Affidea expandiert weiter – Übernahme einer Laborgruppe

Der Gesundheitskonzern kauft die Mehrheit von LabPoint – und plant dabei auch eine strategische Partnerschaft mit der Lindenhofgruppe.

, 14. Januar 2026 um 12:36
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«Wichtiger Meilenstein in der Weiterentwicklung»: Labor von LabPoint  |  Bild: PD
Die Affidea Gruppe übernimmt eine Mehrheit an den Laboratorien von LabPoint. LabPoint ist ein medizinisches Diagnostiklabor und ein Anbieter in der Laboratoriumsmedizin und Genetik. Das Unternehmen wurde 2022 von der Lindenhofgruppe gegründet.
Seither habe es ein starkes Wachstum verzeichnet sowie eine nachhaltige Position im Markt erarbeitet, heisst es in der gemeinsamen Mitteilung von Lindenhofgruppe und Affidea. Der Laboranbieter ist an fünf Standorten in Avenches sowie in den Kantonen Bern, Tessin, Waadt und Basel tätig; zudem betreibt LabPoint mehrere Blutentnahmestellen an sieben Standorten.
Diese Standorte sollen nun das Netzwerk von Affidea erweitern, das in der Schweiz heute 33 Zentren für diagnostische Bildgebung und fachärztliche Medizin umfasst. Die Gesamtzahl der Affidea-Angestellten steigt damit auf 870. Nach der Übernahme will Affidea mit LabPoint integrierte Angebote in Pathologie und Zytologie aufbauen.

«Integrierte Präzisionsmedizin»

«Diese strategische Transaktion stellt einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung von Affidea Schweiz dar», so die Mitteilung. Man verfolge das Ziel, «entlang des gesamten Behandlungspfads eine integrierte Präzisionsmedizin anzubieten, die Bildgebung, umfassende Laboranalysen sowie fortschrittliches medizinisches Fachwissen in seinen Kompetenzzentren vereint.»
Die Lindenhofgruppe bleibt als Minderheitsaktionärin an LabPoint beteiligt: Sie soll eine wichtige Rolle als medizinischer Partner bewahren. «Mit der Lindenhofgruppe hat Affidea Schweiz einen starken strategischen Partner gewonnen», so ein Satz dazu im Communiqué.

Verdoppelung im letzten Jahr

Die Gesundheitsgruppe Affidea fällt seit rund drei Jahren durch ein entschlossenes Expansionstempo auf. Im April 2025 übernahm sie das urologische Netzwerk Uroviva und wuchs damit schlagartig von 17 auf 33 Standorte in der Schweiz; die Zahl der Mitarbeitenden stieg von 450 auf rund 700.
Im Februar 2025 schluckte Affidea das Institut für histologische und zytologische Diagnostik mit zwei Pathologielaboren in Aarau und Zollikon.
Ein Meilenstein war zudem die Mehrheitsübernahme des Brust-Zentrums Zürich und der Plastic Surgery Group 2022, womit Affidea zur grössten Anbieterin für integrierte Brustmedizin im Kanton Zürich wurde. Das Wachstum war anfangs in der Westschweiz, dann in der Deutschschweiz erfolgt; mit der Eröffnung eines Brust-Zentrums in Lugano vor gut zwei Jahren etablierte sich das Unternehmen auch im Tessin.

Affidea in Zahlen

  • Die Affidea-Gruppe ist ein paneuropäischer Anbieter spezialisierter Gesundheitsdienstleistungen, darunter Krebsversorgung, Polikliniken und diagnostische Bildgebung. Der Hauptsitz befindet sich in den Niederlanden.
  • Das Unternehmen betreibt gut 410 Zentren in 15 Ländern und verzeichnet jährlich mehr als 14 Millionen Patientenbesuche. Der Umsatz dürfte bei etwa 850 Millionen Euro liegen.
  • Seit 2007 ist Affidea in der Schweiz. Aktuell betreibt es 33 Zentren mit rund 700 Angestellten und betreut 265'000 Patientinnen und Patienten pro Jahr.
  • LabPoint führt 5 medizinische Labore, 4 Notfalllabore, diverse Entnahme- und Schnellanalysestellen. Es beschäftigt rund 170 hochqualifizierte Fachpersonen.
  • Affidea wurde 1991 unter dem Namen Euromedic gegründet und spezialisierte sich zunächst auf Radiologie. Es wurde 2014 von der Familie Bertarelli erworben und 2022 an die Groupe Bruxelles Lambert (GBL) veräussert.
«Die Integration von LabPoint stärkt eine zentrale Überzeugung von Affidea: Präzise Diagnosen, die auf dem Zusammenspiel von Bildgebung, Pathologie und Genetik basieren, sind die Grundlage der modernen, personalisierten Medizin», erklärt Charles Niehaus, der CEO der Affidea-Gruppe, zur Übernahme: «Diese Ergänzung eröffnet neue Möglichkeiten, unsere klinischen Behandlungspfade weiter zu verfeinern und Ärztinnen und Ärzten eine stärkere Entscheidungsgrundlage zu bieten – zum Nutzen der Millionen von Patientinnen und Patienten, die wir in ganz Europa betreuen.»
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