Spitalplanung: Freiburg bremst gleich drei Klinikprojekte aus

Der Freiburger Staatsrat hat seinen Bericht über die Spitalplanung in die Vernehmlassung geschickt. Drei neue Spitäler – La Berra, Renaissance und Gruyère – werden damit in Frage gestellt.

, 11. Februar 2026 um 16:22
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Der Standort Estavayer-le-Lac (Kanton Freiburg) des Interkantonalen Spitals Broye | Bild: HIB/PD
Der Freiburger Staatsrat gibt die neue Spitalplanung in die Vernehmlassung. Das Dokument soll zur künftigen Liste der kantonalen und ausserkantonalen Spitaleinrichtungen führen, denen Aufgaben in der Akutsomatik, der Rehabilitation und der Psychiatrie zugewiesen werden.
Der mit Spannung erwartete Bericht betrifft insbesondere drei neue geplante Kliniken – La Berra, Renaissance und Gruyère –, die auf kantonale Aufträge gehofft hatten, um überhaupt eröffnen zu können oder bestimmte Leistungen zu erbringen. Die von der Freiburger Regierung erklärte Priorität, nämlich die Wirtschaftlichkeit der Leistungen, beeinträchtigt ihre Ambitionen jedoch stark.
Der Kanton stützt sich bei seiner Planung auf mehrere Bevölkerungsberechnungen bis 2035, wobei die jüngsten Berechnungen von Anfang 2025 stammen. Im selben Jahr wurde eine Ausschreibung veröffentlicht, die es ermöglichte, die von den Bewerbereinrichtungen eingereichten Dossiers zu analysieren. Andere Kantone – Waadt, Bern, Neuenburg, Wallis, Genf und Jura – wurden ebenfalls konsultiert.

Drei unvollendete Klinikprojekte

Die Clinique La Berra, die dieses Jahr in Marly eröffnet werden sollte, wollte zweisprachige Dienstleistungen in Bereichen wie Orthopädie, Augenheilkunde, Viszeralchirurgie und ambulante Medizin anbieten. Die Gesamtkosten der Investition betragen 28 Millionen Franken für eine Einrichtung mit 37 Betten.
Nach Ansicht des Staatsrats würde das Projekt jedoch bei einigen Leistungen zu einem Überangebot führen. Die Clinique La Berra wurde nur in der Urologie (ohne Schwerpunkttitel) sowie bei der Wiederaufnahme von Hüft- und Knieprothesen als bedarfsdeckend erachtet. «Da es sich um ein Projekt zur Gründung einer neuen Einrichtung handelt und eine Klinik allein mit diesen Aufgaben nicht wirtschaftlich arbeiten könnte, werden ihr diese Mandate daher nicht erteilt», schloss die Regierung ihren Bericht. Das Projekt wird daher nicht in die Liste aufgenommen.
Dasselbe gilt für die Kliniken Renaissance und Gruyère: Ihre Projekte zur psychosomatischen Rehabilitation entsprechen keinem zusätzlichen Bedarf, da die Leistungen bereits «sehr weitgehend abgedeckt» sind, wie der Kanton in seiner Mitteilung betont.

HIB in seiner Erweiterung eingeschränkt

Das Interkantonale Spital der Broye, das in Payerne (VD) und Estavayer-le-Lac (FR) tätig ist, hatte sich für eine Erweiterung seiner Leistungen auf das spezialisierte Grundpaket und die Akutgeriatrie beworben. Der Staatsrat ist zwar der Ansicht, dass «diese Leistungen für die Bevölkerung der Freiburger Broye von Nutzen sein könnten», schliesst sich jedoch der Position des Kantons Waadt an: «Es ist aus Gründen der Wirtschaftlichkeit nicht sinnvoll, diese Mandate an das HIB Estavayer zu vergeben».
Nach einer dreimonatigen Vernehmlassung wird der Bericht von der Kommission für Gesundheitsplanung geprüft und dem Grossen Rat als Konsultativbericht übermittelt, bevor er vom Staatsrat formell verabschiedet wird. Die Spitaleinrichtungen und die Versicherer haben dann 30 Tage Zeit, um beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Spitalliste zu rekurrieren. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird die neue Planung voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres in Kraft treten.
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