Ilanz: Kinderärzte wehren sich gegen Schliessungspläne

Die Geburtshilfe am Regionalspital Surselva in Ilanz steht auf der Kippe. Kinderarzt Benedikt Malin kritisiert, dass seine Pensionierung als Begründung für eine Schliessung herangezogen wird.

, 8. Dezember 2025 um 08:55
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Kinderarzt Benedikt Malin in seiner Praxis in Ilanz. Bild: zvg
Wie im vergangenen Oktober bekannt wurde, bleibt das Regionalspital Surselva in Ilanz zwar ein Akutspital, muss jedoch sein Leistungsangebot einschränken – besonders betroffen sind Gynäkologie, Geburtshilfe und Pädiatrie.
«Sollte bis Ende März 2026 keine Nachfolgeregelung für den altersbedingt ausscheidenden Kinderarzt gefunden werden, müsste die Geburtshilfe Ende 2026 eingestellt werden», hiess es damals in der Medienmitteilung. Gemeint war die Arztstelle von Pädiater Benedikt Malin.
Nun meldet sich Malin selbst zu Wort. In der «Südostschweiz» kritisiert er gemeinsam mit seiner Praxiskollegin Nathalie Casutt: «Keine Geburten mehr im Spital Ilanz? Für diese Sparmassnahme kann meine anstehende Pensionierung nicht als Grund herhalten.» Die beiden haben sich entschieden, mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit zu treten.
Sie sind nicht einverstanden mit der Darstellung der regionalen Gesundheitsorganisation Sana Surselva, wonach Malins Pensionierung der Hauptgrund für die mögliche Schliessung der Geburtshilfe sei.

Nachfolgelösung

Nathalie Casutt betont, dass sie dem Spital als Kinderärztin sicher erhalten bleibe und aktiv an einer tragfähigen Nachfolgelösung arbeite. Die Suche nach einem direkten Ersatz für Malins Einsatz sei zwar schwierig, «aber nicht aussichtslos».
Als Übergangslösungen ziehen Malin und Casutt eine vorübergehende Umverteilung der Aufgaben oder eine Kooperation mit einer Kindermedizinpraxis in Chur in Betracht. Auch das «Modell Schiers» sei denkbar: Dort werden kranke Neugeborene bei Abwesenheit eines Pädiaters von Hebammen, Geburtshelfern und Anästhesie betreut, bis sie nach Chur verlegt werden. «Es wird auf jeden Fall eine Lösung geben. Da bin ich zuversichtlich», sagt Casutt.

Verständnis, aber...

Sana-Surselva-Präsident René Epp zeigt Verständnis für das Engagement der Kinderärzte: «Sie kämpfen für ihre Abteilung, das ist gerechtfertigt.» Gleichzeitig weist er auf die Herausforderung hin: Die Vorhalteleistungen in der Geburtshilfe seien mit nur einer Ärztin oder einem Arzt kaum zu leisten, eine Kooperation mit einem anderen Spital schwierig.
Immerhin: Auf Antrag der Ilanzer Delegation beschlossen die Gemeindevertreter Mitte November, die Suche nach einer Nachfolge für die Abteilung Pädiatrie und Geburtshilfe bis Mitte Jahr zu verlängern. Sollte bis dahin noch niemand gefunden werden, soll ein Notfallkonzept greifen. Ziel sei es, die Geburtshilfe nicht zu schliessen, sondern eine praktikable Alternative umzusetzen.
Fakt bleibt jedoch: Die Geburtshilfe in Ilanz wird voraussichtlich auch in Zukunft nicht rentabel sein. Angesichts sinkender Geburtenzahlen – derzeit rund 120 pro Jahr bei einer wirtschaftlich tragfähigen Grösse von über 500 – bleibt die Abteilung dauerhaft unter Druck. «Ohne Geburtshilfe hätten die Einsparungen bei rund 1,5 Millionen Franken im Jahr gelegen», betont Epp.
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