Illegale Arzneimittelimporte: Weniger Erektionsförderer, mehr Hormone

Nach den aktuellen Zahlen von Swissmedic ist die Zahl abgefangener illegaler Arzneimittelsendungen 2025 gestiegen. An der Spitze stehen weiterhin Erektionsförderer, vor Präparaten gegen Haarausfall und Hormonprodukten.

, 16. Februar 2026 um 10:28
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Im Rahmen der Schwerpunktaktion konnten zahlreiche aufgesplittete illegale Arzneimittel-Lieferungen identifiziert und beschlagnahmt werden. Bild: zvg
Die Zahl illegaler Arzneimittelimporte in die Schweiz ist 2025 deutlich gestiegen. Wie Swissmedic mitteilt, wurden in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit insgesamt 6647 Sendungen sichergestellt – 17 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die meisten der von Swissmedic bearbeiteten Fälle konnten im vereinfachten Verfahren abgeschlossen werden: Die bestellten Medikamente wurden vernichtet, die Empfänger verwarnt. Gleichzeitig nahm die Zahl der kostenpflichtigen Verwaltungsstrafverfahren stark zu.

Erektionsförderer, Hormonpräparate...

Auffällig sind Verschiebungen bei den bestellten Produkten. Während Erektionsförderer weiterhin die grösste Gruppe bilden, ist ihr Anteil erneut gesunken. Deutlich zugenommen haben dagegen Mittel gegen Haarausfall sowie Hormonpräparate, darunter Melatonin.
Auch Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie Medikamente mit Abhängigkeitspotenzial wurden häufiger abgefangen. Besonders kritisch beurteilt Swissmedic den Import von Antibiotika, antiviralen Mitteln und Antiparasitika, da deren unkontrollierte Einnahme die Entstehung von Resistenzen begünstigen kann.
Verändert haben sich auch die Lieferwege: Ein wachsender Teil der Sendungen stammt inzwischen aus westeuropäischen Ländern, insbesondere aus Frankreich und Deutschland. Viele Anbieter treten dabei als vermeintliche Schweizer Online-Apotheken auf und täuschen mit entsprechenden Internetadressen oder Symbolen Seriosität vor, obwohl ihnen eine Bewilligung für den Versandhandel in die Schweiz fehlt.

Kriminelle Zwischenhändler

Bei einer internationalen Schwerpunktaktion im November wurde mehr als ein Viertel der kontrollierten Sendungen beschlagnahmt. Dabei zeigte sich ein professionelles Vorgehen krimineller Zwischenhändler: Grössere Bestellungen werden in zahlreiche Kleinsendungen aufgeteilt, um die zulässige Importmenge für den Eigengebrauch zu umgehen. Durch die Zusammenführung solcher Teillieferungen konnten über 200 Sendungen nachträglich eingezogen werden.

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