor eingeschränkter Wahlfreiheit und steigenden Kosten.

Vom gleichen Autor

image

Spital Bülach: Neuer Gastroenterologie-Chef

Thomas Balanis wechselt vom Bürgerspital Solothurn ans Spital Bülach.

image

Hebammengeleitete Geburt - jetzt auch in Chur

Immer mehr Spitäler bieten hebammengeleitete Geburten an. Aktuellstes Beispiel: das Kantonsspital Graubünden.

image

Psychiatrie Baselland: Die neue Chefin heisst Aline Montandon

Die Wahl ist gefallen: Aline Montandon wird per September 2026 Nachfolgerin von Barbara Schunk.