Arbeitszeiten: Das Modell 42+4 stösst in die Romandie vor

Das Spital Wallis und der VSAO haben eine Vereinbarung für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag unterzeichnet. Die wöchentliche Arbeitszeit wird von 50 auf 46 Stunden gesenkt.

, 27. Juni 2025 um 13:15
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Mitglieder der Spitalirektion und -Verwaltung sowie des VSAO nach der Unterzeichnug  |  Bild: PD Spital Wallis.
Das Spital Wallis und der Verband der Assistenz- und Oberärzte des Wallis (ASMAVal) unterzeichneten am 18. Juni eine wichtige Vereinbarung über die Revision des Gesamtarbeitsvertrags. Nach drei Jahren Verhandlungen, die als «intensiv und oft komplex» bezeichnet werden, sei endlich ein Konsens gefunden worden.
Die wichtigste Änderung ist die Verkürzung der Wochenarbeitszeit der Assistenz- und Oberärzte von 50 auf 46 Stunden. Von diesen 46 Stunden müssen künftig vier Stunden für die strukturierte Weiterbildung verwendet werden.
Das Ziel besteht darin, den Ärzten eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu ermöglichen und die Weiterbildung zu stärken.

Das Modell «42+4»

Dieses Modell – bekannt unter dem Namen «42+4» – lehnt sich direkt an eine vom VSAO entwickelte Initiative an. Der Assistenz- und Oberärzteverband hatte «42+4» in einer nationalen Arbeitsgruppe entwickelt, erstmals umgesetzt wurde es ab Januar 2023 am Institut für Intensivmedizin des Universitätsspitals Zürich. Nachdem die Zürcher Sektion des VSAO Mitte 2023 ihren Gesamtarbeitsvertrag gekündigt hatte, um neue Arbeitszeiten durchzusetzen, wurde der Vorschlag bis heute von allen Zürcher Kantonsspitälern sowie von mehreren regionalen Einrichtungen übernommen.
Bereits 2022 hatte das 42+4-Modell den Sprung über den Gotthard geschafft und Eingang in den GAV zwischen der Tessiner Kantonsspitalgruppe EOC und dem VSAO gefunden. Seit Januar 2025 wird 42+4 an den EOC-Spitälern umgesetzt.
Über die Arbeitszeitverkürzung hinaus soll dieses Modell die Spitäler dazu anregen, den administrativen Aufwand für die Ärzte zu senken und die Weiterbildung transparent zu planen.

Eine finanzielle Investition

Die Einführung des neuen Modells wird schrittweise erfolgen. Es soll bis Januar 2029 auf alle Walliser Spitaldienste ausgedehnt werden. Zugleich fordert die Reform eine Erhöhung des Personalbestands über mehrere Jahre hinweg erfordern, was Gesamtkosten von 4,1 bis 5,4 Millionen Franken verursachen dürfte.
Für das Spital Wallis sei diese Anstrengung eine Investition, die es erlauben soll, die Qualität und die Sicherheit der Pflege aufrechtzuerhalten. Diese Reform «ermöglicht es heute, Haushaltszwänge und berufliche Erwartungen miteinander in Einklang zu bringen», heisst es im Communiqué – und betont, dass sie auch dazu beiträgt, die Risiken von Burn-out und medizinischen Fehlern zu verringern.
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