Kinder-Intensivmedizin: Versorgung in Gefahr?

Die Interessengemeinschaft Pädiatrische und Neugeborenen-Intensivmedizin (IGPNI) warnt vor einer weiteren Reduktion der Intensivbetten.

, 13. Februar 2024 um 07:26
image
Bild: Kispi Zürch
Im vergangenen Frühsommer sorgte das Kantonsspital Graubünden (KSGR) für Aufsehen: Es kündigte an, dass seiner Kinderintensivstation die Schliessung drohe.
Der Grund: Das interkantonale Gremium, das die hochspezialisierte Medizin auf die Spitäler verteilt, will dem KSGR drei Bereiche entziehen – Krebstherapien für Kinder, die Intensivpflege von Neugeborenen und die Behandlung von schwerverletzten Kindern.
Das Spital meldete dabei, dass die Versorgung der Schwächsten in akuter Gefahr sei. Dieser Warnung schliesst sich nun die Interessengemeinschaft Pädiatrische und Neugeborenen-Intensivmedizin an – und fordert eine «verantwortungsvolle politische Entscheidungsfindung, die den Weg für ein zukunftsfähiges System zur Förderung der Sicherheit und der optimalen Intensivbetreuung von Kindern aller Altersgruppen in der Schweiz ebne», wie es in einer Mitteilung heisst. Alle Kinder in der Schweiz sollen von Spitzen-Medizin profitieren können.
Neben 29 akkreditierten Neonatologie-Stationen gibt es in der Schweiz acht pädiatrische Intensivstationen, die als etabliertes Netzwerk eng zusammenarbeiten: Sie befinden sich in Genf, Lausanne, Bern, Luzern, Basel, Zürich, St. Gallen und Chur.
«Insgesamt würde das Netzwerk geschwächt, indem die Qualität der Versorgung von schwerkranken Kindern und Neugeborenen in der ganzen Schweiz gefährdet würde.» — Aus dem Statement der IGPNI
Neben der allgemein hohen Auslastung und dem Druck auf die Betten durch Fachkräftemangel würden jährliche Spitzen wie die Winterperiode mit einer Häufung von Virusinfektionen eine besondere medizinische und logistische Herausforderung darstelle, so die IGPNI. Die Folge: Um Kapazitätsengpässe auf den pädiatrischen Intensivstationen aufzufangen, werden geplante Operationen verschoben oder abgesagt und zusätzliches Personal rekrutiert oder umverteilt.
Trotz aller Bemühungen sei eine gewisse Anzahl von Verlegungen in andere Kliniken unvermeidbar, heisst es weiter. Dabei seien vorallem Früh- und Neugeborene sowie Kinder mit Atemwegserkrankungen während des Transports einem signifikanten Komplikationsrisiko ausgesetzt.

Hohes Komplikationsrisiko

Eine regionale Reduktion der Zahl der pädiatrischen und neonatologischen Intensivbetten in der Schweiz würde zu einer zusätzlichen Belastung der verbleibenden Stationen führen. Die definitive Behandlung würde sich aufgrund längerer Transportzeiten verzögern, was zu einem erhöhten Risiko für Komplikationen führt. Darüber hinaus müssten einige Subspezialitäten wie Neurochirurgie, Onkologie und Traumatologie – ohne die Unterstützung einer Intensivstation - ihre lokalen pädiatrischen Leistungen reduzieren.
Insgesamt würde das Netzwerk geschwächt, indem die Qualität der Versorgung von schwerkranken Kindern und Neugeborenen in der ganzen Schweiz gefährdet würde. Da das Bundesamt für Statistik in den kommenden Jahren mit einem Bevölkerungswachstum in der Schweiz rechnet, sei auch die demografische Entwicklung zu berücksichtigen.
Von den 8,7 Millionen Einwohnern der Schweiz sind fast 2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren.

  • kindermedizin
  • Kinderspital
  • Pädiatrie
  • intensivmedizin
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

GZO Spital Wetzikon gibt Kinderarztpraxis auf

Wegen der hohen Dichte an Kinderarztpraxen in der Region und aus wirtschaftlichen Gründen wird das GZO Spital Wetzikon seine Kinderarztpraxis Ende Februar 2026 schliessen.

image

Baselbieter Kantonsparlament stützt UKBB

Das Universitäts-Kinderspital beider Basel soll frische Subventionen erhalten, um finanzielle Engpässe zu vermeiden. Der Entscheid im Landrat war deutlich. Doch es gibt auch Misstrauen.

image

Kispi sucht neue Leitung für die Kinderherzchirurgie

Das Kinderspital Zürich steht vor einem Führungswechsel in der Herzchirurgie: Robert Cesnjevar geht nach vier Jahren zurück nach Erlangen, ein Nachfolger wird gesucht.

image

HUG: Ärzteteam schafft Teil-Herztransplantation bei Kind

Erstmals in Europa wurde bei einem Kind nur ein Teil des Herzens transplantiert. Das Team der Universitätsspitäler Genf ersetzte die geschädigten Herzklappen durch lebendes Spendergewebe.

image

Spitäler Schaffhausen: Neuer Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin

Daniel Borer wechselt vom Kantonsspital Winterthur an den Rheinfall – und übernimmt dort zugleich auch die Leitung des OP-Bereichs.

image

KSA: Neuer stv. Chefarzt der Klinik für Pädiatrie

Seit bald 18 Jahren ist Andreas Bieri am Kantonsspital Aarau in der Pädiatrie tätig – nun wurde er zum stellvertretenden Chefarzt befördert.

Vom gleichen Autor

image

Patrick Bader wird Chefarzt am Kantonsspital Glarus

Ab Oktober 2026 übernimmt Patrick Bader die Leitung der Medizinischen Klinik und des Departements Medizin am Kantonsspital Glarus. Er folgt auf Thomas Brack, der nach über 20 Jahren am KSGL in den Ruhestand tritt.

image

Schweiz lockert Regeln für Blutspender

Ab Anfang Februar dürfen in der Schweiz wieder mehr Menschen Blut spenden – darunter Personen mit früheren Transfusionen, längeren Aufenthalten in Grossbritannien oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen.

image

PDAG: Weniger Fremdpersonal, höhere Patientensicherheit

Seit einem Jahr können Mitarbeitende der Psychiatrischen Diensten Aargau ihre Dienste flexibel gestalten – die Kosten für externe Fachkräfte sinken seither, CIRS-Meldungen gehen zurück.