Gen Z bevorzugt ästhetische statt rekonstruktive Chirurgie

Eine Studie der ESPRAS zeigt, dass sich immer mehr junge Fachärzte für die ästhetische Chirurgie in Privatpraxen entscheiden, statt in Spitälern rekonstruktiv zu arbeiten.

, 1. April 2025 um 05:42
image
Bild: Ehsan Ahmadi/ Unsplash
Eine aktuelle Analyse der Europäischen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (ESPRAS) zeigt: Immer mehr junge plastische Chirurgen der Generation Z wenden sich nach ihrer Facharztausbildung der lukrativen ästhetischen Chirurgie in Privatpraxen zu – und kehren der rekonstruktiven Chirurgie den Rücken.
Die Studie, initiiert von Riccardo Giunta, Direktor der Plastischen Chirurgie der LMU München und ehemaliger ESPRAS-Präsident, basiert auf einer Umfrage unter sieben Präsidenten nationaler plastisch-chirurgischer Fachgesellschaften in Europa. Das Ergebnis: Besonders die Generation Z, geboren zwischen 1997 und 2012, bevorzugt zunehmend die Selbstständigkeit im ästhetischen Bereich statt der oft anspruchsvolleren rekonstruktiven Chirurgie im öffentlichen Gesundheitswesen.
In einigen Ländern wächst bereits die Sorge, dass sich der Trend langfristig auf die Patientenversorgung auswirken könnte – insbesondere im Bereich der Notfall- und Rekonstruktionschirurgie.

Abwanderung

Laut der Studie sind es vor allem lange Arbeitszeiten, starre hierarchische Strukturen und eine unzureichende Work-Life-Balance, die junge Fachkräfte davon abhalten, langfristig in Kliniken zu bleiben. Besonders die bestehenden Dienstmodelle in Spitälern stehen in der Kritik, da sie mit den veränderten Erwartungen der neuen Generation kollidieren.
Mark Henley, Präsident der ESPRAS, sieht in der Entwicklung ein deutliches Warnsignal: «Die Abwanderung der jungen Fachärzte ist ein Weckruf. Wir müssen unsere Organisationsstrukturen überdenken, um die ärztliche Tätigkeit an Kliniken attraktiver zu machen. Sonst drohen langfristig schwerwiegende Folgen für die Patientenversorgung.»

  • Generation Z in Plastic Surgery: Challenges, Solutions and New Horizons – A European and transatlantic overview
Authors: Riccardo E. Giunta, Franco Bassetto, Cenk Demirdöver, Gregory R.D. Evans, Mark Henley, Ilkka Kaartinen, Marcus Lehnhardt, Jaume Masia, Paul McArthur, Jacques Saboye, Yonca Steubing, Irene Mesas Aranda


    Artikel teilen

    Loading

    Kommentar

    Mehr zum Thema

    image

    Zukunft gestalten: MSc Healthcare Leadership an der BFH

    Die Herausforderungen im Gesundheitswesen verlangen nach Fachpersonen mit umfassenden Führungsqualitäten. Hier setzt das schweizweit einzigartige Master-Studium Healthcare Leadership der BFH an. Im Herbst 2026 startet die nächste Durchführung in Bern.

    image

    «Extrem unüblich»: Zweifel an der Sorgfalt eines Proktologen

    Massive Komplikationen und der Verdacht auf Überarztung: Die SRF-Sendung «Kassensturz» nahm einen inzwischen verstorbenen Zürcher Enddarm-Spezialisten ins Visier.

    image

    Spitäler Schaffhausen: Einblicke in das neue «Spital im Wald»

    Mit fast 85 Prozent Ja-Stimmen geht die Modernisierung der Spitäler Schaffhausen in die weitere Umsetzung. Spitaldirektor Dr. med. Andreas Gattiker zeigte nun, wie das Kantonsspital Schaffhausen nach der Modernisierung aussehen wird.

    image

    Überlastung: HFR muss Operationen verschieben

    Saisonale Grippe, Skiunfälle und Bettenmangel setzen das Freiburger Spital stark unter Druck. Nun müssen nicht dringende elektive Eingriffe verschoben werden.

    image

    160 Prozent Zunahme: Krankenkasse zahlen fast 4500 Franken pro versicherte Person

    Als vor 30 Jahren die obligatorische Krankenpflegeversicherung eingeführt wurde, betrugen die Kosten pro Kopf 1700 Franken pro Jahr. Nun ist es gut das Anderthalbfache.

    image

    Orthopädie Sonnenhof expandiert ins Emmental

    Das Spital Emmental arbeitet künftig mit dem gleichen Modell wie das Spitalzentrum Biel: Für die Orthopädie ist die Berner Orthopädie Sonnenhof zuständig.

    Vom gleichen Autor

    image

    Patrick Bader wird Chefarzt am Kantonsspital Glarus

    Ab Oktober 2026 übernimmt Patrick Bader die Leitung der Medizinischen Klinik und des Departements Medizin am Kantonsspital Glarus. Er folgt auf Thomas Brack, der nach über 20 Jahren am KSGL in den Ruhestand tritt.

    image

    Schweiz lockert Regeln für Blutspender

    Ab Anfang Februar dürfen in der Schweiz wieder mehr Menschen Blut spenden – darunter Personen mit früheren Transfusionen, längeren Aufenthalten in Grossbritannien oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen.

    image

    PDAG: Weniger Fremdpersonal, höhere Patientensicherheit

    Seit einem Jahr können Mitarbeitende der Psychiatrischen Diensten Aargau ihre Dienste flexibel gestalten – die Kosten für externe Fachkräfte sinken seither, CIRS-Meldungen gehen zurück.