Nach drittem Anlauf: Gemeinden sagen Ja zum Spital Oberengadin

Das Spital Oberengadin kann weitergeführt werden, doch die Rettung geht mit Einschnitten einher: 48 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.

, 5. Februar 2026 um 05:00
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Selina Nicolay, SGO-Stiftungsratspräsidentin und Rolf Gilgen CEO a. i. I Bild: zvg
Das Spital Oberengadin in Samedan ist gerettet. Die Trägergemeinden haben dem Rettungsplan im dritten Anlauf einstimmig zugestimmt und damit den Weiterbetrieb des zweitgrössten Bündner Spitals ermöglicht.
Selina Nicolay, SGO-Stiftungsratspräsidentin zeigt sich erleichtert: «Dieses Abstimmungsergebnis schafft endlich wieder Perspektiven – für unsere Mitarbeitenden, für die Bevölkerung und für unsere Gäste im Oberengadin. Es ist zudem die entscheidende Grundlage, damit die Gesundheitsversorgung gewährleistet bleibt.»
Zentraler Bestandteil des Entscheids ist ein Kredit von 19,5 Millionen Franken sowie die Gründung der neuen öffentlich-rechtlichen Anstalt Sanadura, welche künftig die Gesundheitsversorgung in der Region verantworten soll.
Zudem wurden mehrere Leistungsvereinbarungen genehmigt. Eine davon stellt die medizinische Grundversorgung in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Graubünden und der Klinik Gut St. Moritz sicher.
«Aus der Not entsteht eine Tugend. Die Oberengadiner Gemeinden, die Klinik Gut und das Kantonsspital Graubünden haben die Chance, in enger Zusammenarbeit neue, zukunftsfähige Formen der Gesundheitsversorgung im grossflächigen Kanton Graubünden umzusetzen. Darauf freuen wir uns», schreibt KSGR-CEO Hugo Keune in einem LinkedIn-Beitrag.

48 Stellen fallen weg

Trotz der Zustimmung zum Rettungsplan bleibt der Einschnitt für das Spitalpersonal gross: Ende März verlieren 48 Mitarbeitende, überwiegend aus dem Pflegebereich, ihre Stelle. Zudem werden Leistungen und Betten abgebaut; drei Stockwerke des Spitals sollen geschlossen werden.
Am Standort Samedan bleiben jedoch zentrale Angebote bestehen, darunter die Notfallversorgung, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie, Radiologie sowie ambulante Spezialangebote wie Dialyse und Onkologie.

Samedan sagt klar Ja

Besonders deutlich fiel die Zustimmung in der Standortgemeinde Samedan aus. Die Gemeindeversammlung genehmigte am Mittwochabend alle vier Vorlagen zur Neuaufstellung der Gesundheitsversorgung einstimmig. Insgesamt nahmen 429 Stimmberechtigte teil – eine Rekordbeteiligung.
Neben dem Gesetz zur Gründung von Sanadura bewilligte die Versammlung auch die Leistungsvereinbarung für den Spitalbetrieb, welche ab April 2026 die Akut- und Notfallversorgung sicherstellt.
Über die Vorlagen entscheiden noch Zuoz am 4. März 2026 an der Gemeindeversammlung sowie St. Moritz am 8. März 2026 an der Urne. «Diese Abstimmungsergebnisse sind noch abzuwarten», so Nicolay. Danach kann «Sanadura» formell gegründet werden, damit die Gesundheitsversorgung auch über den 1. April 2026 hinaus nahtlos gewährleistet bleibt.
Die SGO führt das Spital Oberengadin, die Alterszentren «Du Lac» und «Promulins» sowie die Spitex noch bis Ende März 2026. Danach werden die beiden Alterszentren und die Spitex von «Sanadura» weitergeführt. Das Spital wird ab 1. April 2026 von der neuen Spital Oberengadin AG, ein Unternehmen der KSGR-Gruppe, in Samedan weiterbetrieben.

Neue Gremien

Die Trägergemeinden entsenden derzeit ihre Delegierten in den neuen Gesundheitsrat. Dieser wählt bereits in der ersten Hälfte März 2026 einen neuen Verwaltungsrat, der die künftige Gesundheitsversorgung strategisch führt und verantwortet.
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