«Die Integration ukrainischer Pflegefachkräfte war eine Herausforderung – und ein Erfolg»

Im Sommer 2022 starteten die Hirslanden Kliniken Zürich das Programm «Fit for Hirslanden Ukraine». Marco Gugolz, Direktor Klinik Hirslanden Zürich, zieht eine positive Bilanz – trotz einiger Herausforderungen.

, 20. Oktober 2025 um 07:24
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Marco Gugolz, Direktor Klinik Hirslanden in Zürich / COO Nordostschweiz der Hirslanden-Gruppe. Bild: vg
Im Sommer 2022 starteten die Zürcher Hirslanden Kliniken das Programm «Fit for Hirslanden Ukraine», um geflüchteten ukrainischen Pflegefachkräften eine schnelle Integration in die Schweiz und die berufliche Zertifizierung zu ermöglichen. Welche Erfahrungen haben Sie rückblickend damit gemacht?
Für uns war das Programm von Beginn an ein humanitäres und solidarisches Anliegen. Ukrainische Pflegende sollten sich rasch in der Schweiz integrieren können und die berufliche Zertifizierung erhalten. Arbeitsrechtlich möglich machte dies der Schutzstatus S, welcher die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit erlaubt. Rückblickend kann ich sagen: Es ist eine Erfolgsgeschichte – sowohl für die Kliniken als auch für die Teilnehmerinnen.
Wie hat sich die Initiative seit der Einführung entwickelt?
Sieben ukrainische Pflegende und eine Ärztin erhielten einen Hirslanden Arbeitsvertrag, welcher sich ohne Abstriche an den Rahmenbedingungen «Fachmann/Fachfrau Gesundheit EFZ» orientierte. Bei vollem Lohn lernten die neuen Kolleginnen jeweils morgens Deutsch in einer Zürcher Sprachschule (Ziel Sprachdiplom Deutsch B2) und am Nachmittag arbeiteten sie in den Kliniken.
Welche Herausforderungen gab es während des Programms?
Wir sind sehr motiviert gestartet, aber es zeigte sich schnell, dass wir einige Schwierigkeiten unterschätzt hatten. Viele Teilnehmerinnen hatten weder Deutsch- noch Englischkenntnisse. Die Kombination aus Sprachunterricht und Klinikarbeit war anspruchsvoll. Hinzu kamen die belastenden Fluchterfahrungen und die Sorge um Angehörige in der Ukraine. Auch in Sicherheit in der Schweiz war der Krieg stets präsent. Innerhalb der Kliniken sorgte jedoch ein verständnisvolles Umfeld dafür, dass die Kolleginnen unterstützt wurden und viele Belastungen leichter zu tragen waren.
Konnten medizinische Fachkräfte in die Spitalbetriebe integriert werden?
Ja. Die Integration ins Arbeitsumfeld und in die Gesellschaft verlief relativ schnell. Alle Teilnehmerinnen haben inzwischen gute bis sehr gute Deutschkenntnisse, fünf haben das B2-Sprachdiplom erreicht. Vier Kolleginnen arbeiten weiterhin als Pflegefachkräfte bei Hirslanden.
Wie bewerten Sie das Programm insgesamt?
Für unsere beiden Kliniken in Zürich ist das Programm eine klare Erfolgsgeschichte. Das finanzielle und personelle Engagement war allerdings bedeutend.
Gibt es Pläne, das Programm fortzuführen oder weiterzuentwickeln?
Das Programm war von Anfang an befristet und momentan ist keine Fortsetzung geplant.

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