Die Fondation pour l'Aide et les Soins à domicile (FSAD) lanciert im Kanton Jura ein Pilotprojekt zur Professionalisierung pflegender Angehöriger. Im Fokus stehen drei zentrale Aspekte: Ausbildung, Begleitung und Entlöhnung. Der Kanton Jura orientiert sich dabei an Modellen, die bereits in den Kantonen Freiburg, Wallis, Waadt, Luzern und Schwyz erprobt wurden.
Den Eintritt in ein Pflegeheim hinauszögern
Das jurassische Pilotprojekt, das auf mehrere parlamentarische Vorstösse zurückgeht, wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz Jura, Caritas Jura, Curaviva, Pro Senectute und Pro Infirmis entwickelt. Ziel sei es, «eine erste Versorgungsstufe direkt am Bett der Patientinnen und Patienten aufzubauen, um den Verbleib zu Hause zu stärken», erklärt die FSAD in einer Mitteilung.
Für die beteiligten Organisationen stellt die Anstellung pflegender Angehöriger in einem klar definierten Rahmen eine Antwort auf mehrere aktuelle Herausforderungen dar: die Aufwertung und Anerkennung dieser oft unsichtbaren Arbeit, den Wunsch vieler Patientinnen und Patienten nach Betreuung in den eigenen vier Wänden sowie die Eindämmung der Kostensteigerung im Gesundheitswesen angesichts der alternden Bevölkerung.
«Ein qualitativ hochwertiger Verbleib zu Hause reduziert die Zahl der Spitaleintritte und trägt wesentlich dazu bei, den Eintritt in ein Pflegeheim hinauszuzögern. Dadurch lassen sich die Kosten für das gesamte Gesundheitssystem – für Versicherte, Steuerzahlende und den Staat – begrenzen», betont die Institution.
«Professionell ausbilden»
Den Auftakt des Projekts bildet eine Rekrutierungskampagne: Die FSAD wird Stellen für pflegende Angehörige ausschreiben, die ihre Tätigkeit im ersten Quartal 2026 aufnehmen sollen.
In Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz des Kantons Jura übernimmt die Stiftung anschliessend deren Ausbildung und fachliche Begleitung. Diese gelten als zentrale Voraussetzungen für eine Entlohnung auf Basis der von den Krankenkassen anerkannten Tarife. Vorgesehen ist die Anstellung von fünf Personen ohne vorherige Ausbildung sowie von weiteren Personen, die bereits über eine entsprechende Qualifikation verfügen.
«Es braucht eine solide Grundausbildung, um den Schritt von der informellen zur professionellen Pflege zu ermöglichen. In der heutigen Praxis werden viele Menschen oft unfreiwillig zu pflegenden Angehörigen und helfen, so gut sie können.» Es gehe darum, diese Tätigkeit zu institutionalisieren und gezielt professionell auszubilden. erklärt Yann Rufer, Direktor des Roten Kreuzes Jura, im Gespräch mit Radio Télévision Suisse (RTS). Die Ausbildung soll 120 Stunden umfassen und sowohl theoretische als auch praktische Inhalte vermitteln.