Dem Tardoc droht eine weitere Ehrenrunde

Das Departement des Innern will das Tarifwerk Tardoc und die ambulanten Pauschalen gleichzeitig einführen. Neue Zielmarke: 2027.

, 26. April 2024 um 07:15
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Neue Akzente: Die neue Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider  |  Bild: admin.ch.
Auf dem Weg zur Ablösung des alten Tarifwerks für die ambulante Versorgung gewinnt offenbar eine neue Idee an Gewicht: Das Departement des Innern will das neue Tarifsystem Tardoc und die ambulanten Pauschalen gleichzeitig einführen.
Die FMH widersprach nun mit einem Communiqé: «Nicht-Genehmigung von Tardoc gefährdet die Patientenversorgung», so der Titel.
Die zeitliche Zusammenfassung sei «eine neue und willkürliche Anforderung, die früheren Aussagen des Bundesrates widerspricht», so die Ärzte-Vereinigung. «Die FMH plädiert dafür, dass der Bundesrat im Sinne einer guten Patientenversorgung endlich seine Verantwortung für die ambulante Tarifrevision übernimmt und ein etappiertes Vorgehen beschliesst.»
Immerhin liege mit dem Tardoc – eingereicht 2019 – ein Vorschlag vor, der nur noch vom Bundesrat genehmigt werden müsste.
FMH und Curafutura setzen sich seit langem für das Tarifwerk Tardoc ein, während Hplus und Santésuisse die Genehmigung eines Tarifsystems portieren, das auf ambulanten Pauschalen basiert. Im Dezember 2023 reichten FMH, Curafutura, Swica und der MTK die fünfte Version des Tardoc beim Bundesrat zur Genehmigung ein.
In dieser Version erfülle das System sämtliche gesetzliche Vorgaben und die bis zu diesem Zeitpunkt vom Bundesrat definierten Bedingungen, argumentiert die FMH jetzt: «Beispielsweise kann mit dem umfangreichen Kostenneutralitätskonzept sichergestellt werden, dass die Einführung kostenneutral erfolgt und der Modellwechsel nicht zu Mehrkosten führt.»

2025, 2026, 2027

Doch offenbar spielt das Departement von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider nun mit der Idee, die ambulanten Pauschalen und Tardoc gemeinsam «im Sinne eines kohärenten Tarifsystems» einzuführen – und dies erst auf 2027. Lange bestand indes die Hoffnung, den veralteten Tarmed 2025 oder zumindest 2026 abzulösen.
Die neue Idee, so die FMH, widerspreche früheren Aussagen des Bundesrates, dass keine zeitliche Abhängigkeit der beiden Tarifstrukturen bezüglich des Einführungszeitpunkts bestehe. Die Verzögerung sei unverantwortlich. Dies zumal Tardoc unabhängig vom Reifegrad der ambulanten Pauschalen genehmigt und eingeführt werden könne.
Die FMH hat an der gestrigen Delegiertenversammlung beschlossen, an ihrem Genehmigungsantrag festzuhalten. Mit dem Ziel, dass der Einzelleistungstarif Tardoc auf spätestens 1. Januar 2026 eingeführt wird. Und die ambulanten Pauschalen, sobald sie überarbeitet und damit sachgerecht sind.
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