Ein Luzerner Kinderarzt und SVP-Politiker sorgt sich um die Zukunft der Geburtsabteilung am Spital Wolhusen (gehört zur Luzerner Kantonsspital Gruppe) – und hat dazu eine Motion eingereicht.
Bernhard Steiner, der in Wolhusen eine Kinderarztpraxis betreibt und bereits das Spitalgesetz initiiert hat, beobachtet seit Jahren, dass immer mehr Frauen für planbare Geburten oder Kaiserschnitte nach Sursee oder Luzern ausweichen.
In seiner
Motion schreibt Steiner: «In den letzten Jahren sind die Geburtenzahlen in Wolhusen stetig rückläufig. Diese Abnahme ist aber nicht verursacht durch eine fallende Geburtenrate in der Region, sondern wird proaktiv durch das LUKS gesteuert, indem planbare Geburten nach Sursee oder Luzern verschoben werden.» Zudem seien wiederholte Äusserungen von Mitgliedern des LUKS-Verwaltungsrates, die Zukunft der Abteilung in Frage zu stellen, ein weiterer Faktor.
Mit der
Schliessung der Geburtsabteilung am Spital Langenthal im Oktober 2025 ist Wolhusen das einzige verbleibende Geburtsspital in der ländlichen Region zwischen Luzern, dem Entlebuch und dem Oberaargau. «Schwangere im Entlebuch und im Hinterland müssten in den Wehen bis zu 90 Minuten Fahrzeit auf sich nehmen, was medizinische Risiken birgt und für Familien unhaltbar ist», betont Steiner.
Die Motion fordert den Regierungsrat deshalb auf, «Massnahmen zu ergreifen, um die geburtshilfliche Versorgung in der westlichen Kantonsregion nachhaltig sicherzustellen» und insbesondere «auf den Erhalt der Geburtsabteilung am Spital Wolhusen hinzuwirken». Dabei sollen auch Kooperationen mit dem Kanton Bern geprüft werden, um eine gemeinsame regionale Lösung zu finden.
Auf Anfrage der «
Luzerner Zeitung» nahm das Luzerner Kantonsspital mit Verweis auf den hängigen politischen Vorstoss keine Stellung zu den Vorwürfen. Es legte jedoch Zahlen zum Standort Wolhusen vor: Demnach ist die Zahl der Geburten dort innerhalb von elf Jahren um knapp 44 Prozent auf zuletzt 279 zurückgegangen.
Unlukrative Geburtshilfe
Geburten sind für Spitäler oft finanziell wenig attraktiv.
Laut Bundesamt für Statistik verursachte 2024 eine vaginale Geburt bei Patientinnen mit Grundversicherung einen durchschnittlichen Verlust von 1216 Franken, Kaiserschnitte sogar 1965 Franken – während halbprivat oder privat versicherte Patientinnen im Schnitt 474 bis 845 Franken Gewinn brachten, Kaiserschnitte sogar bis zu 2065 Franken.
Die Stellungnahme des Regierungsrats zu Steiners Motion steht noch aus.