Niemand weiss, warum es weniger Fage-Lehren gibt

Ausgerechnet jetzt gehen die Zahlen der Lehranfänger bei den Gesundheitsfachleuten (Fage) zurück. Noch ist nicht klar, warum.

, 31. August 2022 um 12:41
image
Plötzlich weniger gefragt: Eine Lehre als Fachfrau Gesundheit - oder kurz Fage. | Klinik Stephansdom
Die Mitteilung tönt an sich positiv: Mitte August haben 820 junge Männer und Frauen im deutschsprachigen Teil des Kantons Bern ihre Ausbildung als Fachfrau oder Fachmann Gesundheit begonnen.

Warum sind es 70 Lehrstellen weniger?

Doch beim genaueren Hinsehen erstaunt Folgendes: Die Zahl der neuen Berufslehren ist am Sinken – und zwar gleich um 70 Lehrstellen im Vergleich zum letzten Jahr. Das bestätigt André Pfanner-Meyer, Geschäftsführer der Bildungsorganisation Oda Gesundheit Bern, gegenüber Medinside.
Warum das so ist, lässt sich noch nicht erklären. «Wir sind am Analysieren, ob es nur ein Ausreisser ist oder ob es andere Gründe gibt», sagt er. Beispielsweise sei es möglich, dass die Spitäler und Heime wegen der hohen Belastung während der Pandemie zurückhaltender waren und weniger Schnupperlehren und neue Lehrstellen anboten.

Nicht nur Bern betroffen

Was klar ist: Bern ist nicht der einzige Kanton mit einem Rückgang. Fast überall ist die gleiche Tendenz feststellbar. Schwarzmalen will André Pfanner-Meyer derzeit nicht. «Die Entwicklung der Lernendenzahlen bei den Fage war in den letzten Jahren sehr erfreulich», betont er.
Als der Kanton Bern die Fage-Ausbildung vor 15 Jahren einführte, lautete das Ziel, jährlich 820 bis 850 Lernende auszubilden. Dieses Ziel wurde dieses Jahr noch knapp erreicht.

Bern ist zuversichtlich

Nach wie vor sei Fage eine der beliebtesten Grundbildungen, sagt André Pfanner-Meyer und ist optimistisch: «Aufgrund der geburtenstärkeren Jahrgänge, die ins Berufsleben eintreten, ist es nicht unrealistisch, dass wir die Zahl der Lernenden in den nächsten Jahren mindestens halten können.»

Dämpfer für die Pflege-Initiative

Allerdings dürfte der derzeitige Rückgang bei den Fage-Lehren auch der Ausbildungsoffensive der Pflege-Initiative einen Dämpfer versetzen. Geplant war, deutlich mehr Gesundheitsfachleute auszubilden und damit automatisch die Zahl der potenziellen Pflegefachleute zu vergrössern.
Denn die Fage können sich an höheren Fachschulen in zwei Jahren zu diplomierten Pflegefachleuten ausbilden lassen. Das macht heute gut die Hälfte. Damit es mehr werden, soll der Bund jene Fage, die weiterstudieren, mit rund 2000 Franken im Monat unterstützen. Doch wenn es gleichzeitig weniger Fage-Lehren gibt, wird die Zahl der Pflegefachleute nicht in dem Mass zunehmen, wie zu erwarten wäre.
  • pflege
  • fachfrau gesundheit
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Floria, die Pflegefachfrau, könnte dem Schweizer Film zu einem Oscar verhelfen

Der Film «Heldin» hat es auf die Top-15-Liste für die Oscar-Nominationen geschafft. Er hat aber auch Kritik aus Pflegefachkreisen laut werden lassen.

image

Spitex Zürich erhält einen neuen CEO

Der Geschäftsleiter der Regio-Spitex Limmattal wird der neue Chef der Spitex Zürich. Der bisherige CEO, Markus Reck, geht in Pension.

image

Pflege: Fatales Signal aus den USA

Die Regierung in Washington streicht Nursing aus der Liste der höheren Abschlüsse.

image

Solothurn: Brücke in den Schweizer Pflegealltag

Ein gemeinsames Programm der Solothurner Spitäler und der Volkshochschule soll ausländischen Pflegefachkräften den Einstieg erleichtern. Es kombiniert Sprachförderung, Weiterbildung und praktische Einsätze.

image

«Ich verstehe die Ungeduld der 200'000 Pflegefachleute im Land»

Heute gehen Pflegekräfte in Bern auf die Strasse: Sie fordern die konsequente Umsetzung der Pflegeinitiative. Auch GLP-Nationalrat und Pflegefachmann Patrick Hässig ist dabei.

image

Sektionen des Pflegefach-Berufsverbands lösen sich auf

Mit etwas Wehmut nehmen die bisherigen regionalen Sektionen des Berufsverbands Abschied. Ab nächstem Jahr gibt es nur noch eine gesamtschweizerische Organisation.

Vom gleichen Autor

image

«Das Inselspital ist noch lange nicht über den Berg»

Das Inselspital wartete mit guten Meldungen auf. Doch der Insel-Kritiker Heinz Locher gibt keine Entwarnung.

image

So entgehen Sie dem Hochstapler-Syndrom

Viele Ärztinnen und Ärzte überfordern sich – und glauben dann selber, dass sie über ihrem Können spielen. Das ist schlecht für die Psyche.

image

Im Schaufenster stehen vor allem unwirksame Medikamente

Bieler Ärzte schlagen eine neue Etikette für rezeptfreie Arzneimittel vor. Sie soll zeigen, wie verlässlich die Wirksamkeit nachgewiesen worden ist.