Bundesrat will am Anordnungsmodell festhalten

Die Kosten in der Psychotherapie sind massiv gestiegen. Für FDP-Nationalrat Philippe Nantermod ist das nicht tragbar.

, 12. Februar 2026 um 15:05
image
FDP-Nationalrat Philippe Nantermod - hier am Rednerpult während der Wintersession - will das Anordnungsmodell in der Psychotherapie aus dem Leistungskatalog herausnehmen. Screenshot: Parlament
Seit Juli 2022, dem Inkrafttreten des Anordnungsmodells in der psychologischen Psychotherapie, sind die Kosten jährlich um rund 130 Millionen Franken angestiegen. Konkret: von 528 Millionen Franken im Jahr 2021 auf 922 Millionen Franken im Jahr 2024.
Für den Walliser FDP-Nationalrat Philippe Nantermod darf in einem System, das bereits jetzt unter grossem Druck steht, eine solche Entwicklung nicht hingenommen werden.
In einer Motion fordert er deshalb, die psychologische Psychotherapie wieder aus dem Leistungskatalog der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) zu streichen.

Psychotherapie wie Zahnbehandlungen

Der Anwalt aus dem Wallis will zwar die klinische Relevanz der Psychotherapie nicht in Frage stellen. Dennoch möchte er klären lassen, ob psychotherapeutische Leistungen im Sinne des Solidaritätsprinzips weiterhin von allen Prämienzahlenden finanziert werden sollen, oder ob die Kosten anders getragen werden könnten.
Nach seiner Beurteilung könnten Psychotherapien – ähnlich wie Zahnbehandlungen – von anderen Versicherungen übernommen werden, je nach Fall etwa von Zusatzversicherungen, der Unfallversicherung, der Invalidenversicherung oder der Militärversicherung.

Bundesrat sagt «Nein»

Wenig überraschend lehnt der Bundesrat den Vorstoss des FDP-Parlamentariers ab. In seiner Stellungnahme vom 11. Februar 2026 hält er fest, dass mit der Neuregelung der psychologischen Psychotherapie im Rahmen der OKP die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen verbessert werden soll.
Einerseits soll dadurch die Zahl der Leistungserbringer erhöht und der Zugang zur Psychotherapie erleichtert werden. Andererseits soll die Versorgung insgesamt – insbesondere auch in Krisen- und Notfallsituationen – gestärkt werden.

Hauptsache: die WZW-Kriterien

Zudem erinnert der Bundesrat daran, dass die geltende Regelung bereits verschiedene Massnahmen enthält, um ungerechtfertigte Mengen- und Kostenausweitungen zu verhindern. Dazu zählen Einschränkungen bei der Anordnungsbefugnis, eine Begrenzung der Anzahl Sitzungen pro Anordnung sowie die Pflicht zur Kostengutsprache durch den Krankenversicherer nach 30 Sitzungen unter Einbezug einer psychiatrischen Beurteilung.
Massgeblich ist gemäss Gesetz, ob die vergüteten Leistungen die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW-Kriterien) erfüllen. Der Bundesrat weist darauf hin, dass diese Leistungen im Rahmen von Health Technology Assessments (HTA) regelmässig daraufhin überprüft werden, ob sie die WZW-Kriterien tatsächlich erfüllen.
  • psychotherapie
  • anordnungsmodell
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Grundlagenpapier zur ambulanten psychiatrischen Pflege veröffentlicht

Ambulante psychiatrische Pflege begleitet Menschen mit psychischen Erkrankungen im häuslichen Umfeld. Ein neues Grundlagenpapier von Spitex Schweiz, ASPS, Curacasa und der Berner Fachhochschule beschreibt erstmals verbindlich Aufgaben und Leistungsumfang.

image

Psychotherapie: Krankenkassen wollen keine raschere Fallbeurteilung

Sinken die Gesundheitskosten, wenn die Ärzte früher eine Kostengutsprache durch die Versicherung einholen müssen? Die Frage stellt sich bald im Nationalrat.

image

Psychotherapien: 20 Prozent Mehrkosten pro Jahr

Die Krankenkassen mussten in den letzten drei Jahren rund 400 Millionen Franken mehr für Psychotherapien zahlen.

image

Wechsel an der Spitze des Ameos Seeklinikum Brunnen

Der neue Spitaldirektor Matthias Waschkies leitete zuvor zwei Kliniken der Mediclin-Gruppe im Schwarzwald.

image

Psychotherapie: Glarus senkt als erster Kanton die Tarife

Wegen gestiegener Kosten in der Psychotherapie drängen die Krankenversicherer auf eine Tarifsenkung von 150 auf durchschnittlich 140 Franken.

image

PDGR reagiert auf erhöhte Nachfrage

Die Psychiatrischen Dienste Graubünden bauen ihre ambulanten Angebote für Menschen mit psychischen Leiden aus.

Vom gleichen Autor

image

Generation Smartphone – Generation Stress

Psychische Probleme bei Jugendlichen nehmen seit Jahren zu. Eine neue Langzeitstudie legt nun nahe, dass das Smartphone dabei nicht nur eine Nebenrolle spielt.

image

Bundesrat will Referenztarif anheben – Glarus sagt Nein

Die geplante Reform im Rahmen des zweiten Kostendämpfungspakets sorgt für Widerstand. Der Regierungsrat des Kantons Glarus warnt davor, dass höhere Referenztarife die kantonale Spitalplanung untergraben könnten.

image

Komplexe Aorteneingriffe dürfen nur noch an wenigen Standorten stattfinden

Die hochspezialisierte Medizin (HSM) hat eine neue Disziplin: Komlexe Aorteneingriffe bei Erwachsenen.