Erstmals in Europa: Drohne wirft Arzneimittel für Patienten ab

Obwohl viele Drohnenprojekte im Gesundheitsbereich floppten, startet in Deutschland ein neuer Versuch: Eine Medikamenten-Drohne soll vor allem bei der Palliativ-Versorgung helfen.

, 20. Februar 2026 um 00:15
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Bilder: UMH / Phillip Hiersemann
Das Projekt sei «einzigartig in Europa»: In Deutschland startet ein Versuch, bei dem Medikamente per Drohne zu den Patienten gebracht werden. Die «Pallidrohne» wurde von der Universitätsmedizin Halle (Sachsen-Anhalt) mitentwickelt – und wird künftig Arzneimittel in Apotheken aufnehmen und bei den Kunden abwerfen. Sofern sie ein E-Rezept haben, können die Patienten das Medikament per App bestellen.
Der Name «Pallidrohne» zeigt bereits, für welche Fälle das Angebot nützlich sein könnte: In der akuten Palliativversorgung werden schmerzlindernde Medikamente im häuslichen Umfeld oft rasch benötigt. Angehörige sind schwer abkömmlich, andererseits benötigt der Medikamentenkauf in ländlichen Regionen und jenseits der üblichen Öffnungszeiten viel Zeit.
«Die Drohne kann hier eine Lücke schliessen und die Versorgung durch die Apotheke deutlich erweitern», sagt Martin Grünthal; er ist Inhaber der Bauhaus-Apotheke in Dessau, die beim Projekt mitmacht.
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Bemerkenswert ist der Versuch, weil Drohnen als Hilfsmittel im Gesundheitswesen zuletzt eher als Flop denn als grosse Zukunftschance erschienen. In der Schweiz haben inzwischen alle Spitäler ihre Tests mit Transportdrohnen beendet und begraben. Das Fazit: Die Fluggeräte bringen keine wesentlichen Vorteile. Das Universitätsspital Zürich beispielsweise hatte sein Drohnen-Projekt bereits 2022 eingestellt. Zuvor waren unter anderem zwei Drohnen vom Himmel gefallen.
Die Drohnen wurden hierzulande vor allem für den Versand von Gewebe- und Laborproben eingesetzt. Insgesamt erwies sich die Technologie als eher unnötig im dicht vernetzten Land – und als zu aufwendig: Man benötigte drei Personen pro Flug, je eine für Start- und Landeplatz sowie den Operateur. Ginzu kamen Checklisten und Verpackungen, was die Vorbereitungszeit oft auf mehr als 20 Minuten erhöhte.
Die Medikamenten-Drohne «Pallidrohne» in Halle darf aber ihre Medikamente über besiedeltem Gebiet abwerfen – womit die Person für den Landeplatz schon mal eingespart werden kann. Die Drohne verlässt am Zielort lediglich die Flughöhe, sinkt ab auf circa zehn Meter Höhe und öffnet die Bodenklappe. Ein bruchsicherer Karton fällt heraus – dann fliegt die Drohne zur Apotheke zurück. Bislang wurden 80 Flüge und 20 Lieferungen realisiert.
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